Titel: Verhalten von Eisen und Stahl beim Erwärmen und Wiederabkühlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 6 (S. 540–541)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi11_6

Verhalten von Eisen und Stahl beim Erwärmen und Wiederabkühlen.

Von Osmond sind neue Untersuchungen über die beim Erwärmen und Wiederabkühlen von Eisen und Stahl sich zeigenden Unregelmäſsigkeiten angestellt worden. (Vgl. 1886 262 544.)

Nach den Versuchen von Barrett (Philosophical Magazin, Band 46 S. 472) tritt beim langsamen Abkühlen einer Eisenstange, welche bis zur Weiſsglut erhitzt war, ungefähr bei Rothglut eine plötzliche Wärmeentbindung ein, welche mit einer starken Aenderung der magnetischen Eigenschaften verbunden ist. Dieselbe Beobachtung machte Brinell (vgl. 1886 261 341). Andererseits haben Le Châtelier (Comptes rendus, 1886 Bd. 102 S. 819) und Pionchon (Comptes rendus, 1886 Bd. 102 S. 675 und 1454) bei ihren Untersuchungen, welche nach verschiedenen Methoden angestellt wurden, gefunden, daſs das Eisen bei einer Temperatur von ungefähr 700° eine molekulare Veränderung erleidet. Um die Frage zu entscheiden, ob die von Barrett beobachtete Temperaturerhöhung auf einer durch die molekulare Veränderung hervorgerufenen Wärmeentbindung beruht, oder ob sie hiervon unabhängig und durch einen gröſseren oder geringeren Gehalt des Stahles an Kohlenstoff bedingt ist, untersuchte Osmond |541| Stahlsorten von verschiedenem Kohlenstoffgehalte und gelangte dabei zu folgenden Ergebnissen:

Beim Abkühlen von Fluſseisen mit 0,16 Proc. Kohlenstoffgehalt zeigen sich 3 Perioden, in denen sich die Abnahme der Temperatur verlangsamt; zwischen 863 und 820° (am meisten zwischen 845 und 839°), sodann zwischen 775 und 736° (am meisten zwischen 763 und 749°) und endlich zwischen 693 und 669°. Die beiden ersten Perioden kennzeichnen den Uebergang des Eisens aus der bei höheren Temperaturen bestehenden Form β in die gewöhnliche Form α. Es wird also dieser Uebergang selbst durch einen sehr geringen Kohlenstoffgehalt verlangsamt. Beim Erwärmen des Eisens gehen die beiden Perioden 2 und 3 in eine einzige über.

Bei einem Kohlenstoffgehalte von 0,57 Proc. fallen beim Abkühlen des Stahles die beiden Perioden der Wiedererwärmung 863 bis 820° und 775 bis 736° in eine einzige zusammen, welche jetzt bei 736 bis 690° liegt. Bei 675° macht sich dann die zweite, der Beobachtung von Barrett entsprechende Steigerung der Temperatur bemerklich, indem das Thermometer plötzlich auf 681° steigt; dies beruht nach der Ansicht des Verfassers auf einer Veränderung der Form des Kohlenstoffes. Bei der Erwärmung des Stahles fallen beide Perioden zusammen und zeigen sich durch eine Verlangsamung der Temperaturzunahme zwischen 719 und 714° an.

Bei Stahl mit 1,25 Proc. Kohlenstoff gehen beide Erscheinungen in eine einzige über. Beim Erwärmen zeigt sich die Verzögerung der Temperaturzunahme zwischen 723 und 743°, während beim Abkühlen ein plötzlicher Stillstand bei 694° eintritt, worauf die Temperatur auf 704° steigt.

Es geht aus diesen Versuchen hervor, daſs mit wachsendem Kohlenstoffgehalte die Temperatur, bei welcher die molekulare Veränderung des Eisens vor sich geht, sich erniedrigt, während die zweite (von Barrett beobachtete) Wiedererwärmung erst bei höherer Temperatur eintritt, bis endlich beide beim gehärteten Stahl zusammenfallen.

Um den etwaigen Einfluſs der Gase, in welchen der Stahl erhitzt wurde, in Beziehung auf diese Erscheinungen zu studiren, wurden von Osmond Versuche mit Wasserstoff und Verbrennungsgasen angestellt. Bei Eisen mit 0,16 Proc. Kohlenstoff zeigten sich bei Anwendung von Wasserstoff keine abweichenden Erscheinungen, während hingegen bei 1,25 Proc. Kohlenstoffgehalt die Wiedererwärmung bei den verschiedenen Temperaturen sehr abgeschwächt wurde, wenn man von 800° an abkühlte. Verfasser sucht dies durch die Annahme zu erklären, daſs durch die schon von Fourquignon beobachtete Vereinigung des Wasserstoffes mit dem im Eisen enthaltenen Kohlenstoff der Theil des letzteren, welcher sich mit dem Eisen verbindet, verringert wird. Bei einer Wiederholung dieses Versuches, nur mit dem Unterschiede, daſs das Eisen vorher bis auf 1100° erhitzt wurde, konnte diese Abweichung aber nicht beobachtet werden. Bei Anwendung von Verbrennungsgasen waren die Erscheinungen dieselben wie sie bei den früheren in einer Stickstoffatmosphäre angestellten Versuchen sich ergaben. (Nach den Comptes rendus, 1886 Bd. 103 S. 743 und 1135.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: