Titel: Wilson's elektrischer Polizeitelegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 8 (S. 161–162)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi03_8

Wilson's elektrischer Polizeitelegraph.

In Amerika wird es auf verschiedene Weise ermöglicht, daſs die Polizeimannschaft auf ihren Rundgängen durch telegraphische Signale ihre Anwesenheit an bestimmten, von ihr zu besuchenden Punkten nach dem Polizeiamte meldet; von diesen Punkten aus können auch, unabhängig von den Feuertelegraphen, mittels eines Telephons Feuermeldungen u. dgl. im Nothfalle nach dem Polizeiamte erfolgen. Soll dies Alles auf demselben Empfangsapparate aufgenommen werden, so muſs derselbe beständig beobachtet und überwacht werden. Zur Behebung dieses Uebelstandes hat John C. Wilson einen Polizeitelegraph angegeben, mit welchem ein Theil von Boston ausgerüstet worden ist.

Der Empfänger besteht aus einem Tische, worauf links ein Schreibtelegraph aufgestellt ist, der die Zeiten aufzeichnet, zu welchen die Wachmannschaften auf ihren Rundgängen jede Meldestelle besuchen, während auf der rechten Seite des Tisches ein Schreibapparat steht, welcher die von Polizeioffizieren oder von Bürgern in Nothfällen gemachten Meldungen aufnimmt. Beim Einlangen einer solchen Meldung ertönt aber zugleich eine Klingel. In der Mitte des Tisches stellen Telephone, andere Telegraphenapparate, Districtsbotentelegraphen u.s.w. zum Gebrauche bereit. Mit dem Polizeiamte sind |162| durch einen einzigen Leitungsdraht zahlreiche Meldekästen aus Guſseisen verbunden. Die Thür an der Vorderseite derselben hat zwei Schlüssellöcher; das eine für numerirte und in eine Liste eingetragene Schlüssel, welche gewissen Bürgern ausgehändigt werden, das andere für den Polizeigebrauch. Wenn ein Polizeioffizier auf seinem Rundgange an einem Meldekasten vorbeigeht, so öffnet er diesen, drückt einen Hebel nieder und sendet so die Meldung nach dem links auf dem Tische im Amte stehenden Schreibapparate. Will er dem Amte eine Mittheilung machen, so stellt er einen Zeiger auf einem mit verschiedenen Wörtern („Feuer,“ „Wache,“ „Wagen,“ „Telephon“ o. dgl.) beschriebenen Zifferblatte und drückt einen Hebel. Hört er beim Oeffnen eine Klingel ertönen, so weiſs er, daſs das Amt auf dem Telephon mit ihm sprechen will. Wird der Schlüssel eines Bürgers in das Schlüsselloch gesteckt und umgedreht, so meldet er – aber in anderer sich im Amte deutlich kennzeichnenden Weise als bei einer Offiziersmeldung – das Verlangen nach einem „Wagen“; dieser Schlüssel kann aber nicht aus dem Schlüsselloche herausgezogen werden, bevor er durch einen Polizeischlüssel wieder frei gemacht worden ist. Der „Wagen“ wird für augenblicklichen Gebrauch bereit gehalten und kann ein Dutzend oder mehr Mann aufnehmen: er ist mit einem Kasten mit wundärztlichen Instrumenten, Verbandzeug u. dgl., einer zusammenklappbaren Tragbahre u.s.w. für den Fall des Bedarfes ausgerüstet. Die Meldungen werden durch Contacträder mit verschieden angeordneten Contactstellen für Morseschrift gegeben: die Rundgangsignale und die Nothfallsignale erfolgen auf denselben Leitungen, mit denselben Batterien, setzen aber nur den betreffenden Schreibapparat in Thätigkeit. Die Nothfallsignale werden in der allen amerikanischen Feuertelegraphen gemeinschaftlichen Weise durch Stromunterbrechung gegeben, während die Rundgangsignale durch Einschaltung bestimmter Widerstände in den Stromkreis und Ausschaltung derselben entsendet werden; in dem Polizeiamte vertheilen Relais diese Signale unter die beiden vorhandenen Schreibapparate. (Nach Engineering, 1886 Bd. 42 S. 90.)

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