Titel: Ueber die Feuerbeständigkeit eiserner Tragsäulen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 2 (S. 394–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi08_2

Ueber die Feuerbeständigkeit eiserner Tragsäulen.

Prof. J. Bauschinger hat die früher angestellten Versuche über das Verhalten schmiedeiserner und guſseiserner Säulen im Feuer und bei Abkühlung (vgl. 1885 256 325) durch weitere Versuche ergänzt, welche mit stärker belasteten guſseisernen und besser construirten schmiedeisernen Säulen gemacht sind. Ueber die Ergebnisse hat Bauschinger auf der Wanderversammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine 1886 in Frankfurt a. M. einen Vortrag gehalten, welchem folgender Auszug entnommen ist.1)

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Zwei sorgfältigst gegossene Säulen von 4m Länge, 17,75 bezieh. 15cm,60 mittlerem äuſserem Durchmesser und 2,66 bis 2,90 bezieh. 2,20 bis 2cm,86 Wandstärke wurden mit 77 bezieh. 52t belastet. Die Säulen trugen diese Belastung im Feuer bei Rothglühhitze und während des Anspritzens, wobei sie sich zwar ausbogen, doch nicht soviel, daſs der Bestand darauf ruhender Bauwerkstheile gefährdet worden wäre; Risse und Sprünge bekamen die Säulen nicht.

Die gegen früher sorgfältiger construirten schmiedeisernen Säulen mit kastenförmigem Querschnitte widerstanden dem Feuer und dem Anspritzen ebenfalls, wenn auch nicht so gut wie Guſseisensäulen, während Säulen, aus 4 Winkeleisen in Kreuzform hergestellt, schon durch Erwärmung bis zur Dunkelrothglühhitze, noch mehr aber durch das darauf folgende Anspritzen unaufhaltsam durchgebogen wurden, zuletzt unter einer Belastung, welche nur noch einen geringen Bruchtheil der ursprünglichen betrug.

Aus diesen Versuchen folgert Bauschinger, daſs gut construirte schmiedeiserne Säulen dem Feuer und dem Anspritzen widerstehen können, wenn auch nicht so gut wie Guſseisensäulen. Er glaubt, daſs zu einer solchen guten Construction die Kastenform des Querschnittes und durch die ganze Länge hindurch ununterbrochene Nietreihen gehören, daſs aber die endgültige Entscheidung hierüber nur durch weitere Versuche gewonnen werden könne, da für Rechnungen bis jetzt die nöthigen Grundlagen fehlen.

In einem im Architekten- und Ingenieurverein zu Bremen gehaltenen, in der Deutschen Bauzeitung, 1886 S. 250 mitgetheilten Vortrage behandelt G. Runge die gleiche Frage, ob guſseiserne oder schmiedeiserne Säulen feuerbeständiger seien. Nach Mittheilung von Cluss in Washington sind bei einem Brande der östlichen Zufahrt zur groſsen Mississippi-Brücke in St. Louis die schmiedeisernen Tragsäulen fast unbeschädigt geblieben, während die guſseisernen Verbindungsstücke zerstört worden waren; in Folge dieses und ähnlicher Fälle würden in Nordamerika bei allen wichtigeren Hochbauten nur schmiedeiserne Stützen und Träger, geschützt durch Umhüllung mit feuerfestem Material, benutzt. Runge wendet sich gegen die Folgerung, daſs die schmiedeisernen Säulen im Gegensatze zu den guſseisernen Theilen hierbei ihre gröſsere Feuerbeständigkeit bewiesen hätten, da die Säulen selbst erst im unbelasteten Zustande glühend wurden, als der hölzerne Fahrbahnunterbau nebst den kleinen Guſseisentheilen schon zerstört und zwischen die Säulen gestürzt war. Der Vortragende hält es für zweifelhaft, ob die neuerdings durch Polizeiverordnungen in gröſseren Städten bestimmte durchgängige Verwendung schmiedeiserner Säulen die Feuersicherheit der Gebäude erhöht, und empfiehlt, durch geeignete feuersichere Theilung groſser Gebäude, wie Lagerhäuser, die Entwickelung der bedeutenden Gluthitze, welcher weder Eisen- noch Steinbauten widerstehen, unmöglich zu machen. Hierzu sollen feuersichere abgewölbte und mit Holzcement eingedeckte Dächer in gewissen Abständen sich wiederholend und von feuersicher eingeschlossenen Treppenhäusern zugänglich angeordnet werden, welche zugleich auch der Feuerwehr gesicherte Punkte zum Angriffe bieten; ferner wird empfohlen, ein in dieser Weise abgedecktes Gebäude auch durchweg feuersicher mit Betongewölben und Pfeilern von Klinkern und Cement auszuführen.

Auch H. Bücking (a. a. O. 1886 S. 343) ist der Ansicht, daſs die neuerdings so lebhaft erörterte Frage, betreffend die Feuerbeständigkeit guſseiserner oder schmiedeiserner Säulen, nicht zu Gunsten des einen oder anderen Materials endgültig entschieden werden kann, da die örtlichen Verhältnisse auf das Verhalten beider Eisenarten während eines Brandes einen Ausschlag gebenden, jedoch nicht vorher bestimmbaren Einfluſs ausüben werden. Bücking empfiehlt, die eisernen Säulen durch stetige innere Kühlung vor dem Glühend werden zu bewahren. Da Wasserkühlung (vgl. G. Wright und Dewey 1886 250 52) zu kostspielig und schwer durchführbar sei, so empfehle sich, die Säulen in den über einander liegenden Röhren auch als durchgehende Röhre zu bilden, diese aber unten durch eine dichte Rohrleitung mit der Auſsenluft zu verbinden und oben über Dach münden zu lassen. Der aufsteigende, mit der Erhitzung der Säule sich verstärkende Luftzug würde wohl das Glühendwerden derselben nicht vollständig verhindern, aber den Zeitpunkt des Eintrittes desselben möglichst hinausschieben.

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Barret theilt in den Annales des Ponts et Chaussées, Oktober 1886 mit, daſs bei einem im J. 1859 in Antwerpen stattgehabten Speicherbrande die guſseisernen Säulen schmolzen, während die angrenzenden, durch Brandmauern abgeschlossenen Gebäudetheile unversehrt blieben; bei einem anderen im J. 1861 gleichfalls in Antwerpen ausgebrochenen Speicherbrande wurde das durch Brandmauern nicht abgetheilte Gebäude, dessen obere Geschosse auf 170 guſseisernen Säulen ruhten, durch Einsturz sämmtlicher Decken vollständig zerstört; ferner ist bei Bränden in England mehrfach beobachtet worden, daſs dunkelrothwarm gewordene Säulen und Träger aus Guſseisen in Stücke sprangen, sobald sie angespritzt wurden. In Marseille suchte man die Säulen dadurch gegen die Einwirkung des Feuers zu schützen, daſs man deren Hohlraume in den Geschossen mit einander, sowie unten und oben mit der freien Luft in Verbindung setzte; jedoch erwies sich diese Maſsregel erfolglos. Barret empfiehlt nun – wie Bucking – die guſseisernen Säulen der verschiedenen Geschosse mit einander dicht zu verbinden und unten an die städtische Wasserleitung, oben an die Dachrinnen oder Abfallrohre anzuschlieſsen; ferner sollen die Decken mit Hohlsteinen auf Eisenträger eingewölbt werden, welche letztere thunlichst in das Gewölbemauerwerk einzubetten sind, so daſs nur die Unterfläche des Untergurtes der Einwirkung eines etwa ausbrechenden Feuers ausgesetzt bleibt. Die Enden der Träger sollen in den Umfassungsmauern und den etwaigen stützenden Zwischenwänden auf guſseisernen Platten ruhen, welche eine freie Längenausdehnung ermöglichen.

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Vgl. Centralblatt der Bauverwaltung, 1886 S. 353 bezieh. Heft XV der Mittheilungen aus dem mechanisch-technischen Laboratorium der technischen Hochschule in München.

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