Titel: Vergröſserung der Wirkungsweite für Flüssigkeits- und Elektricitätsströme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 5 (S. 256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi05_5

Vergröſserung der Wirkungsweite für Flüssigkeits- und Elektricitätsströme.

C. Cros (Comptes rendus, 1886 Bd. 103 S. 1006) schaltete in Telephonleitungen von so bedeutendem (durch Einschaltung von Drahtrollen erzeugtem) Widerstände, daſs durch dieselben kein Ton mehr fortgepflanzt werden konnte, einen Condensator ein und erreichte dadurch wiederum vollständig klares und deutliches Fortgeben des Tones. Er brachte den Condensator in der Mitte der Leitungen an und fand, daſs zwei an beiden Enden der Leitung eingeschaltete Condensatoren keine Wirkung haben. Durch die Aehnlichkeit von elektrischen Strömen und Flüssigkeitsströmen wurde Cros auf diese Versuche geführt. In Wasserleitungen z.B. werden bekanntlich Stoſswirkungen durch einen genügend groſsen Windkessel ausgeglichen, für die übrigen Leitungen beinahe unfühlbar gemacht. Das stoſsweise in den Windkessel eintretende Wasser tritt gleichmäſsig aus. Werden nun statt eines groſsen Windkessels deren viele kleinere auf die Länge der Leitung vertheilt, so werden dadurch die Stöſse viel weniger aufgehoben, obwohl die Fortpflanzung derselben mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wenn gar keine Windkessel da wären. Cros vergleicht nun die metallischen Drähte mit den Hohlräumen der Windkessel und erklärt sich daraus diese Erscheinungen. Er erwähnt, daſs mit solchen Condensatoren versehene Telegraphenlinien in gegebener Zeit viel mehr telegraphische Zeichen befördern als gewöhnliche Leitungen, hebt aber hervor, daſs diese Anordnung nicht zu verwechseln ist mit der Einschaltung eines Relais, welches eine Wirkung durch eine stärkere ersetzt, während durch Condensatoren die Stärke geschwächt, aber die Reinheit der Töne gefördert wird.

Es darf wohl angenommen werden, daſs diese Idee der Einschaltung von Condensatoren eine Zukunft hat. Die Erklärung von Cros ist zwar kaum genügend; vielmehr haben die Condensatoren lediglich denselben Einfluſs, wie die schon von Fizeau bei den Inductoren angewendeten, nämlich die Extraströme aufzunehmen, wodurch die Verlängerung und das Ineinanderflieſsen der Wechselströme, folglich ihre gegenseitige theilweise Aufhebung vermieden wird. Bei gewöhnlichen Telephonleitungen werden demzufolge die elektrischen Ströme auf weit gröſsere Entfernungen fortgegeben, als sie durch das Gehör wahrnehmbar gemacht werden können. Dagegen verschmelzen die Wirkungen ohne solche Condensatoren, bis schlieſslich mehr und mehr eine mittlere Stromstärke erreicht wird. – Wahrscheinlich läſst sich auch die transatlantische Telegraphie mit Condensatoren vervollkommnen.

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