Titel: Ueber Neuerungen an Metallscheren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264 (S. 56–59)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/ar264020

Ueber Neuerungen an Metallscheren.

(Patentklasse 49. Fortsetzung des Berichtes Bd. 258 S. 203.)

Mit Abbildungen auf Tafel 5.

Die von der Kalker Werkzeugmaschinenfabrik in Kalk bei Köln a. Rh. (* D. R. P. Nr. 37917 vom 21. Mai 1886) erbaute stehende hydraulische Schere (Fig. 1 und 2 Taf. 5), bei welcher der Druckkolben der Wasserdruckpresse unmittelbar von einem Dampfkolben bewegt wird, besitzt zum Hochheben des beweglichen Obermessers der Schere unmittelbar über dem Preſscylinder des beweglichen Messerschlittens einen kleinen Dampfcylinder und es kann der Dampfzufluſs zum Hauptcylinder nach der erforderlichen Hubhöhe des beweglichen Messers entsprechend gesteuert werden. Der Dampfcylinder A wird von unten her mit frischem Dampfe gefüllt und der Kolben desselben wirkt unmittelbar auf den Preſskolben B des Cylinders C; von letzterem führt eine Druckwasserleitung nach dem Arbeitscylinder D der Schere, welcher mittels des Schlittens E das Obermesser F niederbewegt. Ueber dem Scherengestelle ist ein kleiner Dampfcylinder gelagert, dessen Kolben G den Schlitten E mit dem Obermesser F wieder in die Anfangsstellung zurückführt, sobald durch das Dampfrohr d frischer Dampf unter den Kolben tritt.

Soll mit dieser Schere ein Stab S mit dem Querschnitte I (Fig. 1) geschnitten werden, so ist dazu der gröſste Hub des Messers F und gleichzeitig eine volle Füllung des Dampfcylinders A erforderlich. Diese Dampfmenge würde aber auch bei einem Stabe S von dem Querschnitte II verbraucht werden, trotzdem die Höhe des zu zerschneidenden Querschnittes dann nur einen Theil der Höhe des ersteren Querschnittes ausmacht. Hierbei würde also unnöthig viel Dampf vergeudet werden. Um dies zu vermeiden und den Dampfverbrauch genau nach der Höhe des gerade unter dem Messer F befindlichen Stabes zu regeln, ist an der Schere folgende Steuerung vorhanden: Ein am Cylinder A befindliches, mittels Handhebel a bewegbares Dampfsteuerventil l ist so eingerichtet, daſs der durch das Rohr c eintretende Dampf abwechselnd durch das Rohr d in den Cylinder G oder durch den Kanal e in den Cylinder A einströmen und auf demselben Wege auch wieder zurück in das Ausströmungsrohr f flieſsen kann. Ferner ist oberhalb A in der |57| Leitung von dem Pumpencylinder C nach dem Druckcylinder D ein Ventil g mit darüber befindlichem Wasserbehälter h eingeschaltet. Dieses Ventil g wird durch eine Feder und auch durch den im Cylinder C herrschenden Wasserdruck geschlossen, dagegen durch den Hebel i mit entsprechendem Gewichte k geöffnet. Dabei ist das Ventil g auſserdem derart durch Hebel und Zugstangen mit dem Dampfventile l in Verbindung gesetzt, daſs es gleichzeitig mit diesem gesteuert werden kann.

Die Wirkung dieser Steuerung ist folgende: Steht der Steuerhebel a in seiner höchsten Stellung (vgl. Fig. 2), so tritt nur Dampf in den Cylinder G und hebt das Obermesser F in seine höchste Lage; gleichzeitig ist das Ventil g durch den Gewichtsdruck geöffnet und regelt sich der Wasserstand in den Cylindern C und D selbstthätig durch Ein- oder Austreten von Wasser in den Wasserbehälter h. Wird nun der Steuerhebel a in die mittlere Stellung a0 gebracht, so wird zunächst der Dampfeintritt nach dem Cylinder G geschlossen und die Ausströmung geöffnet. In Folge dessen geht der Schlitten E mit dem Obermesser F durch sein Eigengewicht herunter bis auf den zu schneidenden Stab; gleichzeitig aber flieſst auch, da das Ventil g noch immer geöffnet ist, Wasser aus dem Behälter h nach, bis die Leitung ganz gefüllt ist. Bringt man dann den Steuerhebel a in die tiefste Stellung a1, so wird dadurch die Gewichtswirkung auf das Ventil g aufgehoben und dasselbe durch die Feder geschlossen; dabei wird aber auch der Dampfeintritt zum Hauptcylinder A geöffnet und der Schnitt mit dem dabei erzeugten Drucke vollendet.

Bewegt man nach vollendetem Schnitte den Steuerhebel zurück, so ist die Reihenfolge der Bewegungen umgekehrt.

Führt man bei einer gewöhnlichen Schere mit Excenter oder Hebelbewegung einen Schnitt durch einen Stab aus, so wird dabei das nach dem Untermesser bewegte Obermesser nach vollendetem Schnitte unmittelbar von derselben Kraft wieder zurück in seine Anfangsstellung bewegt. Anders ist dies jedoch bei Scheren mit einseitig wirkendem hohem Wasser- oder Dampfdrucke. Hier wird immer, da der Druck bis zum letzten Augenblicke des Abscherens gleich hoch bleibt, ein weiteres Vorwärtsgehen des Obermessers über die Schnittgrenze stattfinden.

Um dies zu verhindern und den Messerhalter zu zwingen, genau auf einer vorher einstellbaren Stelle stehen zu bleiben, dient die in Fig. 3 dargestellte, von derselben Fabrik angegebene Hubbegrenzung (* D. R. P. Nr. 38347 vom 25. Mai 1886): In der Leitung A des Druckwassers nach dem Druckcylinder B wird ein Ventil eingeschaltet, welches die Leitung abschlieſst, sobald das bewegte Messer auf einem bestimmten Punkte angekommen ist. Zu diesem Zwecke wird das Ventil a durch eine Steuerung bewegt, welche von der Bewegung des geführten Messers abhängig ist. Es hält zunächst eine Feder b das Ventil a geöffnet, welches ein Hebel c, sobald er gegen die Richtung des Federdruckes bewegt wird, schlieſst. Dies geschieht nun bei jedem Schnitte dadurch, daſs eine mit dem Messerhalter d verbundene Zugstange e mit einer einstellbaren Knagge f den Hebel c beim Vorwärtsgehen faſst, gegen die Feder drückt und somit das Ventil bezieh. die Zuleitung des Druckwassers schlieſst.

Eine sehr gedrungene hydraulische Schere zum Schneiden von Stahl- und Eisenblöcken bis zu 500mm Breite und 160mm Stärke hat E. Boehme in Breslau (* D. R. P. Nr. 38373 vom 20. December 1885) construirt; dieselbe besitzt einen aus Stahlguſs gefertigten dreifachen hydraulischen Cylinder a (Fig. 4 und 5 Taf. 5), mit welchem die Sohlplatte b sowie der Klotz f zum Befestigen des Untermessers v1 zusammen gegossen sind. Auf dieser Sohlplatte stehen, gehörig befestigt, vier quadratische Säulen c, welche oben durch einen Querholm d unter einander fest verbunden sind. An den Säulen c wird der Scherenkopf e bei seinem Auf- und |58| Niedergange geführt, welcher das Obermesser v und die beiden Bolzen i trägt, woran die Zugstangen h mittels Augen angreifen. Diese Zugstangen sind als Differentialkolben ausgeführt und bewegen sich in den Nebencylindern k auf und nieder. Der Hauptkolben l, welcher sich in dem Hauptcylinder m auf und nieder bewegt, und die beiden Nebenkolben h sind alle drei gemeinschaftlich in dem aus Stahlguſs hergestellten Querhaupte n mittels der Keile o befestigt.

Wird nun Wasser unter starkem Drucke in den Hauptcydinder m geleitet, so wird mittels des Hauptkolbens l das Querhaupt w, die beiden Zugstangen h und der Scherenkopf e nach unten getrieben, die beiden Messer v und v1 nahern sich einander und zerschneiden den dazwischen gelegten Block p. Damit das abzuschneidende Stück nicht nach unten kippe, wodurch eine schiefe Schnittfläche erzeugt würde, soll sich der Block auf den Haken q auflegen und ist der letztere mittels der Schraube r je nach der Länge der abzuschneidenden Stücke vor- und zurückzustellen. Der Block ist auſserdem des leichten Bewegens halber durch die Walze s auf der vorderen Seite der Schere unterstützt.

Sobald der Schnitt vollendet ist, wird das Wasser mittels eines Umschalteventiles in die beiden Nebencylinder k geleitet, um mittels der Differentialkolben h den Scherenkopf e wieder nach oben zu bewegen, damit der Schnitt von neuem beginnen kann. Die Auf- und Niederbewegung der Messer kann mittels eines Umschalteventiles genau der Stärke der zu schneidenden Stücke entsprechend eingerichtet werden, so daſs ein Leergang fast ganz vermieden wird.

Bekanntlich ist ein richtiger, von einem Kreisscheibenmesserpaare in Curven auszuführender Schnitt durch eine ununterbrochene tangentiale Stellung der Messerebene des den jedesmaligen Blechabschnitt niederdrückenden Messers zu der Curve bedingt. Ob dabei die Messer mit ihren Achsen die nöthige Wendung machen, oder ob die zu beschneidende Blechscheibe aus der Messerachsenebene zeitweilig nach beiden Seiten hin abweicht, ist beides von gleichem Erfolge. Keinesfalls genügt aber bei Anwendung eines Ovalwerkes, wie an der in Fig. 6 und 7 Taf. 5 dargestellten Ovalschere, jener Ausschlag allein hierzu, welcher durch die excentrische Bewegung des Blechscheibenmittelpunktes innerhalb der Excentricität des Ringes hervorgebracht wird; vielmehr muſs derselbe in der Regel gröſser und bei veränderter Gröſse und Form der zu erzeugenden Ellipse auch entsprechend veränderlich sein. An der in Fig. 6 bis 10 Taf. 5 dargestellten, von E. Kircheis in Aue (* D. R. P. Nr. 37171 vom 9. März 1886) angegebenen, sich an das Patent Nr. 7891 (vgl. 1880 237 * 103) desselben Erfinders anschlieſsenden Vorrichtung wird dieser Zweck auf folgende Weise erreicht.

Gegenüber einem fest gelagerten Messerscheibenpaare ab befindet sich auf einer Stange k ein aus dem Sattel c, dem Excenterringe d, dem Doppelflügel (bezieh. Mitnehmer) e und dem Läufer f bestehendes Ovalwerk. Der Bügel B, welcher zwischen seinen Preſsscheiben g und h oder anstatt deren zwischen Körnerbolzen das auszuschneidende Blech aufnimmt, ist um den lothrechten Zapfen jenes Läufers drehbar.

Die eigentliche Schnitt- oder Curvenlenkvorrichtung besteht zunächst aus der mit dem Hebel i fest verbundenen (den Sattel des Ovalwerkes tragenden) Stange k, in deren gemeinsame lothrechte Lenkachse übrigens der Angriffspunkt der darüber befindlichen Messerscheiben a, b fällt, und dem hierzu gehörigen Gegenhebel l. Ueber letzterem, parallel zu demselben verschiebbar, befindet sich die Lenkschiene m, welche mit ihrem den Messern zugekehrten |59| Auge denselben Bolzen des Läufers f umschlieſst, welcher den Bügel B trägt und dessen Achse stets durch den Mittelpunkt der aufzuschneidenden Curve geht. Den gemeinsamen Angriffspunkt der Hebel i und l bildet schlieſslich ein längs deren Schlitze verstellbarer Bolzen n, durch dessen veränderlichen Abstand von beiden Hebeldreh- bezieh. Lenkachsen auch der Ausschlag des Curvenmittelpunktes, der Gröſse und Form der verlangten Ellipse entsprechend, bestimmt wird.

Theils in Folge der zwischen den Schermessern und dem Bleche hervorgerufenen Reibung, theils durch Nachhilfe am Bügel B wird nun die Blechtafel, somit also auch mittelbar der Läufer f des Ovalwerkes in Umdrehung um den vorher eingestellten Excenterring d versetzt. Gleichzeitig aber wird dabei der durch die excentrische Bewegung des Curvenmittelpunktes bewirkte Ausschlag in demselben Sinne auch der Stange k sammt darauf befindlichem Ovalwerk übertragen, wie es die schematische Darstellung des Grundrisses Fig. 8 bei verschiedenen Lagen der Ellipse erkennen läſst.

Die in Fig. 9 und 10 dargestellte Lenkvorrichtung unterscheidet sich von der eben beschriebenen nur dadurch, daſs der Gegenhebel l, anstatt durch den Hebel i, unmittelbar auf die Stange k wirkt, indem er an einer mit Schlitz versehenen Verlängerung des Sattels c angreift.

In der Patentschrift sind noch zwei andere Anordnungen der Lenk Vorrichtung ausführlich beschrieben.

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