Titel: Darstellung bleichend wirkender Thonerdeverbindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 13 (S. 164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi03_13

Darstellung bleichend wirkender Thonerdeverbindungen.

Die Wilson'sche Bleichflüssigkeit wird deshalb sehr gern zum Bleichen benutzt, weil sie die Faser viel weniger angreift als Chlorkalk und den Bleichprozeſs wesentlich beschleunigt. Man erhält diese Flüssigkeit, wenn man eine Lösung von Thonerdesulfat mit einem wässerigen Auszuge von Chlorkalk fällt, wobei sich schwefelsaurer Kalk ausscheidet und unterchlorigsaure Thonerde in Lösung verbleibt. R. Weiß in Charlottenburg (D. R. P. Kl. 8 Nr. 38084 vom 30. April 1886) hat nun gefunden, daſs man noch stärker bleichend wirkende Verbindungen der Thonerde erhalten kann, wenn man gasförmiges Chlor auf Aluminate, besonders Natrium-, Calcium- und Magnesiumaluminat einwirken läſst. Die bleichenden Thonerdeverbindungen können in Form einer Lösung, wie auch in festem Zustande dargestellt werden. Im ersten Falle leitet man Chlor in eine zweckmäſsig verdünnte Lösung von Natriumaluminat bezieh. in Wasser, in welchem Calciumaluminat oder Magnesiumaluminat oder beide zugleich fein vertheilt sind. Im zweiten Falle läſst man das Chlor auf die festen Aluminate einwirken, wobei man die bleichende Verbindung in einer dem Chlorkalk ähnlichen Form erhält.

Man läſst das Chlor so lange auf die gelösten bezieh. vertheilten oder die festen Aluminate einwirken, als noch eine sichtlich lebhafte Aufnahme desselben stattfindet, wobei alle Vorsichtsmaſsregeln, welche für die Darstellung von flüssigem und festem Bleichkalk gelten (Vermeidung einer zu starken Temperaturerhöhung u.s.w.), beobachtet werden. Sobald das Chlor in gröſserer Menge dem Apparate entweicht, ist die Umsetzung erfolgt und die Verbindung hat den höchsten Gehalt an wirksamem Chlor erreicht. Bei fortgesetzter Einwirkung des Chlores tritt unter Abgabe von Sauerstoff Zersetzung ein und es nimmt dann der Gehalt an gesammtem Chlor zu, dagegen der an wirksamem Chlor ab. Diese Abspaltung von Sauerstoff macht sich, wenn die Aluminate in Wasser gelöst oder vertheilt angewendet werden, durch eine sehr lebhafte Gasentwickelung unter starkem Schäumen bemerkbar.

Die nach diesen Verfahren hergestellten Thonerdeverbindungen wirken in Folge Abgabe von ozonisirtem Sauerstoff auſserordentlich schnell bleichend und zwar gelingt es nach Weiß' Angabe, wie im Groſsen angestellte Versuche ergeben haben sollen, leicht, Gespinnste, Gewebe, Papiermasse u.s.w. in wenigen Tagen, ohne Auslegen, völlig weiſs zu bleichen, wobei auch die bei Anwendung von Chlorkalk den Chlorbädern folgenden Säurebäder wegfallen; wichtig wäre es ferner, daſs die nach diesem Verfahren hergestellten bleichenden Thonerdeverbindungen die Faser weit weniger angreifen als Chlorkalk.

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