Titel: Eigenthümliche Anordnung eines Vorgeleges zum Betriebe der Radwelle eines Dampfers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 2 (S. 444)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi09_2

Eigenthümliche Anordnung eines Vorgeleges zum Betriebe der Radwelle eines Dampfers.

Damit der Nutzeffect des Rades bei Dampfern nicht zu klein ausfällt, muſs man durch Vergröſserung der Schaufelfläche den sogen. Slip (Ausweichung oder Rückfluſs des Wassers) möglichst herabziehen, womit die Umfangsgeschwindigkeit der Schaufel nicht wesentlich gröſser wird als die Schiffsgeschwindigkeit. Wenn nun auch bei Schleppern ein gröſserer Slip (etwa 30 Procent der Schiffsgeschwindigkeit) angenommen wird als bei sonstigen Raddampfern, so fällt doch bei der langsamen Fahrt derselben hier die Umfangsgeschwindigkeit und Umlaufszahl des Rades so klein aus, daſs bei unmittelbarem Antriebe durch die Dampfmaschine die letztere sich sehr groſs ergibt und häufig nicht die wirthschaftlich vortheilhafteste Kolbengeschwindigkeit erhalten kann. Der Gedanke, in diesem Falle die Bewegung von der entsprechend kleineren und rascher laufenden Maschine durch ein Zahnrädervorgelege mit Uebersetzung ins Langsame auf die Radwelle zu übertragen, liegt daher nahe; doch dürfte wohl stets der kleine Gewinn an Leistungsfähigkeit der Maschine durch die Bewegungswiderstände des Vorgeleges reichlich aufgezehrt werden, ganz abgesehen von den sonstigen Unzuträglichkeiten, welche die Anordnung eines solchen mit sich bringt.

Nach seinem österreichisch-ungarischen Patente vom 31. December 1885 glaubt aber Samuel Bissaker in Semlin, daſs durch das Vorgelege allein ohne Rücksicht auf die Maschine gegenüber dem unmittelbaren Antriebe sogar ein Arbeitsgewinn zu erzielen sei., wenn nur der Radius des Zahnrades auf der Radwelle gleich dem Abstande des Druckmittelpunktes der Schaufel von der Achse und das angreifende Rad auf der Dampfmaschinenwelle so groſs genommen werde, daſs die Kolbengeschwindigkeit gleich der Umfangsgeschwindigkeit des Vorgeleges, folglich auch des Schaufelrades ausfällt. Diese eigenthümliche Annahme stützt sich nach der etwas unklaren Patentbeschreibung darauf, daſs der Angriffspunkt der Kraft (der Kolben) mit dem des Widerstandes (Druckmittelpunkt der Schaufel) gleiche Geschwindigkeit besitzt. Das Vorgelege an sich wäre natürlich kaum patentfähig, da solche Ausführungen längst vorhanden sind.

Hl.

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