Titel: Ueber künstliche Rubine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 8 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi08_8

Ueber künstliche Rubine.

Im Journal of the Franklin Institute, 1886 Bd. 122 S. 379 berichtet G. F. Kunz über neue künstlich hergestellte Rubine, welche von Genfer Firmen im Anfange des letzten Sommers als von einer neuen Fundstelle herrührend in den Handel gebracht sein sollen. Kunz untersachte mehrere Proben derselben und gelangte dabei zu folgenden Ergebnissen. Diese künstlichen Steine zeichnen sich hauptsächlich durch die Anwesenheit einer groſsen Anzahl von kugeligen, seltener birnförmigen Bläschen aus, oder sie zeigen faserige Stellen, welche offenbar von der Bewegung der Bläschen herrühren. Die letzteren scheinen mit Luft oder einem Gase gefüllt zu sein; einige von denselben schlieſsen ein zweites Bläschen ein. Im Gegensatze hierzu besitzen die im natürlichen Rubin vorhandenen Höhlungen eine eckige, Krystall ähnliche Gestalt und sind gewöhnlich mit einer Flüssigkeit gefüllt. Als ein zweites Hauptunterscheidungsmerkmal ist das Fehlen der Seidenstructur zu betrachten, welche sich bei vielen echten Rubinen findet und die von der parallelen Anordnung einer Menge von kleinen, keil- oder nadelförmigen, wahrscheinlich aus Rutil bestehenden Krystallen herrührt. Ebenso fehlt der durch die letzteren bei den echten Steinen hervorgerufene sternförmige Lichtschein. Die Härte der untersuchten Proben war dieselbe wie die von echtem Rubin, mit dem einzigen Unterschiede, daſs die künstlichen Steine eine etwas gröſsere Sprödigkeit besaſsen. Das specifische Gewicht wurde zu 3,93 bis 3,95 gefunden, während das des natürlichen Rubins zwischen 3,98 und 4,01 schwankt, welcher geringe Unterschied zweifellos durch das Vorhandensein der mit Gas gefüllten Bläschen in den künstlichen Steinen hervorgerufen wird. Bei der Untersuchung mit dem Dichroskope |399| zeigte sich, ebenso wie bei natürlichem Rubin gleicher Färbung, das gewöhnliche Bild von cardinalrother, das aufs ergewöhnliche von gelblichrother lachsähnlicher Farbe, während im Spectroskope wie bei den echten Steinen die rothe Rubinlinie sichtbar war. Die Untersuchung im polarisirten Lichte gab wegen der ungünstigen Form der Steine, welche nicht zerschnitten werden durften, keinen sicheren Anhalt. Die Farbe der untersuchten Proben war dieselbe wie die der echten Steine von mittlerem Werthe, während allerdings der Glanz sehr feiner Rubine nicht erreicht wurde.

Eine Anzahl Proben wurde auf Ersuchen des Pariser Syndicat des Diamants et des Pierres Prériéuses von Friedel untersucht, welcher in Bezug auf die Harte, das specifische Gewicht und die Anwesenheit der Bläschen zu denselben Ergebnissen gelangte wie Kunz. Bei der Analyse zeigte sich, daſs die Steine aus Thonerde bestanden mit einer Spur von Chrom als färbender Substanz. Bei der Untersuchung von entsprechend geschnittenen Steinen im polarisirten Lichte zeigten sich die concentrischen Ringe; die Auslöschung war jedoch nicht immer vollkommen, was Friedel der Anwesenheit der Bläschen zuschreibt. Friedel berichtet, daſs er durch Schmelzen von Thonerde im Knallgasgebläse kleine rothe Kügelchen mit denselben Einschlüssen erhalten hat, und ist der Ansicht, daſs die Steine künstlich durch Schmelzen hergestellt sind. Im Gegensatze hierzu glaubt Kunz aus der Untersuchung schlieſsen zu müssen, daſs die Proben nach der Methode von Fremy und Feil (vgl. 1878 229 395) durch Schmelzen eines Bleialuminates mit Kieselsäure hergestellt sind, wobei die Thonerde als Korund in der Form von hexagonalen Platten mit einem specifischen Gewichte von 4,0 bis 4,1 und der Härte des Rubins erhalten wird. Die Farbe dürfte durch den Zusatz eines Chromsalzes hervorgerufen sein. Die Herstellung durch Schmelzen von amorpher Thonerde im Knallgasgebläse nach Gaudin (vgl. 1870 196 60) ist deshalb unwahrscheinlich, weil hierdurch ein Product von dem niedrigeren specifischen Gewichte 3,45 erhalten wird. Aus demselben Grunde verwirft Kunz die Annahme, daſs die Steine durch Zusammenschmelzen von kleineren Rubinen erhalten wurden.

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