Titel: Graphischer Brennkalender für die öffentliche Gasbeleuchtung im J. 1887/88.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 14 (S. 62–63)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi01_14
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Graphischer Brennkalender für die öffentliche Gasbeleuchtung im J. 1887/88.

Nach dem Horaire graphique von Guéguen in Paris hat Friedr. Lux in Ludwigshafen auf zwei Tafeln gedruckt einen Brennkalender für das J. 1887 und für das erste Vierteljahr 1888 (Preis 3,50 und 2 M.) herausgegeben, welcher in zeichnerischer Darstellung sämmtliche für die öffentliche Gasbeleuchtung nothwendigen astronomischen Angaben enthält.

Die Tafel ist zunächst mit einem rechteckigen Liniennetze bedruckt. Die wagerechten Linien, des leichteren Ablesens halber in verschiedener Stärke aufgetragen, geben die ganzen, halben und viertel Stunden an. Aehnlich bezeichnen die lothrechten Linien die einzelnen Tage des Jahres.

In dieses Netz sind nun zwei Gruppen von Curven eingetragen: Der in wagerechter Richtung verlaufende obere concave Linienzug gibt zunächst den Sonnenuntergang für Berlin an. Die darauf folgende annähernd parallel verlaufende Curve bezeichnet das Ende der unmittelbaren Sonnenbeleuchtung, also das Ende der bürgerlichen Dämmerung. In ähnlicher Weise gelten die unteren convexen Curven für den Sonnenaufgang in Berlin bezieh. für den Anfang der Dämmerung. Die lothrecht verlaufenden Linienzüge geben Auf- und Untergang des Mondes für Berlin an. Die innerhalb angebrachter Schraffirung annähernd parallel zu den Mondcurven verlaufenden Linienstücke bezeichnen den Augenblick, in welchem der Mond 20° über dem Horizont steht, sein Licht also in die Straſsen dringen kann. Ferner in dieser Schraffirung angebrachte lothrechte gerade Linien zeigen den Eintritt in das erste und in das letzte Viertel an- vor dem ersten und nach dem letzten Viertel ist das Mondlicht zu geringfügig, um mit in Betracht gezogen werden zu können. Die durch die erwähnten Schraffirungen erzeugten helleren und dunkleren Töne stehen im Verhältnisse zu den entsprechenden Graden der Finsterniſs.

Um die Zeiten zu erfahren, zu denen an einem beliebigen Tage die verschiedenen Erscheinungen eintreten, genügt es, die diesem Tage entsprechende Vertikale herabzusteigen und die Zeiten an den Stellen, wo die Curven mit dieser Vertikale kreuzen, abzulesen. Beispielsweise sei der Eintritt der verschiedenen astronomischen Erscheinungen für den 4. Februar 1887 zu bestimmen. Verfolgt man die entsprechende lothrechte Linie, so findet man:

1) Die Sonne geht unter um 4 Uhr 50 Min.
2) Die Abenddämmerung endigt um 5 36
3) Der Mond geht auf um 12 52 Nachm.
am dritten Tage nach Eintritt des ersten Viertels.
4) Der Mond steht über 20° hoch von Beginn
des Abends bis

2

Uhr

30

Min.

Nachts
5) Der Mond geht unter um 3 51
6) Die Morgendämmerung beginnt um 6 53
7) Die Sonne geht auf um 7 39

Für die annähernd unter demselben Breitegrad wie Berlin gelegenen Orte können die Angaben ohne Weiteres benutzt werden. Für die übrigen Orte dagegen ist der Sonnenauf- und Untergang, sowie Anfang und Ende der Dämmerung nach Maſsgabe zweier für verschiedene Breiten beigegebenen Berichtigungstabellen richtig zu stellen.

Mit eigenen Kreiszeichen sind die täglichen Anzünde- und Löschzeiten für volle Beleuchtung (ohne Berücksichtigung des Mondscheines) bemerkt, wie dieselben in Berlin nach Schilling (vgl. Handbuch der Steinkohlengasbeleuchtung, 3. Aufl. S. 682) eingeführt sind. Bei Berücksichtigung des Mondscheines nimmt man während der Tage zwischen dem ersten und letzten Viertel das Anzünden und Löschen der Laternen vor, sobald der Mond bereits bezieh. nur noch 20° über dem Horizont steht.

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