Titel: Ueber die Luftbefeuchtung in Spinnereien und Webereien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 6 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi03_6

Ueber die Luftbefeuchtung in Spinnereien und Webereien.

Um in den Fabriksälen der Spinnereien und Webereien die zur Erzeugung gleichmäſsiger Waare nothwendige Feuchtigkeit der Luft zu erhalten, haben Chaudet und Nandin vorgeschlagen (vgl. 1885 255 490), ein Gemisch von Luft und Wasserdampf in die Säle einzublasen. Eine ähnliche Einrichtung hat, nach der Revue industrielle, 1885 S. 403, J. Bertrand angegeben und der Société industrielle du Nord de la France zur Prüfung vorgelegt; die erzielten Versuchsergebnisse sollen befriedigend sein. Bertrand läſst in ein cylindrisches Gefäſs durch eine Düse Dampf und durch eine zweite, die erstere umgebende Düse Wasser treten; ferner schlieſst an das Gefäſs eine Luftzuleitung an, durch welche frische oder aus dem Saale selbst entnommene Luft mittels eines Bläsers getrieben wird. Das im Gefäſse entstehende Gemisch tritt durch anschlieſsende gelochte Röhren in den Saal. Je nach Einstellung der an den Zuleitungen von Dampf, Wasser und Luft angebrachten Regelungsvorrichtungen kann der Flüssigkeitsgehalt und die Temperatur des in den Saal tretenden Gemisches dem Bedarfe entsprechend geregelt werden.

Mit der Luftbefeuchtung in Spinn- und Websälen beschäftigt sich auch eine gröſsere, im Bulletin de Mulhouse, 1886 * S. 5 bezieh. im Bulletin de Rouen, 1885 * S. 395 veröffentlichte Preisabhandlung von E. Deny. Darin wird empfohlen, die Heizung bezieh. Kühlung der Fabriksäle getrennt von einer besonderen Lüftung anzuordnen; erstere haben nur die Wärmeüberführung durch die Auſsenwände auszugleichen; die Lüftung soll dann in den Fabriksälen zugleich die nothwendige Temperatur und den nöthigen Feuchtigkeitsgehalt durch Zuführung entsprechend vorbereiteter Frischluft und Entfernung der verbrauchten Luft schaffen. Es wäre somit die Aufgabe zu lösen, die von auſsen entnommene Luft entsprechend vorzubereiten. Unter Benutzung zeichnerischer Darstellungen wird nun ausgeführt, daſs die Aufgabe, Auſsenluft, deren Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt stets wechselt, auf gleichbleibende bestimmte Temperatur und gleichbleibenden Feuchtigkeitsgehalt zu bringen, durch einfaches Einblasen von Dampf oder durch Verdunstung von Wasser nicht gelöst werden kann. Es muſs vielmehr zuerst die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt und dabei auf solche Temperatur gebracht werden, bei der die gesättigte |160| Luft diejenige Wasserdampfmenge enthält, welche dasselbe Luftgewicht bei dem in den Fabriksälen gewünschten Feuchtigkeitsgrad und der verlangten Temperatur hat; hierauf ist diese gesättigte Luft auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Wenn letztere zu 18° und ein Feuchtigkeitsgrad von 0,8 angenommen wird, so ergibt sich nach der Berechnung Deny's eine Temperatur von 13,8° für die gesättigte Luft, welche zuerst erzeugt werden soll. Hierzu wird der Apparat von Nézeraux und Garlandat (vgl. 1883 248 * 61) vorgeschlagen, bei welchem die Luft mittels eines Schleuderbläsers durch auf einer gelochten Platte flieſsendes Wasser getrieben wird, dessen Temperatur eine bestimmte sein muſs, wenn die Menge stets die gleiche bleiben soll (vgl. auch Howarth 1886 260 * 552). Es wird dann z.B. berechnet, daſs, um 1000cbm Auſsenluft von – 10° und 0,6 Feuchtigkeitsgrad auf + 13,8° zu erwärmen und zugleich mit Feuchtigkeit zu sättigen, 200k Wasser von 94° Temperatur durch den Apparat geleitet werden müssen; hierbei ist jedoch vorausgesetzt, daſs Wasser und Luft durch die erzielte innige Berührung ihre Wärme vollständig austauschen, was nicht eintreten wird.

Die wechselnde Erwärmung der durch den Apparat flieſsenden Wassermenge soll nach Angabe eines in den ausziehenden Luftstrom gehängten Thermometers durch Dampfröhren geschehen, welche von dem Wasser umspült werden, ehe es in den Apparat tritt. Steigt die Auſsentemperatur über 14°, so ergibt die Rechnung, daſs eine Kühlung der Luft eintreten muſs, wozu das Wasser vorher durch einen mit Eis gefüllten Behälter ziehen soll. Um hierbei wieder Wasser von verschiedener Temperatur zu erhalten, soll eine Mischung des gekühlten mit ungekühltem Wasser angeordnet werden; hierfür enthält die Abhandlung praktische Vorschläge. Da während der heiſsen Tage zur Kühlung der Luft sehr bedeutende Mengen Eiswasser nothwendig würden, so schlägt der Verfasser vor, während dieser Tage eine Innentemperatur der Fabriksäle von 24° zu gestatten. In allen Fällen wäre aber die aus dem Apparate strömende Luft noch zu erwärmen, so daſs der Feuchtigkeitsgrad auf den gewünschten Betrag von 0,8 sinkt; hierzu könnte Dampf- oder Wasserheizung mittels Oefen beliebiger Form verwendet werden. Diese so vorbereitete Frischluft wäre dann in die Arbeitssäle zu leiten, wofür Deny empfiehlt, unter der Decke derselben Kanäle anzuordnen, welche an einigen zur Grundfläche gleichmäſsig vertheilten Punkten etwa 2 bis 2m,5 über dem Boden münden. Die Abluftkanäle sollen in den Auſsenwänden hochführen und dicht über dem Boden münden, sowie zur Regelung der Lüftung an den Ausmündungen der Zuluft- und Abluftkanäle entsprechende Vorrichtungen angebracht werden.

Im zweiten Theile der Abhandlung erläutert der Verfasser den Apparat von de Dietrich und Comp. (vgl. 1885 255 * 69). Mittels desselben soll die Luft der Fabriksäle selbst befeuchtet und selbstthätig der Feuchtigkeitsgrad auf stets gleicher Höhe erhalten werden. Deny gibt eine Berechnung dieser selbstthätigen Regelungsvorrichtung, ohne jedoch über die nothwendigen Abmessungen des Apparates selbst Angaben zu machen.

C. de Lacroix, welcher in der Mülhauser Gesellschaft über Deny's Abhandlung Bericht erstattete, betonte, daſs in derselben wohl die theoretische Seite der Frage der Luftbefeuchtung sehr eingehend erörtert, die praktische Seite. jedoch nicht genügend berücksichtigt sei. Der Vorschlag Deny's, die Auſsenluft zuerst auf eine bestimmte Temperatur zu bringen, sei für die heiſse Jahreszeit unzweckmäſsig, da dann zuerst die Auſsenluft gekühlt werden muſs, um sie nachher wieder zu erwärmen.

Noch sei bemerkt, daſs der Vorschlag, die Luft bei niedrigerer Temperatur mit Feuchtigkeit zu sättigen und hierauf zu erwärmen, nicht neu ist, sondern bereits von Prof. Herrn. Fischer im Handbuch der Architektur, Theil 3 Bd. 4 S. 85 und später in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1884 S. 734 empfohlen worden ist.

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