Titel: Verfahren zur Gewinnung von Blutalbumin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 9 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi08_9

Verfahren zur Gewinnung von Blutalbumin.

Thorsten Nordenfelt in Westminster-London (D. R. P. Kl. 12 Nr. 37955 vom 25. März 1886) gibt ein verbessertes Verfahren zur Gewinnung von Blutalbumin an. Bisher1) wurde das frische Blut in kleine Gefäſse eingegossen, in welchen es 20 bis 30 Stunden zum Zwecke des Coagulirens und Abscheidens des Serums stehen blieb. Bei der Abscheidung gehen indessen viele rothe Blutkörperchen mit in das Serum über, welche sich am Boden des Gefäſses absetzen. Das klare Serum wird dann sorgfältig abgegossen; indessen genügt schon die geringste Erschütterung, um die Blutkörperchen aufzurühren, und diese ertheilen dann dem Serum eine röthliche Farbe. Wegen der leichten Zersetzlichkeit des Albumins kann auch das Absitzenlassen nicht wiederholt und nicht völlig klares Serum immer nur auf Albumin von geringerer Güte verarbeitet werden. Auch soll sich nach diesem Verfahren die Ausbeute an Serum nicht über 20 bis 30 Proc. stellen. Das Eintrocknen der erhaltenen Flüssigkeiten wird gewöhnlich in kleinen Metalltrögen vorgenommen, welche in gut gelüfteten Trockenräumen aufgestellt sind; da aber dieser Trockenprozeſs lange Zeit erfordert, so findet man häufig, daſs das getrocknete Albumin sich in einem mehr oder minder vorgeschrittenen Zustande der Zersetzung befindet, wodurch dessen Werth bedeutend verringert wird.

Nach dem neuen Verfahren wird das zur Gewinnung von Blutalbumin bestimmte Blut zunächst durch Rühren oder Peitschen vom Fibrin befreit und hierauf filtrirt. Wenn man schönes und fast farbloses Albumin wünscht, so vermengt man 100 bis 1000g in Blut gelösten Zuckers und eine gleiche Menge eines möglichst reinen, flüchtigen Oeles mit 100k Blut; der Zucker, welcher die Reinheit des Productes in keiner Weise beeinträchtigt, erleichtert die Abscheidung des Serums und verhindert die Zersetzung und Fäulniſs desselben |400| während der nachfolgenden Behandlung. Das flüchtige Oel macht das Serum klar und fast farblos und verflüchtigt sich wieder während des Trockenprozesses.

Das in dieser Weise vorbereitete Blut läſst man sodann langsam in eine Schleuder laufen, während dieselbe in raschem Gange ist. Die verhältniſsmäſsig schweren Blutkörperchen bleiben am Umfange der Trommel, während das Serum, zu Folge seines geringen specifischen Gewichtes, der Rotationsachse näher bleibt. Die Blutkörperchen und das Serum werden durch verschiedene Kanäle oder Oeffnungen nach auſsen geleitet und von einander getrennt gesammelt. Die verwendete Maschine ist dieselbe, welche man zur Trennung von Milch und Rahm benutzt (vgl. 1882 244 373). Sollte das Serum nicht vollkommen klar sein, oder eine rothliche Farbe haben, so wird nochmals flüchtiges Oel zugesetzt und das Ganze 5 bis 15 Minuten gut umgerührt. Die Lösung wird dann im Vacuum concentrirt. Die schlieſsliche Trocknung der Masse kann in flachen Gefäſsen vorgenommen werden; doch ist sehr sorgfältig darauf zu achten, daſs die Temperatur niemals 45 bis 50° übersteigt; auch ist eine möglichst vollkommene Durchlüftung des Trockenraumes von groſser Wichtigkeit, wenn man gutes Albumin erzielen will.

Nach dem vorstehend beschriebenen Verfahren kann man 80 Procent des Serums gewinnen, das Albumin von durchaus erster Güte liefert.

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Vgl. Witz 1876 219 84. Gehe 1875 218 531. Gintl 1874 214 226. Dollfuß-Galline 1869 193 * 245.

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