Titel: Ueber die Natur der im Boden enthaltenen Stickstoffverbindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 8 (S. 355–356)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi07_8
|356|

Ueber die Natur der im Boden enthaltenen Stickstoffverbindungen.

Von Berthelot und André sind neuerdings Untersuchungen angestellt worden über die Constitution der im Boden enthaltenen Stickstoffverbindungen. Danach sind dieselben in der Form von unlöslichen Amidoverbindungen vorhanden, welche bei der Einwirkung von Säuren oder Alkalien, oder selbst von Wasser unter Bildung von Ammoniak theilweise in lösliche Amidoverbindungen übergehen. Die Versuche wurden in der Weise angestellt, daſs eine bestimmte Gewichtsmenge des Bodens mit reinem Wasser oder mit Salzsäure von wechselnder Stärke bei verschiedenen Temperaturen und während verschiedener Zeitdauer behandelt wurde. Die Flüssigkeit wird darauf von der Erde getrennt, mit Kalilauge fast neutralisirt, mit Magnesia versetzt und das Ammoniak durch 1 stündiges Kochen ausgetrieben. Die rückständige Flüssigkeit wird nach dem Neutralisiren mit Schwefelsäure zur Trockne verdampft und im Rückstande der Stickstoff durch Glühen mit Natronkalk bestimmt. Die Ergebnisse lassen sich dahin zusammenfassen, daſs die Menge des in Lösung gegangenen Ammoniaks steigt mit der Stärke der Salzsäure, der Einwirkungsdauer und der Höhe der Temperatur. Mit der Menge des Ammoniaks wächst in gleicher Weise die Menge der löblichen Amidoverbindungen, bis dieselben ungefähr ⅓ des Gesammtstickstoffes ausmachen. Die Menge des als Ammoniak vorhandenen Stickstoffes betrug bei 18 stündiger Einwirkung der Säure in der Kälte ⅕, nach 5 Tagen ¼ bis ⅓, nach 2stündiger Einwirkung bei 100° ⅓ des in löslicher Amidoverbindung vorhandenen Stickstoffes. Die in Lösung befindlichen Amidoverbindungen werden nach der Neutralisation der Salzsäure mit Kali durch Zusatz von Kalk, Thonerde oder Eisenoxyd theilweise gefällt, theilweise bleiben sie gelöst. (Nach den Comptes rendus, 1886 Bd. 103 S. 1101.)

Von R. Warrington sind ähnliche Untersuchungen ausgeführt worden, welche im Wesentlichen zu gleichen Ergebnissen geführt haben. Auſser mit verdünnter Salzsäure und reinem Wasser wurden Auszüge des Bodens mit einer Lösung von Kaliumcarbonat bereitet. Der letztere Auszug wurde mit Aether ausgeschüttelt, darauf mit Schwefelsäure angesäuert und wieder mit Aether ausgezogen. Beide Auszüge lieferten nach dem Verdampfen des Aethers weder bei der Behandlung mit Natriumhypobromit, noch bei der Einwirkung von salpetrigsaurem Kali und Essigsäure nennenswerthe Mengen von Stickstoff. Dagegen wurde in dem ursprünglichen Auszuge mit Kaliumcarbonat nach dem Ansäuern mit Schwefelsäure durch Phosphorwolframsäure ein starker, Stickstoff haltiger Niederschlag hervorgebracht. (Nach der Chemical News, 1887 Bd. 55 S. 27.)

Nach G. Loges (Landwirthschaftliche Versuchs-Stationen, 1882 Bd. 32 S. 201) liefert der mit Salzsäure erhaltene Auszug des Bodens mit Phosphorwolframsäure einen Niederschlag, welcher in dem einen Falle 2,20 Proc., im anderen 1,39 Proc. Stickstoff enthielt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: