Titel: Eder, über Fortschritte der Photographie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264 (S. 442–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/ar264140

Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren; von Prof. J. M. Eder in Wien.

(Patentklasse 57. Fortsetzung des Berichtes Bd. 263 S. 423.)

Entwickelung der Bromsilberplatten.

Gewöhnlich pflegt man die zum Hervorrufen dienende Soda- und Pyrolösung getrennt aufzubewahren und unmittelbar vor dem Gebrauche |443| zu mischen. In verdünntem Zustande zersetzt sich die gemischte Lösung bald; concentrirt ist sie jedoch in verschlossenen Flaschen mehrere Monate lang haltbar. Eder empfahl in der Photographischen Correspondenz, 1886 S. 259 folgende Vorschrift: Man löst 20g neutrales Natriumsulfit, 10g krystallisirte Soda, 50cc Wasser und 2g,8 Pyrogallol. Das Gemisch wird in kleine Flaschen gefüllt, welche gut verkorkt und wohl auch mit Erdwachs ausgegossen werden. – Für den Ateliergebrauch sowie zur Herstellung kurz belichteter Gegenstände ist jedoch frisches Entwickeln nach den früher veröffentlichten Vorschriften beizubehalten.

Künstliches Licht.

Dadurch, daſs das Magnesium nunmehr in groſsen Massen und zu billigem Preise erzeugt wird, tritt es wieder als Beleuchtungsmittel zu photographischen Zwecken in den Vordergrund. Es wurden mehrfach Magnesiumlampen1)construirt und zwar theils zum Verbrennen von Magnesiumband, theils für Magnesiumpulver, welches aus einem durchlöcherten Tiegel in eine Weingeistflamme fällt, wie z.B. von Harrison im Scientific American Supplement, 1886 S. 8450. Ein äuſserst kräftiges Licht geben nach Meydenbauer im Photographischen Wochenblatt, 1887 S. 151 Mischungen von 1 Th. Magnesium und 1,7 Th. Kaliumchlorat, welche blitzähnlich abbrennen. Mit einigen Gramm von solchem „Leuchtpulver“ kann man Porträte photographisch aufnehmen; die Mischung ist aber höchst feuergefährlich und soll nicht aufbewahrt werden.

Ausführliche Versuche über die Verwendbarkeit von Magnesiumlicht in der photographischen Praxis wurden besonders im Verein zur Förderung der Photographie in Berlin mit günstigem Erfolge vorgenommen (vgl. Porträtstudie in den Photographischen Mittheilungen, 1886 Bd. 23 S. 153). Aus diesen Versuchen ergibt sich, daſs das bei einer Aufnahme verbrannte Magnesium sich auf 1,92 Pf. im Preise beläuft. – Eine Zusammenstellung der neueren Erfahrungen der Photographie bei künstlichem Lichte gab E. Himly in Eder's Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik, 1887 S. 131. (Ueber die Verwendung orthochromatischer Platten hierzu siehe unten.)

Zur Bestimmung des Beleuchtungswerthes der mit Lampenlicht erhellten Flächen empfiehlt der Referent in der Photographischen Correspondenz, 1886 S. 257 den Begriff der „Meter-Kerzenhelligkeit“ (MK), welcher zuerst von H. Cohn (vgl. L. Weber 1885 257 * 68) in seinen Untersuchungen über die Tages- und Gasbeleuchtung in Schulsälen eingeführt wurde. Mit „Meter-Kerzenhelligkeit“ (MK) wird die Helligkeit einer lothrecht einer Normalkerze gegenüber gestellten und lm entfernten Fläche bezeichnet. Wird z.B. eine Zeichnung durch 16 Kerzen in einem Abstande von 1m erhellt, so ist die Helligkeit = 16 MK. Da die Helligkeit |444| mit dem Quadrate der Entfernung abnimmt, so ist dieselbe bei gröſserer oder kleinerer Entfernung leicht zu berechnen.

Orthochromatische oder farbenempfindliche Platten.

In der Herstellung von Platten, deren Empfindlichkeit für Gelb, Grün u.s.w. durch Farbstoffzusatz gesteigert wird, ist ein namhafter Fortschritt durch die Arbeiten von Obernetter (gestorben 12. April d. J.) und H. W. Vogel zu verzeichnen. Man versetzt nämlich die Emulsion nicht nur mit Farbstoff, sondern auch mit Silbernitrat (bezieh. Eosinsilber), wodurch eine bedeutend gröſsere Steigerung der Farbenempfindlichkeit entsteht als mit dem Farbstoffe allein.

H. W. Vogel hatte im J. 1884 die Beobachtung mitgetheilt, daſs Bromsilberplatten bei Gegenwart von Eosinsilber 10 mal gelb empfindlicher werden als bei Anwendung des reinen Farbstoffes. Obernetter (Photo-graphische Mittheilungen, 1886 Bd. 23 S. 229) schlug eine Methode mit Fluorsilber und Erythrosin vor und später verwendete H. W. Vogel nach den Sitzungsberichten der preuſsischen Akademie der Wissenschaften, 1886 Bd. 51 S. 1205 eine ammoniakalische Lösung von Eosinsilber (bezieh. Rose bengal u.s.w.). Nach Obernetter (Oktober 1886) gilt dies für die Silberverbindungen der von Vogel und Eder verwendeten Farbstoffe überhaupt; somit ist diese Entdeckung allgemein gültig (vgl. Schwier's Photographen-Kalender, 1887 S. 6).

Zur Herstellung von Eosinsilber platten empfehlen Obernetter und H. W. Vogel in Eders Jahrbuch, 1887 S. 274 folgende Vorschrift: 10cc Erythrosinlösung (1 : 1000), 6 bis 8cc Silbernitratlösung (1 : 1000), 1cc Ammoniak, 50cc Wasser. Man badet die Platte darin 1 Minute und trocknet im Dunklen. Als Entwickler dient nach den Photographischen Mittheilungen, 1886 Bd. 23 S. 263 folgende Vorschrift: Man mischt 1 Vol. der Lösung von 500cc Wasser, 100g neutrales Natriumsulfit und 14g Pyrogallol mit 2 Vol. der Lösung von 1000cc Wasser und 50g Soda.

Mallmann und Scolik stellen Erythrosinsilber her, waschen den Niederschlag, lösen denselben in Ammoniak und baden hierin die Bromsilbergelatineplatten (Photographische Correspondenz, 1886 S. 589).

Die Fabrikation der Azalinplatten gründet sich auf die Entdeckung H. W. Vogel's, daſs Chinolinroth ein guter „Sensibilisator“ für Grün und Gelb ist, während die Roth-Empfindlichkeit durch einen Zusatz von Cyanin erreicht wurde. Nach Mallmann und Scolck, welche das Azalin analysirten, ist das Mischungsverhältniſs von Chinolinroth und Cyanin, welches dem Azalin entspricht, 10 : 1. Sie empfehlen in der Photographischen Correspondenz, 1886 S. 335 1g Chinolinroth in 500cc Alkohol zu lösen und eine Lösung von 0g,1 Cyanin in 50cc Alkohol zuzusetzen. Die Bromsilberplatten können (nach einem Ammoniak-Vorbade) in einer Mischung von 0,5 bis 1cc dieses Farbstoffgemisches, 100cc Wasser und 0cc,5 Ammoniak gebadet werden.

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Ives in Philadelphia stellt isochromatische Platten mittels Bromsilbercollodion und Chlorophyll aus „Blue myrtle“, gemischt mit Eosin, her. Er bemerkt im Journal of the Franklin Institute, 1886 Bd. 122 S. 290, daſs freies Silbernitrat die Gelbempfindlichkeit von Eosinplatten steigere, dagegen die Chlorophyll Wirkung zerstöre.

Laternen- und Projectionsbilder.

Die Herstellung von Diapositiven für die Laterna magica ist ein Gegenstand, womit sich nicht nur Fachphotographen, sondern häufig auch Liebhaber befassen und wozu die verschiedenartigsten Verfahren empfohlen wurden. Gute Erfolge soll die Methode von Starnes (Bulletin de l'Association beige des Photographes, 1886 S. 623) geben. Man mischt eine Lösung von 40 Th. Gelatine, 8 Th. essigsaures Natron, 960 Th. Wasser mit einer Lösung von 28 Th. Silbernitrat und 480 Th. Wasser, fügt hierauf eine Lösung von 4 Th. Chlornatrium, 6 Th. essigsaurem Natron und 480 Th. Wasser zu. Schlieſslich werden 160 Th. in Wasser gequollene und geschmolzene Gelatine beigemischt, die Mischung 24 Stunden sich selbst überlassen, wieder geschmolzen, mit 240 Th. Alkohol und so viel Wasser versetzt, daſs die Mischung 2880 Th. beträgt. Hiermit werden die Glasplatten überzogen und dieselben getrocknet. Vor ihrer Verwendung kann man sie mit Ammoniakdämpfen „räuchern“. Man copirt die Bilder im Copirrahmen ähnlich wie auf Albuminpapier. Als Goldbad dient eine Lösung von 8 Th. Chlorgoldlösung (1 : 60), 2 Th. Salzsäure, 1 Th. Salpetersäure, 480 Th. Wasser und 2 bis 3 Th. Kreide. Fixirt wird mit Fixirnatron. Die Farbe der Bilder ist schwarzbraun (Sepiaton) und die Halbtöne sind zart. – Es wird jedoch auch Chlorsilbergelatine mit Hervorrufung benutzt (vgl. 1886 260 224).

Ein guter Entwickler für Chlorsilbergelatine zu Projectionsbildern ist Hydrochinon nach Edwards' Vorschrift: 3 Th. Hydrochinon, 96 Th. Natriumsulfit, 192 Th. Soda, 96 Th. Potasche, 4 Th. Bromkalium und 2000 Th. Wasser. Dasselbe muſs so langsam wirken, daſs das Bild zur Entwickelung 7 bis 8 Minuten braucht. Der Entwickler kann mehrmals benutzt werden. (Nach dem Photographischen Wochenblatt, 1886 S. 187.)

Wellington theilt eine Methode mit, um sogen. Laternen-Bilder (für die Laterna magica o. dgl.) mittels Bromsilbercollodion herzustellen, welche bessere Erfolge als Gelatine liefern soll. Er mischt: A) 1440 Th. Alkohol, 1200 Th. Aether, 60 Th. Pyroxylin, B) 65 Th. Bromammonium, 5 Th. Citronensäure, 90 Th. Wasser und 480 Th. Alkohol, C) 100 Th. Silbernitrat, 5 Th. Citronensäure und 120 Th. Wasser. Die Silberlösung wird allmählich in das Gemisch von A und B getröpfelt, einen Tag stehen gelassen, in eine Schale gegossen und (wenn die Masse genügend zähflüssig geworden, was etwa 12 Stunden dauert) gewaschen. Man verdrängt das Wasser mit Alkohol und löst schlieſslich in einer Mischung von 1920 Th. Alkohol und 1920 Th. Aether auf. Die gereinigten Glasplatten |446| erhalten einen Unterguſs von 20 Th. Gelatine, 24 Th. Salpetersäure und 1000 Th. Wasser. Die Belichtung im Copirrahmen hinter einem Negativ beträgt bei einer Gasflamme 1 bis 3 Minuten.

Als Entwickler dient: A) 5 Th. Pyrogallol, 20 Th. Natriumsulfit, 1 Th. Citronensäure, 90 Th. Wasser, B) 14 Th. Potasche, 10 Th. Natriumsulfit, 90 Th. Wasser und C) 2 Th. Bromammonium in 90 Th. Wasser. Man mischt je gleiche Mengen dieser Lösungen, um den Entwickler herzustellen. Die Platten werden zuvor mit Alkohol aufgeweicht, mit Wasser abgespült und ungefähr 1 Minute lang entwickelt. (Photographic News, 1886 S. 683 und 692.)

Photographien auf Papier. Verbleichen. Coloriren. Glanz. Gerat.

Das schon bekannte ältere Verfahren, gesilbertes Albuminpapier dadurch für längere Zeit aufzubewahren, daſs man dasselbe zwischen poröses, mit Sodalösung (1 : 7) oder Natriumbicarbonat getränktes Papier legt, wird neuerdings im British Journal of Photographie, Nr. 1375 bezieh. im Bulletin de l'Association beige des Photographes, 1886 S. 633 empfohlen.

Eine andere Vorschrift für haltbares gesilbertes Papier ist im Photo-graphischen Archiv, 1886 S. 272 gegeben: 1l Wasser, 30g arabisches Gummi, 20g Salzsäure, 20g Weinsäure, 20g Citronensäure. Man legt das Papier, wie es vom Silberbade kommt, mit der Rückseite auf obige Lösung, läſst 5 Minuten schwimmen und trocknet rasch. – Auch Wheate gab eine erprobte Vorschrift zum Coloriren und Emailliren (sogen. Gelatiniren) von Albuminbildern im Photographischen Archiv, 1886 S. 100 an. – Die Farbenfabrik Günther Wagner in Wien und Hannover stellen besondere Sorten von Retouchirtinten und Glanzfarben zum Coloriren von Photographien her.

Referent empfiehlt in seinem Jahrbuch 1887 S. 367 folgendes Cerat zum Glänzendmachen von Albuminbildern: 100 Th. weiſses Wachs, 100 Th. rectificirtes Terpentinöl und 4 Th. dicken Dammarfirniſs. Das Gemisch wird geschmolzen und nach dem Erkalten mittels eines Lappens aufgerieben.

Ueber das Verbleichen2) der Silbercopien stellte Dawson Versuche an und fand nach dem Photographischen Wochenblatt, 1886 S. 257, daſs Bilder auf Albuminpapier leichter als solche auf Salzpapier und diese leichter als solche mit der Silberoxydammoniak-Methode durch äuſsere Einflüsse angegriffen werden, obwohl die ersteren der Vergoldung bedürfen, die letzteren nicht.

Pringle besprach in einem längeren Vortrage die Dauerhaftigkeit der Silbercopien auf Albuminpapier und erwähnt, daſs Schwefelwasserstoff und Feuchtigkeit die Bilder stark angreift. Zugleich gibt er die geschichtliche Notiz, daſs Le Grau im J. 1852 das Tonen (Vergolden) und |447| Fixiren der Bilder eingeführt habe, nachdem früher das Schwefel-Tonbad in Verwendung stand. Die Goldbäder waren anfangs sauer. 1858 benutzte Waterhouse ein alkalisches Tonbad, aber erst im Januar 1859 veröffentlichte Maxwell Lyte in der französischen photographischen Gesellschaft die Methode des Vergoldens mit Chlorgold und phosphorsaurem Natron. (Nach der Photographic News, 1886 S. 812.)

Platin- und Goldverbindungen.

Die Lichtempfindlichkeit der Goldverbindungen ist nach G. Krüſs in München bei weitem nicht so groſs, als man gewöhnlich annimmt. Er fand, daſs reines Chlor- oder Bromgold, sowie Goldoxyd bei Abwesenheit von organischen Substanzen vollständig unempfindlich gegen Licht sind. (Vgl. Eder's Jahrbuch, 1887 S. 174.)

Ueber Platinotypie liegt eine Studie von E. Vogel jun. in den Photographischen Mittheilungen, Bd. 23 S. 251 vor, welche dessen Erfahrungen mit Pizzighelli-Hübl's Methode enthalten.

Ueber die Verwendung des Pigmentdruckes macht Geldmacher in Frankfurt a. M. folgende Mittheilungen:

Auch für Miniaturbilder auf Elfenbein ist der Pigmentdruck unübertrefflich; das Elfenbein muſs aber einen leichten Untergrund von ganz dünner Chromgelatine erhalten. Dieselbe braucht nicht aufgegossen zu werden, sondern kann mit einem Schwämmchen eingerieben sein; man bemerkt auf diese Art keine Spur von Gelatine in den Lichtern. Solche Bilder auf dünnen Elfenbeinplättchen lassen sich sehr schön von der Rückseite her coloriren und kann man das vordere Bild lackiren, oder, was noch besser, mit Schellack in Spiritus poliren.

Auf metallischem Gold- sowie Silbergrund wirken die Pigmentdrucke sehr gut, besonders Abbildungen von Gold- und Silbergeräthen, Schmucksachen u. dgl. Die Lichter erscheinen dabei im wirklichen Metallglanz. Chromgelatine-Untergrund ist auch hier vortheilhaft.

Eingeschliffene oder geätzte Photographien auf Glas, Metall, Stein u. dgl. lassen sich mit keinem Verfahren besser herstellen als mit dem Pigmentdruck. Dabei ist es nöthig, daſs das Kohlebild recht fest am Glase sitzt, weshalb man letzteres vorher mit einer 2 procentigen Kieselsäurelösung abreiben muſs. Das Sandgebläse greift nur harte Gegenstände an und läſst das Weiche unverändert; man hat deshalb darauf zu achten, daſs das photographische Bild weich bleibe. Zu dem Zwecke übergieſst man es mit Glycerin und hebt den Ueberschuſs mit Saugpapier ab. Beim Aetzen verhält es sich umgekehrt: die Gelatine muſs recht hart sein und man gerbt sie daher am Schlusse mit Alaun. Die Lichter müssen, damit die Aetzflüssigkeit gut angreift, recht rein ausgewaschen und ohne eine Spur von Gelatine sein.

Auf feineren Holzgegenständen sollten die Pigmentbilder viel mehr Anwendung finden, als es bis jetzt geschah, da sie dem feinsten Salon zur Zierde gereichen können. Besonders schön machen sich dieselben an kleineren Möbelgegenständen und hierbei vorzugsweise auf möglichst hellem Holz. Das sehr sauber abgeschliffene Holz wird mit einem leichten Gelatine-Untergrund versehen und wieder getrocknet. Die auf dem Transportpapier entwickelte Kohlephotographie wird auf dasselbe aufgequetscht. Nach vollständigem Trocknen zieht man das Papier herunter. Das Bild sieht jetzt etwas trübe und eingeschlagen aus, wird aber durch das nachträgliche Poliren mit Schellackpolitur wieder lebhaft und brillant. Auch an senkrecht feststehenden Getäfeln lassen sich mit Hilfe des Pigmentdruckes Photographien anbringen.

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Vergröſserungen.

Für Veigröſserungen auf Papier wird häufig gesalzenes und in Silbernitratbad gesilbertes Papier, mittels Gallus-Entwickelung, benutzt. Bromsalze geben mehr Empfindlichkeit als Chlorsalze. Im Photographischen Mitarbeiter, 1886 S. 36 wird empfohlen, (10k) Steinbachpapier mit der glatten Seite auf Bromkaliumlösung (1 : 65) durch 2 Minuten zu baden, worauf man trocknet und auf folgendem Silberbade empfindlich macht: 22 Th. Silbernitrat, 3 Th. Citronensäure und 720 Th. Wasser. Man belichtet das trockene Papier, bis eine schwache Spur der Halbtöne sichtbar wird, legt dann in eine schwache Silberlösung (1 : 20) und hierauf in eine wässerig gesättigte Gallussäurelösung, welche auf 25 bis 37° erwärmt ist. Das Papier wird, die Bildseite nach unten, glatt auf die in einer Schale befindliche Entwickelungslösung gelegt. Das entwickelte und gut gewaschene Bild wird im Goldbade (1 Th. Chlorgold, 10 Th. Chlorammonium, 10 Th. Rhodankalium, 200 Th. Wasser) gefärbt und in Fixirnatron fixirt. Wünscht man dem Bilde etwas Glanz zu geben, so läſst man es auf Eiweiſs, welches mit etwas Wasser und Essigsäure zu Schnee geschlagen ist, schwimmen.

Zu Vergröſserungen auf Papier wird in neuerer Zeit häufig das Eastman'sche Bromsilbergelatine-Papier (vgl. 1886 260 228) verwendet, welches bei sehr kurzer Belichtung und mit Benutzung des Eisenoxalat- oder auch des Soda-Pyroentwicklers hübsche Bilder von angenehmem grauschwarzem Farbenton liefert.

Zur Retouche der Vergröſserungen auf Bromsilbergelatinepapier wird nach dem Photographischen Archiv, 1886 S. 378 gepulverte Kreidefarbe mittels des Wischers oder eines Baumwollbausches (für den Hintergrund) benutzt. Dunkle Stellen können durch Reiben mit Bimssteinpulver und dem Finger oder einem Radirgummi heller gemacht werden.

Lichtpausverfahren.

In neuerer Zeit kommen in Deutschland Lichtpauspapiere in den Handel, welche schwarze Zeichnungen auf weiſsem Grunde geben. Wahrscheinlich ist es eine Art „Tintencopirprozeſs“, insofern die schwarzen Linien aus gerbsaurem Eisen bestehen (vgl. 1886 260 415). So liefert die Handlung Senzig und Mellis in Berlin die Präparate und Papiere Kolk's (daher die Bezeichnung „Kolkotypverfahren“), ferner S. Jourdan in Mainz ein neues Lichtpauspapier für schwarze Linien.

Eine Zusammenstellung der bis jetzt veröffentlichten Methoden zur Herstellung von Lichtpausen ist im Gewerbeblatt aus Württemberg, 1886 S. 364 enthalten.

C. de St. Florent theilt im Bulletin de la Société française, 1886 S. 182 ein Lichtpausverfahren mit, um Zeichnungen mit schwarzen Linien auf weiſsem Grunde zu erhalten, welches sehr ähnlich der Anthrakotypie ist. Man nimmt Albuminpapier, auf Kaliumchromatlösung (1 : 10) sensibilisirt |449| (durch Schwimmen auf der Rückseite), belichtet unter einer Zeichnung, wäscht mit ganz schwach ammoniakalischem Wasser, wodurch die nicht vom Lichte getroffenen Stellen klebrig werden und ein aufgestaubtes Farbenpulver festhalten. Fixirt wird mit verdünnter Schwefelsäure (1 : 10), wodurch die Chromsalze entfernt und das von Licht nicht veränderte Albumin coagulirt wird.

Um die blaue Farbe von Cyanotypien in Schwarz zu verwandeln, wird im Scientific American, 1886 Bd. 55 S. 241 empfohlen, den Druck durch Eintauchen in sehr verdünnte Kalilauge gelb zu färben und nach dem Waschen in eine Tanninlösung zu tauchen, worin die Farbe schwarz wird.

Das Anilin-Pausverfahren von Willis tauchte wieder unter dem Namen Photocopie auf.

Das Lichtpausverfahren findet in Verbindung mit Glasmalerei nunmehr Anwendung für Fenster schmuck im Zimmer. Oidtmann führte sein schon früher mitgetheiltes Verfahren (Photographische Mittheilungen, 1870 Bd. 7 S. 265) in die Praxis ein, indem er Glasgemälde auf eingebranntem photographischem Unterdruck mit Schmelzfarben ausmalte. (Daselbst 1886 Bd. 23 S. 62.)

Eingebrannte photographische Bilder.

Die Herstellung eingebrannter photographischer Glasbilder mit eingebrannter Emailfarbe u. dgl. beschreibt Godard in seinem lehrreichen kleinen Werke: Traué pratique de peinture et dorure sur verre (Gauthier-Villars. Paris 1885). Verfasser empfiehlt u.a. den Einstaubprozeſs mittels Traubenzucker und chromsaurem Ammoniak. Er nimmt als empfindliche Mischung 100 Th. Wasser, 7 bis 10 Th. Traubenzuckersyrup, und 5 bis 12 Th. gesättigte Lösung von doppelt chromsaurem Ammoniak. Damit werden in der bekannten Weise photographische Einstaubbilder hergestellt. Vor dem Einbrennen werden die chromsauren Salze mittels Dextrin haltigen Flüssigkeiten ausgewaschen. Zum Schlusse wird die Anwendung desselben Prozesses zur Herstellung von Einstaubbildern auf gefirniſster Leinwand, Metall u. dgl. gegeben.

Photozinkotypie und Autotypie.

Die Photozinkographie hat sich wieder eine neue Anwendung in der Herstellung stenographischer Schriftzeichen erobert. Die Vorlage wird nach Dittmarsch's Buchdrucker Zeitung, 1886 S. 510 kalligraphisch in vergröſserter Form hergestellt, dann photographisch verkleinert und in Zink geätzt. Dem photographischen Aetzverfahren, das jetzt bereits auf eine hohen Stufe der Vollkommenheit steht, gehört als Mittel zur Herstellung typostenographischer Schriftzüge voraussichtlich die Zukunft.

Zur Conservirung der Zinkographieblöcke benutzt T. Bolas Terpentinöl (und nicht die häufig gebräuchliche Alkalilösung) und vor dem Aufbewahren Bestreichen mit Vaselin (vgl. Eder's Jahrbuch, 1881 S. 163).

Zur Zinkätzung empfiehlt Prof. Husnik das spanische Zink als das |450| beste (welches bei Herzogenrath in Frankfurt a. M. und Osterrieth daselbst zu beziehen ist). In neuester Zeit liefert jedoch das Zinkwalzwerk von Flach und Keil in Troppau sehr gute Zinkplatten. (Nach den Photographischen Notizen, 1886 S. 52.)

Zur Herstellung der Licht empfindlichen Schicht auf Zink wird gewöhnlich Asphalt verwendet. Darauf copirt sich das negative Bild ziemlich langsam, was namentlich im Winter sehr störend ist und viele Zinkätzanstalten zur Einführung elektrischer Beleuchtung veranlaſst hat. Kleineren Anstalten, welche diese Einrichtung nicht treffen können, empfehlen die Graphischen Künste nach der Papier Zeitung, 1886 S. 1661 das Eiweiſsverfahren nach folgender Vorschrift:

Das Weiſs von 2 Eiern wird zu Schaum geschlagen und absetzen gelassen, wodurch man ein klares, leichtflüssiges Albumin erhält. Dann mischt man 60g destillirtes Wasser, 3g doppeltchromsaures Ammoniak, 6g Ammoniak und 9g Spiritus, gibt 25cc dieser Lösung zu 30cc Albumin und filtrirt durch Leinwand oder Flieſspapier.

Mit dieser Mischung wird die gut gereinigte Platte übergossen und im Dunkeln zum Trocknen aufgestellt. Nach etwa 2 Stunden ist sie trocken und kann in den Copirrahmen gelegt werden. Die Belichtung dauert im Sonnenlicht 1 bis 2 Minuten, im zerstreuten Licht 5 bis 10 Minuten, im schlechten Winterlicht 15 bis 20 Minuten. Das Negativ braucht nicht abgezogen zu werden.

Das „Entwickeln“ geschieht in folgender Weise: Auf einen reinen Farbstein wird gute Buchdruck färbe dünn ausgewalzt. Dann wäscht man den Stein, spritzt auf die Walze einige Tropfen französisches Terpentin und walzt mit der so verdünnten Farbe den Stein von Neuem ein. Die dünne lichtgraue Farbe wird nun wiederholt auf die Zinkplatte aufgetragen. Nachdem letztere 5 Minuten in reinem Wasser gelegen, löst man die nicht belichteten, also löslich gebliebenen Theile der Eiweiſsschicht durch vorsichtiges Betupfen mit wassergetränktem Wattebausch und erhält ein zartes, klares Bild. Dieses wird in der üblichen Weise mit Asphaltmehl eingestäubt und das Aetzen kann hierauf nach vorsichtigem Anschmelzen des Harzes über Weingeistflamme beginnen.

Kunkler und Brunner in Winterthur (D. R. P. Nr. 31537 vom 29. Januar 1884) schlagen folgendes Verfahren zur Herstellung von photographischen Platten und gekörntem oder schraffirtem Untergründe für unmittelbare Uebertragung auf Metall oder Stein vor: Eine sogen. Lichtdruckplatte wird dem Lichte ausgesetzt, ausgewässert und eingeschwärzt, wobei sich eine gekörnte (gerunzelte) Fläche bildet. Auf die Schicht wird Collodion aufgegossen und ein Negativ erzeugt, welches somit einen gekörnten Untergrund hat. Es kann auch transparentes, schraffirtes Papier aufgespannt und dann als Grundschicht zur Erzeugung des Negativs dienen. Druckproben und Einzelheiten seines Verfahrens theilte Brunner in Eders Jahrbuch, 1887 S. 111 mit.

Moerch macht in der Photographic News, 1886 S. 761 aufmerksam, daſs bereits Bulloch Brothers im J. 1865 ein englisches Patent darauf nahmen, ein Bild durch Eincopiren eines Kornes in ein Diapositiv zur Herstellung von Drucken in Halbtonmanier geeignet zu machen. Moerch versuchte 1878 eine Lichtdruckplatte (Albertotypplatte) auf ein gekörntes Uebertragungspapier zu übertragen und hiervon einen Umdruck auf Zink oder Stein herzustellen. Im J. 1882 arbeitete er in folgender Weise:

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Er überzog Papier, welches auf eine Glasplatte gespannt war, mit einer Lösung von 6 Th. Gelatine, 60 Th. Wasser, 2 Th. Ammoniumbichromat und 2 Th. Chlorcalcium und trocknete bei 50°. Beim Trocknen bildet sich durch Runzelung ein Naturkorn, welches von der Dicke der Schicht, der Menge des Chromates und der Temperatur abhängt.3)Auf diesem Papiere wird nach einem Negativ ein Abklatsch erzeugt, derselbe durch ¼ Stunde in kaltes Wasser gelegt, wobei ein Runzelkorn entsteht und dann mit Druckfarbe, welche mit Terpentin verdünnt ist, eingeschwärzt. Der Druck wird auf Metall eingedrückt und geätzt.

Zur Photozinkotyple in Halbton oder, wie man das Verfahren häufig nennt: Autotypie wird in der Regel die mehrfach beschriebene Netzmanier benutzt (vgl. 1885 258 321), bei welcher bei der photographischen Aufnahme vor die empfindliche Platte ein Netznegativ eingeschaltet wird, welches die Halbtöne des Bildes in Punkte zerlegt. Um recht schöne Halbtöne in der Wiedergabe durch ein Netz zu erhalten, genügt es nicht allein, ein Netznegativ zu besitzen, sondern es kommt nach Prof. Husnik auch sehr viel darauf an, wie groſs die Zwischenräume der Liniatur sind und in welchem Verhältnisse die schwarzen Linien zu den weiſsen stehen. Ferner ist für jede verschiedene Dichte der Linien ein anderer Abstand des Netznegativs von der empfindlichen Platte nothwendig und auch für verschiedene kräftige Originale sind andere Regeln in dem Abstande des Netznegativs sowie in der Dichte der Striche des Netzes zu beobachten.

Das dichteste Netznegativ darf nicht mehr als 6 schwarze Linien auf 1mm zählen, sonst ist schon die Uebertragung, Aetzung und der Druck sehr schwierig; denn die Platte ist zu seicht und schmiert sich bald so, daſs ein öfteres Auswaschen derselben beim Drucke nothwendig erscheint. Netznegative dieser Art erfordern 1mm Abstand zur empfindlichen Platte und müssen bei kräftigen Originalen noch näher gebracht werden. Vorzuziehen ist es jedoch, nur 4 bis 5 Linien auf 1mm zu nehmen; dieselben lassen sich 1,5 bis 2mm weit von der empfindlichen Platte stellen und geben, wenn man sie weiter stellt, härtere, wenn näher, weichere Negative. (Nach Eders Jahrbuch, 1887 S. 140.)

Die Firma Boussod und Valadon (Nachfolger von Goupil und Comp. in Paris) legte der Société d'Encouragement sehr hübsche Proben von „phototypographischen Gravuren“, d.h. photographische Buchdruckplatten (Kupferätzung) in Halbtonweise vor. Davanne knüpft hieran im Bulletin, de la Société des Pholographes, 1886 S. 510 die interessante geschichtliche Erinnerung, daſs Berchtold im J. 1859 der französischen photographischen Gesellschaft ein derartiges Druckverfahren beschrieben hatte, welches darin besteht, daſs eine Kupfer- oder Zinkplatte mit Asphalt oder Chromgelatine überzogen und unter einem photographischen Bilde |452| belichtet wird; hiernach wird eine mit feinen parallelen Linien bedeckte Glasplatte aufgelegt, neuerdings belichtet und diese Behandlung wiederholt, wobei man dafür sorgen muſs, daſs sich die Linien kreuzen. Dadurch entsteht eine in Netzmanier zerlegte Druckplatte.

John C. Moss in New-York stellt Autotypien in Zinkätzung her welches Verfahren der Meisenbach'schen Autotypie ähnlich ist und Mosstypie genannt wird. Eine Probe dieses Verfahrens ist im Photographischen Archiv, 1886 S. 201 beigegeben.

Photomechanische Zurichtung der Druck-Bildstöcke. Jeder Abdruck von einem Holzschnitte oder einer Photozinkotypie sieht flau und kraftlos aus, wenn nicht durch Unterlegen einzelner Stellen u.s.w. eine entsprechende „Zurichtung“ vorgenommen wurde. Eine solche Zurichtung ist ein Relief, welches am Druckcylinder der Maschine befestigt ist und um so dicker sein muſs, je dunkler der Schatten gewünscht wird. A. Pustet in Salzburg stellt solche Reliefs auf photographischem Wege her und erzielt in ebenso rascher, als einfacher Weise sehr schöne Wirkungen beim Illustrationsdrucke. Die Herstellung der Gelatinereliefs für die „photomechanische Zurichtung“ geschieht mittels Leim und Kaliumchromat. In Eder's Jahrbuch, 1887 S. 192 linden sich Druckproben, welche die Vortrefflichkeit der Pustet'schen Methode beweisen.

(Schluſs folgt.)

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Vgl. O. Ney 1886 259 * 360.

|446|

Ueber Vergilben des Papieres vgl. Wiesner 1886 261 386.

|451|

Nach anderen Angaben wirkt Zusatz von Natriumnitrat zur Gelatine gleichfalls günstig für die Entstehung eines Runzelkornes.

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