Titel: Zink als Mittel zur Verhütung von Kesselsteinbildung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 3 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi08_3

Zink als Mittel zur Verhütung von Kesselsteinbildung.

Ueber die Anwendbarkeit des metallischen Zinkes zur Verhütung oder Verminderung der Kesselsteinbildung in Dampfkesseln sind nach der Revue universelle, 1886 Bd. 20 8. 83 von C. Quehaut auf der Hütte La Vieille-Montagne zu Levallois-Perret Versuche angestellt worden, welche zu befriedigenden Ergebnissen geführt haben. Es wurde in jede Abtheilung des zu den Versuchen dienenden Belleville'schen Röhrenkessels, welcher mit an Kalk sehr reichem Wasser gespeist wurde, je eine Zinkspirale eingeführt; dieselben bedeckten sich allmählich mit einem ungefähr 1mm dicken Ueberzuge und verringerten, besonders wenn sie in Bewegung erhalten wurden, die Menge des Ansatzes an den Röhren in dem Maſse, daſs erst nach 5 wöchentlichem Gebrauche sich eine Reinigung des Kessels nothwendig machte, während solche früher alle 3 Wochen vorgenommen werden muſste. Der während des 5 wöchentlichen Betriebes entstandene Absatz hatte folgende Zusammensetzung:

Zinkoxyd 37,15 Proc.
Eisenoxyd 0,35
Kalk 20,66
Magnesia 2,24
Schwefelsäure 31,48
Silicium 1,60
Kohlensäure, Wasser u.s.w. 6,45

Ueber denselben Gegenstand berichtet L. Canon a. a. O. S. 87. Hiernach gelingt es, durch Einführung des Zinkes auch die Corrosion der Kesselwände zu verhüten, welche sich in hohem Maſse auf Seedampfern fühlbar macht und der Wirkung von galvanischen Strömen zugeschrieben wird. Die Entstehung der letzteren ist in jedem Dampfkessel durch das Vorhandensein von Eisen- oder Stahlplatten verschiedener chemischer Zusammensetzung möglich; sie wird bei Seeschiffen begünstigt durch die hohe galvanische Leitungsfähigkeit des zur Speisung dienenden Salzwassers. Durch die Einführung eines elektro-positiveren Metalles, z.B. des Zinkes, in den Kessel wird die oxydirende Wirkung des galvanischen Stromes auf das Zink übertragen. Hieraus ergeben sich von selbst die für die Wirkung des Zinkes günstigsten Bedingungen: die Zinkplatten müssen eine möglichst groſse Oberfläche besitzen, weshalb man sie spiralförmig aufrollt, und sie müssen in gutem, metallischem Contact mit der Kesselwandung stehen. Die bei diesen Versuchen beobachtete Thatsache, daſs bei gleicher Oberfläche das spiralförmig aufgerollte Zink eine gröſsere Wirkung ausübt als ebene Platten, scheint nicht in der äuſseren Form seine |397| Ursache zu haben, sondern beruht auf der gröſseren chemischen Reinheit, indem Zinkplatten sich um so leichter aufrollen lassen, je mehr sie sich in ihrer Zusammensetzung dem chemisch reinen Metalle nähern. Um die Abnutzung des Zinkes möglichst zu vermindern, kann man nach Canon ohne Schaden für die Kesselwände dasselbe in amalgamirtem Zustande anwenden. Ferner empfiehlt sich bei Wässern mit reichem Gypsgehalte der Zusatz von Soda, indem der hierdurch bewirkte Absatz von kohlensaurem Kalk auf dem Zink sich gegenüber dem sonst entstehenden, luftdicht abschlieſsenden Gypsüberzuge durch seine gröſsere Porosität auszeichnet. Es bleibt in Folge dessen das Metall während einer längeren Zeit in unmittelbarer Berührung mit dem Speisungswasser, so daſs die Zahl der nothwendigen Reinigungen geringer wird. Seit mehreren Jahren wird das Zink in der besprochenen Weise auf der englischen Kriegsmarine mit gutem Erfolge angewendet. (Vgl. Uebersicht 1876 222 166.1879 231 58.1883 247 456).

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