Titel: Ueber den Bakteriengehalt des Eises.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263/Miszelle 10 (S. 591)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/mi263mi12_10

Ueber den Bakteriengehalt des Eises.

C. Fränkel veröffentlicht in der Zeitschrift für Hygiene, 1886 Bd. 1 S. 302 ff. die Ergebnisse beachtenswerter Untersuchungen, welche im hygienischen Institute in Berlin über den Gehalt des Eises an Mikroorganismen ausgeführt worden sind und ergeben haben, daſs das Eis, besonders das aus stehenden Gewässern, von überschwemmten Wiesen und auch aus Fluſslaufen gewonnene Natureis ungemein reich an derartigen Organismen ist. Eine groſse Reihe Untersuchungen der aus den verschiedenen Berliner Eiswerken stammenden Sorten von Natureis ergab, daſs der Gehalt an Bakteriencolonien je nach dem Gewinnungsorte in 1cc Schmelzwasser von 1200 bis 25000 wechselte, ein Beweis, daſs der gröſste Theil der in dem Gefrierwasser enthaltenen Bakterienkeime den Gefrierprozeſs überdauert. Dem gegenüber zeigte sich das sogen. Kunsteis, also das mittels Maschinen aus gutem Brunnenwasser hergestellte Eis, schon bedeutend armer an Bakterien, indem 1cc Schmelzwasser solcher Eissorten nur 280 bis 2300 entwickelungsfähige Keime aufwies und das aus destillirtem Wasser hergestellte Kunsteis konnte als nahezu frei von Bakterien bezeichnet werden, da in 1cc Schmelzwasser von diesem Eise höchstens 14 Colonien gefunden wurden.

Auf Grund seiner Untersuchungen kommt Verfasser zu dem Schlusse, daſs das gewöhnliche Roheis wegen seines hohen Gehaltes an entwicklungsfähigen Bakterienkeimen überall da zu verwerfen sei, wo es mit der Nahrung, in Getränken oder sonst auf ärztliche Verordnung verwendet werden soll; auch ist es gänzlich unbrauchbar für Zwecke der Wundbehandlung und sollte in diesen Fällen an seiner Stelle nur das aus destillirtem Wasser bereitete Kunsteis verwendet werden. Wo dagegen die Nahrungsmittel mit dem Eise nicht in unmittelbare Berührung treten oder, wenn dies doch geschieht, die Nahrungsmittel nachträglich dem Kochen unterworfen werden, steht der Verwendung von Roheis nichts im Wege, wenngleich das Kunsteis auch in diesen Fällen vorzuziehen sein dürfte.

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