Titel: Ueber die chemischen Eigenschaften der Seife.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 8 (S. 542–543)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi11_8

Ueber die chemischen Eigenschaften der Seife.

Um die Einwirkung von Salzlösungen und von Wasser auf Seifenlösungen zu studiren, haben C. R. A. Wright und C. Thompson eingehende Untersuchungen angestellt, über welche sie im Journal of the Society of Chemical Industry, 1885 S. 625 berichten.

Die Umsetzung von Kaliseifen mit Kochsalzlösung in die entsprechenden Natronseifen wurde lange Zeit an Orten, wo Kali als billigstes Verseifungsmittel vorhanden war, zur Herstellung von harten Natronseifen benutzt. Die Umsetzung ist ein Beispiel des Gesetzes, daſs bei chemischen Reactionen die stärkere Säure sich mit der stärkeren Basis verbindet. Wie die Verfasser gefunden haben, sind aber die Verhältnisse nicht immer so einfach. Wenn zwei Alkalien und zwei Säuren in Reaction treten, so entstehen vier verschiedene Verbindungen, deren Mengen je nach den Bedingungen und dem Verhältnisse der Basen und Säuren wechseln. Bei Anwesenheit von Kalium und Natrium als Basen bilden sich in gewissen Fällen gröſstentheils Natronseifen. Durch Aenderung der Mengenverhältnisse können aber umgekehrt vorzugsweise Kaliseifen gebildet werden. In gleicher Weise entsteht bei Behandlung von Fettsäuren mit einem Ueberschusse von Kali und Natron nicht, wie zu erwarten, ausschlieſslich Kaliseife, sondern zu gleichen Theilen Kali- und Natronseife. In Lösung bleibt eine Mischung von gleichen Theilen Kali und Natron. Die Affinität der zwei Basen ist also in diesem Falle völlig gleich. Bemerkenswerth ist nun, daſs bei allen gewöhnlich benutzten Fettsäuren die gleichen Verhältnisse obwalten. So wurde aus Stearin, Oleïn, Talg, Palmöl und Cocosnuſsöl durchschnittlich ein Gemisch von 50,3 Proc. Natronseife und 49,7 Proc. Kaliseife erhalten. Wie aus diesen Versuchen zu schlieſsen ist, entsteht beim Schmelzen von Natronseife mit der entsprechenden Menge Kali oder umgekehrt aus Kaliseife mit Natron eine Seife, in welcher die eine Hälfte der Säure an Natron, die andere an Kali gebunden ist, und eine Lösung von Kali bezieh. Natron.

Andere Ergebnisse wurden bei der Verwendung von Soda und Potasche statt der Hydroxyde erhalten. Es entstanden zwar ebenfalls Kali- und Natronseife neben einander; wenn aber Natronseife mit einer dem in der Seife vorhandenen Alkali entsprechenden Menge Potasche behandelt wurde, so bildete sich größtentheils Kaliseife. Auch bei Einwirkung gröſserer Mengen Soda auf Kaliseife entstand nur wenig Natronseife. Diese Beobachtungen scheinen den Einfluſs von Potaschelösung auf das Korn und die Harte von Natronseife zu erklären. Es bildet sich bei dieser Behandlung zum Theile Kaliseife und freie Soda, welch letztere ein stärkeres Erhärten der Seife zur Folge hat. Der Nachtheil so hergestellter Seifen ist ihr hoher, oft 10 bis 12 Proc. betragender Gehalt an freiem Alkali.

Ein Zusatz von Alkalichloriden statt Carbonaten zu Seifen hat gerade entgegengesetzte Wirkung. Die stärkere Salzsäure läſst hauptsächlich Natronseife und Chlorkalium und nur geringe Mengen Kaliseife entstehen. Zahlreiche Versuche über Zersetzung von Kaliseife mit einer entsprechenden Menge Kochsalz ergaben, daſs, je nach den verwendeten Fettsäuren, 1½ bis 6 Mol. Natronseife auf 1 Mol. Kaliseife gebildet werden. Ueberschüssiges Kochsalz verursachte die Bildung von noch mehr Natronseife. War hingegen mehr Kali vorhanden, so vermehrte sich allerdings die Ausscheidung von Kaliseife, aber in geringerem Verhältnisse.

Die Verfasser haben auch Versuche über die Einwirkung von Chlorammonium auf Seife und über das Verhalten von Kalium- und Natriumchlorid zu Ammoniakseifen ausgeführt und gefunden, daſs bei Einwirkung von 1 Mol. Natron- oder Kaliseife, gelöst in 200 Mol. Wasser, auf 20 Mol. Chlorammonium unter Bildung von Ammoniakseife Natrium- oder Kaliumchlorid entsteht. Umgekehrt kann Ammoniakseife mit Natrium- oder Kaliumchlorid völlig in die entsprechende Kali- oder Natronseife übergeführt werden.

Avis sämmtlichen Versuchen läſst sich der allgemeine Schluſs ziehen, daſs |543| bei Behandlung von Seifen mit einem neutralen Alkalisalze immer vier Verbindungen neben einander entstehen, deren relative Menge abhängig ist von dem Molekularverhältnisse der in Reaction getretenen Alkalien und Säuren. Immer bleibt aber die Neigung bestehen, daſs sich die stärkere Säure mit der stärkeren Base verbindet und die durch die Mengenverhältnisse ermöglichte Verbindung schwacher Säure mit schwacher Base vollzieht sich nur in untergeordneter Weise.

Durch zahlreiche Versuche über Zersetzung von Seife durch Wasser sind die Verfasser zum Schlusse gekommen, daſs die Zersetzung hauptsächlich von der Art der die Seife bildenden Fettsäure bedingt ist. Bei Verwendung gröſserer Wassermengen nimmt die Zersetzung zu, verlangsamt sich jedoch stetig. Zusatz von freiem Alkali (20 bis 25 Procent des von der Fettsäure gebundenen Alkalis) verhindert die Zersetzung durch kleine Wassermengen vollständig.

Alkohol von nur 90 bis 95 Proc. zersetzt Seife gar nicht; bei Zugabe von Wasser aber tritt theilweise Zersetzung ein. Eine alkoholische Lösung von neutraler Seife gibt daher, wenn mit Wasser verdünnt, mit Phenolphtaleïn eine Farbänderung. Die Verfasser geben zahlreiche Diagramme über die Zersetzung von Seifen, welche aus verschiedenen Fettsäuren hersgestellt wurden, mit wechselnden Mengen Wasser. Seifen aus Oelsäure, Cocosnuſs- und Baumwollsamen-Oel zersetzen sich am stärksten mit Wasser; Ricinusölseife zersetzt sich bedeutend weniger als Oelsäureseife, aber in höherem Grade als Palmöl- und Stearinseife.

Zur Bestimmung des freien Alkalis in Seife finden Wright und Thompson die Alkoholprobe am genauesten. Die Titrirung der Fettsäure ergab bis auf 3 Proc. abweichende Versuchszahlen und auch die Aussalzprobe ist nach den Versuchen der Verfasser nicht zuverlässig.

Im Anschlusse an ihre Untersuchungen erwähnen die Verfasser auch zwei patentirte Verbesserungen in der Seifenfabrikation: Um den Abfall beim Schneiden von Seife in rechteckige Stücke zu vermeiden, wird heiſse flüssige Seife durch Kühlröhren geleitet, verläſst dieselbe in halb festem Zustande als endloser Strang und wird dann in Formen gepreſst. Eine andere Verbesserung besteht darin, daſs zur Entfernung des freien Alkalis aus Toiletteseifen ein Ammoniaksalz zu der heiſsen flüssigen Seife gefügt wird. Das frei werdende Ammoniak entweicht aus der geschmolzenen Seife mit Leichtigkeit, so daſs dieselbe sofort nach dieser Behandlung fertig verarbeitet werden kann.

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