Titel: Ueber die Verarbeitung von Zuckerrohr bez. Stewart's hydraulische Federung für Quetschwalzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 7 (S. 306–307)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi06_7

Ueber die Verarbeitung von Zuckerrohr bez. Stewart's hydraulische Federung für Quetschwalzen.

Textabbildung Bd. 263, S. 306
Die bisherige Anordnung der Quetschwerke für Zuckerrohr beruhte auf festgelagerten Walzen, zwischen welchen das Zuckerrohr durchgeführt wurde. Bei ungleichen Stärken der Stengel oder unregelmäſsiger Zuführung erfolgte entweder ein mangelhaftes Auspressen des Saftes, oder unter Umständen ein Bruch in der Maschine. Um dies zu vermeiden, hat Duncan Stewart in Glasgow seit einiger Zeit die sogen. hydraulische Federung der Quetschwalzen eingeführt und nach den Industries, 1886 Bd. 1 * S. 268 schon bei mehr als 50 Quetschwerken angewendet. Nebenstehend ist in Ansicht und theilweisem Schnitte eine solche Maschine dargestellt; die obere der 3 Quetschwalzen ist fest gelagert, die Lager der beiden unteren Walzen sind dagegen in der Längsrichtung beweglich geführt, durch Preſswasser gegen einander gedrückt und welchen beim Durchgange dickerer Theile unter gleich bleibender Pressung aus. Damit der zulässig kleinste Abstand zwischen den Walzen nicht überschritten wird, haben die beweglichen Lager in der Richtung gegen die feste Walze eine aus der Zeichnung nicht ersichtliche Hubbegrenzung, welche den Zwischenraum für den ersten Durchgang des zugeführten Zuckerrohres auf der rechten Seite auf wenigstens 20mm erhält, zwischen oberer und linker Walze dagegen auf etwa 1mm, damit bei letzterem Durchgange die vollständige Quetschung stattfindet. Zur Führung des durchgehenden Gutes befindet sich unter der mittleren Walze noch eine Laufwalze im Inneren des Bettes. Der Wasserdruck wird von einem Accumulator geliefert, welcher, da kein Wasserverbrauch stattfindet, von mäſsigen Abmessungen sein kann und durch eine Handpumpe bedient wird.

In der gezeichneten Ausführung sind nur auf einer Seite der Maschine die Lager verschiebbar, auf der anderen um eine lothrechte Achse verdrehbar und soll diese Anordnung hier vollständig genügen. Es unterliegt keinem Anstände, die Wasserdruck-Federung beiderseits anzuwenden, wie dies z.B. bei groſsen Walzenmangen bereits im Gebrauche ist.

Die Walzen des Quetschwerkes haben 0m,760 Durchmesser und 1m,524 Länge. Für eine Lieferung von etwa 10t Zuckersaft in 10 Stunden sind zum Beschicken des Quetschwerkes 15 bis 20 Personen erforderlich, in Folge dessen bei der Beschwerlichkeit der Arbeit – 8t Rohr sind stündlich in die Zuführungsrinne zu bringen – Unregelmäſsigkeiten in der Beschickung nicht zu vermeiden sind.

Statt der beschriebenen Einrichtung des Quetschwerkes mit Federung der einen Seitenwalze kann man auch die obere Mittelwalze nach unten zu zwischen die beiden anderen Walzen pressen. Solche Quetschwerke sollen schon 3 bis 4 Ernten ausgehalten haben.

Ein besonderer Vorzug der neuen Federung besteht in der vollkommen gleichartigen und starken Auspressung des Rohres, wodurch die sogen. Megasse, wie sich dies schon oft gezeigt hat, unmittelbar und ohne vorherige Trocknung als Brennmaterial verwendet werden kann. Die hydraulische Federung ist denn auch auf mehr als 40 Pflanzungen in Anwendung. Früher war es nicht möglich, den zum Auspressen des Rohres erforderlichen Druck zu ermitteln; nach den jetzt vorliegenden Erfahrungen sind 1180k auf 1cm Walzenlänge etwa derjenige Druck, welcher die beste Saftgewinnung bedingt, wenn auch im Uebrigen in der Siederei die vortheilhaftesten Arbeitsweisen und dir |307| besten Maschinen eingerichtet sind. Man erhält alsdann, sei es mit 3, 4 oder 5 Walzen das höchste Saftergebniſs und eine sofort brennbare Megasse; auſserdem wirkt der hydraulische Druck als Sicherheitsvorrichtung gegen Bruch in der Maschine. Natürlich müssen die Verdampfungsapparate im richtigen Verhältnisse zu der erhaltenen Saftmenge stehen. Nach Ansicht von anerkannten Fachmännern würde die allgemeine Einführung dieses Systemes in der Colonie Demerara allein derselben bei jetzigen Preisen einen Gewinn von 6 Mill. Mark jährlich sichern. Kommt dazu ein mechanischer Zubringer, so würde man statt 30 nur noch 2 Arbeiter bei jeder Mühle benöthigen, was für Demerara allein so viel bedeutet, daſs 1600 der besten und stärksten Männer anderweit beschäftigt werden könnten.

Die ältere Arbeit – Zusatz von Kalk, Abschäumen und Eindampfen in offenen Pfannen auf freiem Feuer – ist zum groſsen Theile durch verbesserte Verfahren unter Anwendung von Rillieux'schen Dreikörper-Verdampfapparaten ersetzt worden. Der Saft wird durch Röhrenvorwärmer erhitzt und dann mit Kalkwasser geklärt, mit Schwefligsäure saturirt und durch Filterpressen gedrückt. Die Schlammkuchen fallen nach dem Ausdämpfen in fester Form aus diesen heraus und der Saft geht nöthigenfalls nochmals durch Beutelfilter, um vollkommen klar in den Verdampfapparat zu kommen. In diesem fand bisher stets eine nachtheilige Abscheidung in Folge der unvollständigen Reinigung des Saftes statt, so daſs die Verdampfung erschwert wurde. Pflanzliche und andere Unreinigkeiten setzen sich auf den Platten und Röhren ab und erniedrigen die Verdampfung schon nach wenigen Tagen, oft sogar nach einigen Stunden in so hohem Grade, daſs die Verdampfkörper jede Nacht gereinigt werden müssen. Wenn die Arbeit nicht unterbrochen werden soll, wird dadurch der Dreikörper zum Zweikörper, da immer ein Körper für die gründliche Reinigung ausgeschaltet werden muſs.

Gegen diesen sehr empfindlichen Uebelstand hat man Knochenkohle angewendet; allein die groſsen Kosten, die Notwendigkeit sorgfältigster Arbeit bei der Wiederbelebung und die meist ungenügend vorhandene Menge reinen Waschwassers hat diese Reinigung wieder aufgeben lassen. Andere Ersatzmittel haben keinen Erfolg gehabt und es sind jetzt Versuche im Gange, ein neues, jedoch in der Quelle (Sugar cane, December 1886 * Nr. 209) nicht näher bezeichnetes Reinigungsmittel einzuführen, von welchem ein groſser Erfolg versprochen wird. Dasselbe soll den Saft in einer Arbeit klar und rein an den Verdampfapparat liefern und so alle Störungen vermeiden und die Zuckerherstellung erheblich wohlfeiler machen. Diejenigen Theile der Zuckersiedereien, welche jetzt den Verbesserungen offen stehen, werden, wie Stewart meint, nach der Ausführung dieser letzteren ohne Zweifel die Colonien in den Stand setzen, den Wettkampf mit dem Rübenzucker, trotz der Prämien, mit Erfolg zu bestehen. Mechanische Zubringer, verbesserte Saftreinigung, verbesserte Zuckerreinigung sollen die Herstellungskosten für den Zucker so erniedrigen, daſs die Enttäuschungen der Pflanzer auch bei den jetzigen niedrigen Preisen aufhören sollen.

St.

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