Titel: Ueber Neuerungen an Nähmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264 (S. 61–67)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/ar264024

Ueber Neuerungen an Nähmaschinen.

(Patentklasse 52. Fortsetzung des Berichtes Bd. 259 S. 406.)

Mit Abbildungen auf Tafel 6 ff.

P. Th. Beier bringt in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1886 * S. 603 folgende Eintheilung der Nähmaschinen. Nach der Stichbildung: 1) Kettenstich- oder Tambourirmaschinen, 2) Doppelkettenstich- oder Knotenstichmaschinen und 3) Doppelsteppstichmaschinen; letztere zerfallen wieder je nach dem Wesen ihrer Construction in die folgenden Klassen: a) Die Greifermaschine, bei welcher der Unterfaden auf einer meist scheibenförmigen Spule aufgewickelt ist und die Schlinge des Oberfadens durch einen kreisenden Greifer um die im Mittelpunkte desselben ruhig stehende Spule gezogen wird, b) Die Schiffchenmaschine, bei welcher der Unterfaden, auf eine cylindrische Spule gewunden, in einem kleinen, dem Weberschiffchen ähnlichen Gehäuse ruht, welches mit demselben in der Längsachse der Maschine oder normal zu dieser in einer geraden oder kreisbogenförmigen Bahn hin und her und durch die Schlinge des Oberfadens gezogen wird, c) Maschinen, bei denen im Wesentlichen der Grundgedanke der Schiffchen- und Greifermaschine vereinigt ist, indem dabei das dem Weberschiffchen ähnliche Gehäuse in entsprechender Gestalt vorhanden ist, sich kreisend bewegt und dabei entweder die Schlinge des Oberfadens um das Schiffchen mit der Spule herumzieht, oder sich mit der Spule durch die Schlinge des Oberfadens windet.

Besonders auf die Maschinen der letzteren Art haben die Nähmaschinenfabrikanten ihr Augenmerk gerichtet und es ist leicht zu erkennen, daſs die Maschinen mit der ersteren und letzteren Anordnung gegenüber der zweiten in Folge der kreisenden Bewegung des Greifers oder Spulengehäuses einen ruhigeren Gang besitzen, um den Unterfaden von einer groſsen Garnrolle zu vernähen; letzteres mit Sicherheit bei bequemer Bedienung der Maschine zu erreichen, ist der Grundgedanke der verschiedenen Constructionen.

Doppelsteppstich-Nähmaschinen mit kreisendem oder schwingendem Schiffchen bezieh. Greifer.

Eine Nähmaschine mit kreisendem Schiffchen, welche unmittelbar von zwei käuflichen Spulen näht und den Stich bei einer einzigen Umdrehung vollendet, wurde von C. v. Rein in Rudolstadt (* D. R. P. Nr. 22682 vom 18. November 1881) angegeben und später von Junker und Ruh in Karlsruhe (* D. R. P. Nr. 28010 vom 20. Mai 1883 und Zusatz * Nr. 36361 |62| vom 19. Januar 1886) weiter verbessert. Die hierdurch entstandene Einrichtung zeigen Fig. 1 bis 7 Taf. 6.

Das Schiffchen A kreist in einem senkrecht stehenden Ringe A2 (Fig. 1), welches in einfacher Weise durch einen Schiffchentreiber m m1 mitgenommen wird und sich zu Folge seines Gewichtes, gleichsam wie von selbst, immer von demjenigen Treibarme entfernt, zwischen welchem die Fadenschleife ungehindert durchschlüpfen soll. Um das Schiffchen A beim Spulenwechsel bequem aus seinem Führungsringe A2 herausnehmen zu können, ist der Treiber mm1 in dem Säulchen x drehbar gelagert, wird aber in seiner Lage durch die Feder o gehalten, deren Stift den Treiber mit dem zweiten Säulchen y verbindet. Zieht man die Feder o zurück, so schnellt eine Spiralfeder, welche im Inneren des Säulchens y ruht, den Treibarm m1 nach oben und das Schiffchen kann herausgenommen werden. Nun öffnet man die um ein Gelenk bewegliche Leiste p und setzt den Stift r (Fig. 2), welcher mittels aufgeschnittener kegelförmiger Büchsen s, s1 die Spule q festhält, in die Körner des Garnbehälters bezieh. Schiffchens ein. Den Faden führt man hierauf durch das Loch t (Fig. 1), wodurch derselbe in die Fadenbremse u gelangt, dann über eine Zunge unterhalb der Leiste p hinweg und zur Oeffnung p1 heraus; letztere hat eine solche Lage, daſs der Unterfaden gleichzeitig mit dem Oberfaden angezogen wird. Die Fadenbremse des Schiffchens (Fig. 3) hat ein mit letzterem verbundenes Bremsplättchen w2, dessen Einschnitte die sichere Leitung des Fadens wahrt. Auf dieses Plättchen wird das mit dem Stifte v verbundene Plättchen u1 mittels der Feder w gedrückt, welche sich gegen die Schraubenmutter v1 legt und durch Drehung derselben eine Veränderung der Fadenspannung gestattet.

Stoffrückereinrichtung (Fig. 4): Die unter der Nähplatte gelagerte Welle z trägt am vorderen Ende ein Excenter t, auf welches der Schiffchentreiber mm1 geschraubt ist und das sich in einem quadratischen Rahmen des Hebels kk1 führt; letzterer hat seinen Drehpunkt w1 in dem schwingenden Arme n oder ist mittels eines Langloches an einem feststehenden Bolzen geführt. Das andere Ende des Hebels kk1 steht durch das Zwischenglied l mit dem Transporteur d in Verbindung, welcher sich in den Vorsprüngen c, c1 des Ringes A2 führt. Das Zwischenglied l bildet einen doppelarmigen Hebel, dessen Drehpunkt g1 durch den Hebel g verändert und somit die Stichgröſse nach Belieben eingestellt werden kann. Der als Drehpunkt dienende Bolzen g1 findet seine feste Stütze in einem Schlitze des am Ringe A2 angegossenen Theiles h.

Diese von C. v. Rein angegebene Stoffrückereinrichtung arbeitet vollständig ohne Federn. Junker und Ruh haben dieselbe noch etwas verändert, weil es unbequem ist, die Stichstellung nur unterhalb der Nähplatte vorzunehmen, indem sie den Hebel g in Richtung der Längsachse der Maschine legen, den Drehpunkt desselben nicht am Ringe A2 , sondern an der Nähplatte anbringen und das hintere Ende des Hebels mit |63| einer Sehraube verbinden, deren Höhenlage sich durch eine über der Nähplatte angeordnete Mutter verstellen läſst.

Die Nadelstange erhält ihre auf und ab gehende Bewegung durch Hebel, Zugstange und ein am Schnurwürtel angegossenes Kreisexcenter; neben diesem, auf gleicher Welle, sitzt ein Cylinder mit Curvennuth, durch die der Fadenheber bewegt wird, welcher die erforderliche Fadenmenge abgibt bezieh. den Anzug des Stiches bewirkt.

Die beschriebene Schiffcheneinrichtung bedingt beim Spulenwechsel, also beim Neueinziehen des Unterfadens, das vollständige Entfernen des Schiffchens aus seiner Bahn; bei Junker und Ruh kann aber das Schiffchen in seiner Bahn verbleiben. Das Schiffchen besteht nämlich aus zwei Theilen, dem eigentlichen Schiffchenkörper, welcher mit demjenigen in Fig. 1 übereinstimmt, und dem Spulenhalter mit dem Fadenleiter; dieser Theil ist umklappbar. Die Unterfadenspannung wird durch die Bremsung der Spule erzeugt, indem die beiden Kegel, welche letztere halten, durch eine Schraube näher an einander gerückt werden können.

Die Bremsung der Spule hat immer eine wechselnde Spannung des Fadens durch die Abnahme des Bewickelungsdurchmessers, also auch eine unregelmäſsige Naht zur Folge; anderentheils besitzen auch die käuflichen Spulen verschiedene Länge und Bohrung, so daſs sich Junker und Ruh (* D. R. P. Nr. 30934 vom 24. August 1884 und Nr. 38169 vom 27. Januar 1886) veranlaſst sahen, eine bestimmte Spule zu verwenden und derselben die in Fig. 5 Taf. 6 ersichtliche Lagerung im Schiffchen zu geben. Der cylindrische Schiffchenkorb a trägt in seiner Mitte den Stift b; über diesen schiebt man den hohlen Bolzen c, welcher in die Spulenkapsel g und den Fadenleitsteg d eingeschraubt ist. Um den Bolzen c dreht sich die Hülse 0, deren Nase in eine Nuth der Spule f eingreift. Eine Feder e1 bremst die Hülse, wodurch die Spule beim Drehen des Schiffchens um dieselbe und während des Fadenabzuges so viel Reibung erhält, daſs der Faden stets straff gehalten wird und sich nicht verwirren kann. Von der Spule aus läuft der Faden durch ein Loch der Kapsel g und durch die beiden Oeffnungen des Fadenleitsteges d. Eine Feder h, deren Druck durch die Schraube i regulirt werden kann, ertheilt dem Faden die erforderliche Spannung. Das Loch in der Kapsel g, durch welches der Faden geleitet wird, ist durch einen Schlitz vom Rande aus zugänglich und die Feder h hat eine solche Form, daſs die Einziehung des Fadens leicht bewirkt werden kann.

Nimmt die Spule an der Drehung des Schiffchens oder des Greifers theil, wie z.B. in Fig. 1, so wird der abgewickelte Unterfaden bei jedem Stiche eine Drehung um seine Achse erhalten, so daſs derselbe noch mehr gezwirnt oder aufgedreht wird, je nachdem der Faden vorher rechts oder links gezwirnt war, oder das Schiffchen die eine oder andere Drehrichtung besitzt. So kommen z.B. bei dem gebräuchlichen Nähzwirn auf 100mm Fadenlänge im Mittel 120 Drehungen. Nimmt man |64| nun die Stichlänge zu 1mm an, so wird das Schiffchen dem Faden 100 Umdrehungen ertheilen und diesen fast vollständig auf- oder denselben noch einmal so stark zusammendrehen; beides ist aber für die Festigkeit der Naht nachtheilig. Bei kreisenden Schiffchen sucht man daher die Drehung der Spule durch den Fadenabzug zu verhindern (vgl. Fig. 1 bezieh. Brünchner 1883 248 * 231), oder man hat auch kreisende Schiffchen wieder verlassen und in schwingende umgewandelt (vgl. z.B. Freckmann 1883 248 * 233).

Duplirt man mehrere Fäden, so kann man diese durch das kreisende Schiffchen beim Nähen zwirnen und dies benutzen Junker und Ruh (* D. R. P. Nr. 28850 vom 1. April 1884) um eine Ziernaht durch das kreisende Schiffchen zu erhalten. Das in der vorher beschriebenen Weise geführte und angetriebene Schiffchen A (Fig. 6 und 7 Taf. 6) mit Verstärkung A1 enthält die excentrisch angeordnete Spule, deren Achse senkrecht gegen ersteres liegt. In das Centrum des Schiffchenhohlraumes ist ein Stift f eingeschraubt, über welchen eine Hülse e mit Deckel d und den Fadenführungen i und k geschoben wird. Um diese Theile in ihrer Lage zu sichern, ist der Schnapper g angebracht, welcher mit einem Stifte h in ein Loch des Deckels d greift und hierdurch als Mitnehmer dient. Auf der Hülse e steckt leicht drehbar eine beliebige Anzahl Spulen a, b, c, deren Fäden aus einer gemeinschaftlichen Oeffnung treten und durch Drehung des Schiffchens gezwirnt werden.

Um diese Maschinen auch für den gewöhnlichen Steppstich gebrauchen zu können, wobei also der Schiffchenfaden nur von einer Spule abgezogen wird, schlägt man den Schnapper um 180° um, so daſs der Mitnehmerstift nicht mehr in sein Loch eingreift und nun die Spannung des Schiffchenfadens die Drehung der Spule verhindern kann.

Um eine gleichmäſsige Spannung des Unterfadens und ein regelmäſsiges Anziehen des Stiches zu erhalten, gibt J. A. Döring in Leipzig (* D. R. P. Nr. 22048 vom 28. Juni 1882) seiner Nähmaschine mit kreisender Spulenkapsel, welche zugleich als Greifer dient, folgende Einrichtung: Die Schnurscheibe bewegt durch Zahnräder sowohl die im Maschinenarme, als auch die unterhalb der Nähplatte gelagerte Welle h (Fig. 8 und 9 Taf. 6); letztere ertheilt durch Winkelräder f und g der mit einem Stifte b versehenen Mitnehmerscheibe e und dadurch der Spulenkapsel oder dem Schiffchen a eine gleichmäſsige Drehung, welches auf einem Rande des auf der Nähplatte festgeschraubten Gehäuses c ruht. Dieses Gehäuse ist kegelförmig ausgedreht und das Schiffchen an seiner Auſsenfläche dem entsprechend geformt, um bei der Abnutzung die centrische Führung zu wahren. Das Schiffchen wird durch eine ringförmige Deckplatte d gehindert, beim Auswechseln der Spule mit ausgehoben zu werden, und eine verschiebbare Deckplatte verschlieſst die ganze Schiffcheneinrichtung. Die Mitnehmerachse liegt excentrisch zur Schiffchenachse, so daſs der Stift b eine bestimmte Bewegung in der Grube des Schiffchens |65| ausführt. Diese Bewegung besitzt nachstehenden Zweck: Hat der Greifer die kleine Nadelschleife gefangen, so erfolgt bei der weiteren Drehung desselben die Erweiterung dieser Fadenschleife; dabei gleitet dieselbe in der Grube weiter und fällt bei der halben Umdrehung des Schiffchens in den Einschnitt a1. Gleichzeitig hat sich aber der Stift b vor diesen Einschnitt a1 gelegt und verhindert das Freiwerden der Schleife fast bis an das Ende einer Umdrehung. In dem Maſse nun, wie bei der zweiten Hälfte der Schiffchendrehung die Grube mit der Fadenschleife näher zur Nadel rückt, findet das allmähliche Anziehen der Schleife durch einen Fadenhebel statt. Durch die eigenartige Wirkung des Schlingenhalters a1 wird die Fadenschleife von der öligen Schiffchenbahn c fern gehalten und dadurch eine sehr saubere Naht erzielt.

Zur Hervorbringung der gleichmäſsigen Unterfadenspannung ist die Spule m (Fig. 8 bis 10 Taf. 6) über den Hohlzapfen einer kleinen Trommel n geschoben; diese besitzt an einer Stelle der Wand eine Oeffnung, aus welcher der Spulenfaden tritt. Hierauf wird der Faden der Spannung entsprechend etwa zweimal um die Trommel geschlungen und schlieſslich durch eines der drei im oberen Rande angebrachten Löcher gezogen. Die kleine Trommel n wird dann leicht drehbar auf den Bolzen m1 geschoben und bei der Drehung des Schiffchens durch den abgezogenen Faden verhindert, an der Drehung theil zu nehmen. Die Spannungsreibung dieses Fadens ist eine sehr gleichmäſsige, welche nicht durch die verschieden groſsen Bewickelungsdurchmesser der Spule beeinfluſst wird. Der Stoffrücker wird durch das Excenter k gehoben und gesenkt, sowie vor und zurück geschoben und die Stichlänge auf gleiche Weise wie bei der Kettenstichmaschine von Wilcox und Gibbs veränderlich gemacht.

Die Doppelsteppstich-Nähmaschine mit einem Schlingencrweiterer zur Verwendung groſser Unterfadenspulen von J. Bühr in Hamburg (* D. R. P. Nr. 24774 vom 24. Januar 1883) ist in Betreff des Schlingenerweiterers derjenigen von Stresemann (1883 250 * 511) sehr ähnlich, dagegen abweichend und neu im Prinzipe ist die zweite von Bühr angegebene Einrichtung (* D. R. P. Nr. 25154 vom 27. Juni 1883), bei welcher das Schiffchen selbst den Schlingenerweiterer enthält. Der Spulenträger oder das Schiffchen a (Fig. 11 und 12 Taf. 6) besteht aus einem aus Blech gefertigten Rahmen a mit einer eigenthümlich geformten Spitze b und kann bei gleicher Einrichtung geradlinig, im Bogen oder im Kreise bewegt werden. Die käufliche Spule f steckt lose auf einem eingeschraubten Bolzen und wird durch eine am Rahmen a befestigte Feder e am zufälligen Verdrehen gehindert. Die Schiffchenspitze b und die eine Spitze des Schlingenerweiterers d fangen gemeinschaftlich die Nadelschleife und beim Weitergehen des Schiffchens drückt ein Arm des Hebels c, sobald dessen anderer Arm am Ende einer Nuth g1 der Schiffchenbahn |66| g anlangt, so weit nach vorn (Fig. 12), daſs nun das Schiffchen mit seiner Spule durchschlüpfen kann, worauf der Fadenheber den Stich anzieht. Ist der Hebel c durch den Rücklauf des Schiffchens wieder in seine Nuth getreten, so zieht eine Feder den Schlingenerweiterer in seine anfängliche Lage zurück. Das Schiffchen wird in einfacher Weise durch einen Treiber, auf welchem es gleichzeitig ruht, bewegt.

Eine eigenthümliche Einrichtung zeigt die Doppelsteppstich-Nähmaschine zum Vernähen sehr groſser Unterfadenspulen von G. Mertens in Berlin (* D. R. P. Nr. 28535 vom 14. September 1883). Ein Cylinder a (Fig. 13 und 14 Taf. 6) ist an die Nähplatte gegossen und steht durch Schrauben b in Verbindung mit einem Teller c; letzterer dient zur Führung des frei um erstgenannten Cylinder a drehbaren Zahnrades d, welches doppelt so viel Zähne besitzt als das Triebrad d1. Das Zahnrad d dient zur Befestigung und Bewegung zweier Greifer bezieh. Fadenführer e und f. In einer lothrechten Nuth des Cylinders a wird ein Greifer g1 welcher zunächst die Nadelschleife zu erfassen hat, auf und nieder bewegt. Dieser Greifer g dreht sich um ein Gelenk h, wenn beim Niedergange desselben sein Daumen an das Streichblech r antrifft. Ferner kann sich derselbe noch um das Gelenk i drehen, dessen Lage um 90° gegen das erste gewendet ist. Jeder Gelenkbolzen ist mit einer Spiralfeder versehen, durch welche der Greifer die gezeichnete Stellung einzunehmen sucht. Zur Bewegung des Greifers g wird sein Träger von einer Gabel g1 umschlossen, deren Schwingungen durch Vermittelung der Welle l mit Arm l1 von einem Kreisexcenter in aus erfolgen. Dieses Kreisexcenter sitzt auf der Triebwelle, so daſs der Greifer g bei einer Bewegung des groſsen Rades d zweimal gehoben und gesenkt wird, also bei jedem Nadelhube einmal. Am unteren Ende der Greiferführung ist ein Fadenhalter n angebracht, welcher sich um einen Bolzen dreht und durch eine Feder nach dem Inneren des Cylinders a gedrückt wird und somit den Fadenführern e und f weichen kann.

Der Spulenhalter ist ein Rahmen g, welcher von vier Winkelhebeln p frei schwebend gehalten wird; die Federn x drücken diese Winkelhebel entsprechend an; letztere haben ihren Drehpunkt im festliegenden Teller c und somit bleibt der Rahmen mit seiner Spule still stehen, während die Fadenschlinge darüber hinweg geführt wird. Hierbei werden aber die Winkelhebel pp1 durch die Knaggen s der Führer e, f einzeln von dem Spulenrahmen entfernt, so daſs der Faden durchschlüpfen kann.

Um verschieden hohe und in der Bohrung beliebig weite Spulen auf den mit zwei Körnerspitzen versehenen Bolzen stecken zu können, gibt Mertens eine praktische Einrichtung an. Auf dem Bolzen c (Fig. 15) sitzt die Hülse u fest, dagegen t lose; vier Blattfedern v verbinden beide Hülsen. Steckt man die Spule auf, so drücken sich die Blattfedern entsprechend zusammen und die obere Hülse schiebt sich dabei etwas vorwärts. Die Spule ist sofort centrirt und wird fest an ihrem Platze |67| gehalten. Die obere Körnerspitze des Bolzens c ist beweglich, um das Einsetzen in den Rahmen q zu ermöglichen.

Die Stichbildung ist nun folgende: Hat die Nadel in den Stoff gestochen und sich wieder so weit erhoben, daſs sich eine kleine Schlinge bildet, so tritt der Greifer g in diese und zieht sie bei seinem Niedergange lang. Dabei wird durch die gewundene Form des Greifers die Schlinge gedreht, so daſs nun der Fadenführer e oder f mit seiner Spitze in dieselbe treten und diese abnehmen kann; der Greifer wird hierauf durch die Berührung des Führers zur Seite gedrückt, um diesen vorüber zu lassen. Der Faden y1 geht jetzt (den Fadenführer noch in der Nähe des Greifers g gedacht) senkrecht abwärts, um die untere Rinne e1 herum, sodann nach oben, um die Rinne e2 und nach dem Stichloch zurück. Der Fadenführer hat während des Fangens der Schlinge den Fadenhalter n zurück gedrückt; dieser schnellt jedoch beim Vorübergehen von e vor und tritt zwischen Faden y1 und Führer e, den Faden erfassend. Der Führer e wird durch das Zahnrad d weiter bewegt, die Winkelhebel p nach der Reihe zurückgeschlagen und der Faden, welcher jetzt ziemlich die Form eines Parallelogrammes besitzt, gleitet über die Spule y. Bei der halben Drehung des Führers e fällt der Faden ab. Mittlerweile ist der Stoff verschoben worden, die Nadel hat bereits eingestochen und eine kleine Schlinge gebildet, welche der Greifer g fängt und verlängert; dabei wird aber die frühere Schlinge vom Fadenhalter n entfernt. Sofort tritt der zweite Fadenführer f in Thätigkeit und, indem er die neue Schleife erweitert, wird die alte angezogen und der Stich vollendet. Der Anzug des Fadens erfolgt also, wie bei der Wheeler-Wilson'schen Maschine nach dem zweiten Nadelhube, so daſs sich der Faden an zwei Stellen im Stoffe reibt, was vorzugsweise dem Nähen harter oder starker Waaren hinderlich ist und die Festigkeit der Naht vermindert. Die beschriebene Einrichtung erlaubt zwar die Anwendung sehr groſser Unterfadenspulen; doch dürfte dieselbe nicht einfach genug sein, um Dauerhaftigkeit bei schnellem Gange zu besitzen.

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