Titel: Ueber Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264 (S. 532–541)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/ar264168

Ueber Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen).

(Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes Bd. 262 S. 337.)

Mit Abbildungen im Texte sowie auf Tafel 30 und 33.

H. H. Lake in London (Englisches Patent Nr. 10646 vom 8. September 1885) hat einen eigenthümlichen, in Fig. 3 und 4 Taf. 30 dargestellten Anker vorgeschlagen, dessen Kerne ein flacher Eisenring A bildet, welcher auf seinem inneren Umfange acht vorspringende Ansätze a besitzt. Auf beiden Flächen dieser ringförmigen Scheibe A sind zunächst die Spulen b von nicht isolirtem Eisendrahte gewickelt und über diese wiederum in mittlerer radialer Richtung die eigentlichen Ankerspulen B, welche in den Zwischenräumen der inneren Ansätze a der Kernscheibe liegen. Die zwischen diesen Spulen auf beiden Seiten des Kernes entstehenden Zwischenräume sind durch keilförmige Holzklötze C ausgefüllt; ebenso sind die Spulen B am äuſseren Umfange durch die |533| Holzstücke c von einander getrennt. Die Keile C liegen nicht mit ihrer ganzen Fläche auf den Drähten b, sondern nur mit vorspringenden Leisten auf (vgl. Fig. 4), wodurch die Erhitzung der Drähte vermieden werden soll. Der so hergestellte Kern wird mit Hilfe der 8 Ansätze a auf die entsprechend gestaltete Nabe D aufgezogen, welche einen I-förmigen Querschnitt (in radialer Richtung) zeigt und behufs leichterer Kühlung und Verminderung des Gewichtes mit den Löchern g versehen ist.

E. T. und D. Higham in Philadelphia (Englisches Patent Nr. 7669 vom 8. Juni 1886) bezwecken besonders die Beseitigung der Bürsten und des Stromsammlers. Diese in Fig. 5 und 6 Taf. 30 dargestellte Maschine besitzt zwei Elektromagnete E und E1 mit den Polstücken e und e1, zwischen denen der Anker umläuft. Diese beiden Elektromagnete sind in geeigneter Weise mit den gebogenen Platten B und B1 verbunden und in richtiger Entfernung gehalten, während letztere Platten in der Mitte wiederum durch die Querstücke D zusammengehalten werden, in welchen endlich die Ankerwelle A gelagert ist. Um sowohl in den Feldmagneten, als auch in den Ankerspulen die möglichst gröſste Zahl von Windungen auf dem kleinsten Raume zu erhalten, sollen zwischen die Wickelungen von dem gebräuchlichen starken Drahte noch Windungen von feinem Drahte gelegt werden, deren Enden elektrisch leitend mit den starken Drahtspulen verbunden sind, so daſs also beide Drähte auf demselben Kerne parallele Stromkreise bilden. Sowohl die Polstücke des Ankers, als auch die der Elektromagnete E und E1 sowie deren Kerne bestehen aus zwei durch die nicht magnetische Zwischenlage f getrennten Theilen, um die Bildung störender Ströme zu verhüten. Die Querstücke D, die Ankerwelle A und die Verbindungsplatten B und B1 sind von magnetischem Material hergestellt, so daſs ein geschlossener magnetischer Kreis beispielsweise vom oberen Pole E durch den entsprechenden Theil der Platte B, das Querstück D, die Ankerwelle A, durch den Kern und das Polstück der Ankerspule I hergestellt ist, wodurch die magnetische Wirkung zwischen den Polen der Feldmagnete und denen des Ankers erhöht werden soll.

Um den eingangs erwähnten Zweck zu erreichen, wird der gewöhnliche Stromsammler durch einen magnetischen ersetzt und ist die ganze Maschine mittels der isolirenden Platte g in zwei getrennte Theile zerlegt, wodurch zugleich beide Achslager von einander isolirt sind; die schon erwähnte Trennung der Ankerpole und der Ankerwelle entspricht dieser Theilung. Ferner befinden sich zwischen den drei Magnetpolen der Ankerwelle und parallel zu derselben drei bleibende Magnete a, a1 und a2, welche an radial von der Welle A ausgehenden Armen p, p1 und p2 drehbar befestigt sind. Auſserdem sind parallel zu denselben paarweise geordnete radiale Contactarme auf der Welle A angebracht, deren Länge so bemessen ist, daſs die Magnete a, a1, a2 eine geringe schwankende Bewegung machen und in Folge derselben |534| mit einem oder dem anderen Ende Contact mit jenen Armen herstellen können. Bei der Umdrehung der Ankerwelle A wird nun, sobald einer der Dauermagnete in das Bereich der Feldmagnete E und E1 gelangt beispielsweise der Südpol von a2 angezogen, wobei er auſser Berührung mit seinem Contactarme kommt, während gleichzeitig der Nordpol von a2 Contact hat. Auf diese Weise wird der Strom abgeleitet.

Silv. P. Thompson in London (vgl. 1886 261 * 408) verwendet in seiner unter Nr. 7860 vom 11. Juni 1886 in England patentirten Dynamomaschine ganz auſser ordentlich schwere Magnete M (Fig. 8 Taf. 30), welche gleichzeitig die Grundplatte der Maschine bilden und den Vortheil bieten, daſs die Magnete keine Verbindungsstellen haben. Die Wickelung C dieser Magnete befindet sich über dem Anker zwischen beiden Schenkeln. Der Anker S (Fig. 9 und 10 Taf. 30) wird auf einer Anzahl Sternen von nicht magnetischem Material aufgebaut, welche auf die Welle gekeilt sind und die isolirten Mäntel oder Cylinder W tragen, auf denen die aus dünnen, durch gefirniſstes oder paraffinirtes Papier oder durch Asbest gegen einander isolirten Blechscheiben bestehenden Ringe B befestigt sind. Soll der Anker geringen Widerstand geben, so verwendet man dünne Kupferbänder, deren 3, 4 oder mehr auf einander gelegt sind, welche also einen vierfachen aus Platten bestehenden Leiter bilden, der nach gehöriger Isolirung auf den Kern gewickelt wird. In gewissen Fällen werden die am Umfange des Ankers liegenden Drähte mit Hilfe von umgewickelten Lederschnuren oder Bändern zusammengehalten, indem letztere zunächst über den einen und dann unter den nächsten Leiter u.s.w. gehen, so daſs sie ein vollständiges Flechtwerk bilden, welches die Drähte gegen die Wirkungen der Fliehkraft schützt. Der Magnet kann auch liegend statt stehend wie in Fig. 8 angeordnet werden; seine Spule liegt alsdann im wagerechten Durchmesser des Ankers.

Die Elwell-Parker-Company in Wolverhampton gibt ihrer neuesten, in Industries, 1886 Bd. 1 * S. 472 beschriebenen Dynamomaschine vier Pole (Textfig. 1), indem sie einen zweischenkeligen Magnet lothrecht unter die Ankertrommel und einen ebensolchen Magnet entsprechend über die Ankertrommel stellt; die oberen sowohl, als auch die unteren Magnetschenkel werden durch die Gestelltheile der Maschine verbunden. Jeder der vier Magnetpole greift nur um einen kleinen Theil des Ankerumfanges, wodurch man einen sehr scharf markirten neutralen Punkt am Stromsammler erhalten und damit das Funkensprühen der Maschine fast ganz beseitigt haben will. Der Anker ist nach Art des Gramme'schen Ringes gewickelt; doch ist ein verhältniſsmäſsig viel geringeres Gewicht an Kupferdraht verwendet, wodurch wieder der elektrische Widerstand des Ankers geringer wird. Die Maschine wird in 4 verschiedenen Gröſsen ausgeführt, welche aber sämmtlich nicht über 600 Umdrehungen in der Minute machen.

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Fig. 1., Bd. 264, S. 535

Für die zweitkleinste Maschinensorte, welche einen Strom von 200 Ampère mit 105 Volt Spannung geben soll, beträgt die Gesammtlänge 1m,60, die Breite 740mm, die Höhe 1m,32; die Antriebscheibe hat 380mm Durchmesser, 288mm Breite, das Gewicht etwa 2300k. Der Anker hat gemischte Wickelung und macht auch bei veränderlicher Leistung beständig 600 Umdrehungen in der Minute; sein Widerstand beträgt 0,024 Ohm, der Widerstand der Nebenschluſsspulen bezieh. der hinter einander geschalteten Hauptspulen 17,8 bezieh. 0,0025 Ohm.

Hiernach muſs der Spannungsverlust in den Hauptspulen 200 × 0,0025 = 0,5 Volt, und der Leistungsverlust 200 × 0,5 = 100 Watt betragen. Der Unterschied an elektromotorischer Kraft an den Bürsten ist 105 + 0,5 = 105,5 Volt und demnach der durch den Nebenschluſs gehende Strom (105,5 : 17,8) = 5,92 Ampère, so daſs der Verlust in den Nebenspulen 5,92 × 105,5 = 624 Watt erreicht. Der durch den Anker gehende Strom ist 200 + 5,92 = 205,92 Ampère, der Verlust im Anker (205,92)2 × 0,024 = 1018 Watt. Die Nutzleistung der Maschine ist 200 × 105 = 21000 Watt, während die Gesammtleistung 21000 + 100 + 624 + 1018 = 22742 Watt, der Nutzeffect also 92,34 Proc. beträgt, bei voller Belastung. Für halbe Belastung betragen die entsprechenden Werthe 25, 621, 269, 10500 und 11415 Watt, der Nutzeffect 92 Proc., also ebenso viel wie bei voller Belastung.

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Die vierpoligen Maschinen werden auch mit wagerecht liegenden (früher gegen einander geneigten, jetzt parallelen) Magneten angeordnet, wie in Fig. 7 Taf. 30 im Querschnitte ersichtlich ist. Die Maschine ist mit Nebenschluſswickelung versehen und macht 450 Umdrehungen in der Minute. Die elektromotorische Kraft ist 130 Volt, die regelrechte Leistung 385 Ampère. Der Anker ist mit einer einfachen Lage von mit Seide übersponnenem Kupferdrahte in 196 Windungen bewickelt und hat 0,015 Ohm Widerstand. Zur Aufnahme des Stromes dienen natürlich 4 Sätze Bürsten; die einander gegenüber liegenden sind von gleichem Potential. Die Magnete haben gemischte Wickelung mit 15 Ohm Widerstand.

Die Gulcher Electric Light and Power Company in London hat ihren neuesten Dynamomaschinen (vgl. 1886 262 * 55. 1884 254 466) ebenfalls eine veränderte Form gegeben, welche sich hinsichtlich der Anordnung der Magnete den von Edison befolgten Grundsätzen nähert, wie nach Industries, 1886 Bd. 1 * S. 238 aus Textfig. 2 und 3 zu ersehen ist.

Fig. 2., Bd. 264, S. 536
Fig. 3., Bd. 264, S. 536

Der Ankerring dieser neuen Maschinen hat quadratischen Querschnitt und der Kern ist aus Eisendrähten mit rechteckigem Querschnitte hergestellt, welche durch Firniſsuberzug gegen einander isolirt sind. Die Feldmagnete sind mit Seitenplatten versehen, um den magnetischen |537| Widerstand des Luftzwischenraumes möglichst zu vermindern. Die abgebildete Maschine dient als Motor von 1 bis 1¼ Pferd Leistung bei 2200 Umdrehungen in der Minute; ihr Gewicht ist 81k und ihre Nutzleistung beträgt etwa 75 bis 80 Proc.

Fig. 4., Bd. 264, S. 537
Kremenezky, Mayer und Comp. in Wien geben dem Gramme-Ringe groſsen Durchmesser, geringe Breite und verbinden denselben durch Metallarme sicher mit der Welle. Die beiden Polstücke liegen über und unter diesem Ringe und sind an jeder Seite durch einen aufrecht gestellten stabförmigen Elektromagnet verbunden (Textfig. 4).

Fig. 5., Bd. 264, S. 537
Bruckner, Roſs und Konsorten in Wien stellen in ihrer neuesten Maschine die Grundplatte, die beiden Lagerböcke der Ankerwelle und die beiden Elektromagnete aus einem Guſsstucke her (vgl. Textfig. 5). Die zwischen den beiden Lagerböcken befindlichen, aufrecht stehenden, |538| hohlen Elektromagnetschenkel sind in ihrem oberen Theile zu Polstücken ausgebildet, welche den Anker fast ganz urnschlieſsen und mit den beiden Lagerböcken aus einem Stücke gegossen und aus einem Mittel ausgebohrt sind. Der Anker ist nach Art des Gramme-Ringes gewickelt, jedoch cylinderförmig. Die Lagerzapfen der Ankerwelle werden mit Hilfe eines auf denselben aufgesetzten leichten Messingringes von gröſserem Durchmesser geschmiert, welcher mit seinem unteren Theile in einen Oelbehälter der unteren Lagerschale eintaucht.

Marcel Deprez in Sceaux (* D. R. P. Nr. 30405 vom 18. Juli 1883) will an Dynamomaschinen mit Gleichstrom die Stromstärke entweder durch beständige oder theilweise, zeitweilig eintretende Drehung der magnetischen Achse des Systemes unverändert erhalten, ferner eine willkürliche Regulirung des magnetischen Feldes der Maschine ermöglichen.

Bei der in Fig. 11 und 12 Taf. 30 wiedergegebenen Maschine wirkt nur Eisen auf Eisen; die Zahl der inducirenden Magnete ist hier nur vier; doch empfiehlt Deprez möglichst viele anzuwenden. Diese einfachen Elektromagnete A, A1 und B, B1 sind über Kreuz angeordnet, die Windungen derselben in A und A1 sowie in B und B1 gleich gerichtet, so daſs sich in A und B der Nordpol, in A1 und B1 der Südpol befinden. Zwischen diesen Magneten dreht sich ein gewöhnlicher Siemens'scher Cylinder-Inductor C, dessen Kern I-förmigen Querschnitt besitzt. Die Drahtanfänge und Enden der inducirenden Magnete sind mit den unter einander isolirten Contactstreifen des Stromsammlers D der Reihe nach verbunden, so daſs, wenn der Strom durch die Abtheilungen von A und A1 geht, diejenigen von B und B1 unberührt bleiben.

In Fig. 11 ist ein Viertel dieses Stromsammlers D einer als Elektromotor benutzten Maschine abgewickelt dargestellt; seine Abtheilungen oder Zungen l stehen mit A und A1 seine Abtheilungen l1 mit B und B1 in Verbindung, so daſs die beiden Gruppen A, A1 und B, B1 hinter einander geschaltet sind, wobei die Contacthebel d und d1 so weit von einander entfernt stehen, daſs sie nur so viel Zungen umfassen und in den Strom einschalten können, wie die Zahl der Abtheilungen jedes einzelnen Inductors beträgt. Wird bei der in Fig. 11 gezeichneten Stellung der Contacthebel d und d1 durch dieselben ein Strom in die Inductoren geleitet, so wird derselbe nur durch die Abtheilungen 1, 2 und 3 von A und B gehen; in beiden entsteht der Nordpol, in A1 und B1 dagegen der Südpol, wobei der Anker die in Fig. 11 gezeichnete Stellung einnimmt. Verschiebt man nun die Hebel d und d1 von unten nach oben, so wird die Zahl der vom Strome durchlaufenen Abtheilungen in A und A1 in demselben Maſse vermehrt, wie sie in B und B1 abnimmt, bis am Ende dieser Bewegung nur noch die Inductoren A und A1 erregt sind, wobei der Anker C die lothrechte Stellung eingenommen hat. Wird die Bewegung in derselben Richtung fortgesetzt, so tritt die umgekehrte Wirkung ein; der Strom wird demnach die Abtheilungen der Inductoren einmal in der Reihenfolge 1, 2, 3 bis 6, das andere Mal aber in der Folge 6, 5, 4 bis 1 durchlaufen, also einen beständigen Polwechsel der Elektromagnete hervorrufen, wodurch eine stetige Drehung der Pollinie des magnetischen Feldes sowie der Ankerspule C in demselben Sinne bedingt ist.

Die immer in derselben Weise magnetisirte Ankerspule wird also, indem sie sich dem Pole jedes Elektromagnetes nähert, oder von demselben entfernt, das von den Elektromagneten gebildete magnetische Feld beeinflussen und in sich selbst eine elektromotorische Kraft erzeugen, welche sich bei jedem Elektromagnete vermehrt; der hierbei entstehende Strom durchfielst die Windungen der Spule und vermehrt den Magnetismus derselben. Die Maschine wird hiernach zur Kraftquelle, sobald man den Contacthebeln oder Bürsten d und d1 dieselbe Drehung ertheilt wie der Ankerspule. Die Maschine ist in Folge des remanenten Magnetismus selbsterregend; die Bürsten e und e1 (Fig. 12) schalten |539| die Elektromagnete hinter einander und der erzeugte Strom kann leicht abgeleitet und benutzt werden.

Zur Erreichung des oben angegebenen zweiten Zweckes verwendet Deprez einen Apparat, welcher im Wesentlichen auf der Anwendung eigenthümlich geformter Inductoren nach Art der Pacinotti-Gramme'schen beruht: Zwei gerade, parallel angeordnete, durch die Polstücke A und B (Fig. 13 Taf. 30) von weichem Eisen verbundene Cylinder von gleichem Material sind mit beispielsweise sechs von einander isolirten Abtheilungen von Kupferdrahtwickelungen a bis f und a1 bis f1 umgeben, welche nach Art des Gramme-Ringes gruppirt und mit den verschiedenen Streifen eines Stromsammlers verbunden sind und zwar in folgender Weise: 1) der Anfang von a und das Ende von a1, 2) das Ende von a und der Anfang von b, 3) das Ende von b und der Anfang von c u.s.w., 7) das Ende von f und der Anfang von f1, 8) das Ende von f1 und der Anfang von e1 u.s.w. bis 12) das Ende von b1 und der Anfang von a1.

Wird nun mittels der Bürsten g und g1 der Strom irgend einer Elektricitätsquelle in dieses System geleitet und nimmt man an, daſs die Drahtwickelungen so angeordnet sind, daſs bei A Nordpol, bei B Südpol entsteht, so werden bei der in der Figur gezeichneten Einstellung der Bürsten g und g1 auf die Streifen 1 und 7 alle oberen und alle unteren Abtheilungen in derselben Richtung vom Strome durchlaufen; die Pole bleiben in der gezeichneten Stellung und das gröſste magnetische Feld wird erhalten. Werden nun die Bürsten in Drehung gesetzt und kommen in die Stellungen 2 und 8, so wechselt die Stromrichtung in a1 und f und es wird, selbst wenn durch die Wirkung der übrigen Abtheilungen die magnetische Kraft dieselbe Richtung wie vorher behält, dennoch eine Abnahme derselben in A und B eintreten. Diese Aenderung läſst sich durch die veränderliche Zahl der Abtheilungen beliebig gröſser oder kleiner machen; so werden bei der Stellung 4 und 10 nur noch die Abtheilungen a, b, c und f1, e1, d1 allein wirksam sein, um die Magnetisirung in der ursprünglichen Richtung aufrecht zu erhalten, während die übrigen sechs Abtheilungen im entgegengesetzten Sinne wirken, so daſs die Polstücke A und B vollständig unmagnetisch werden. Bei weiter fortschreitender Bewegung der Bürsten tritt wieder Magnetisirung auf, jedoch in umgekehrtem Sinne, bis zu ihrer gröſsten Stärke, von wo sie darauf bis Null abnimmt, um dann in der ursprünglichen Richtung wieder zu beginnen u.s.w.

Die Anwendung dieses Prinzipes auf die Elektromagnete einer Gramme'schen Maschine ist nach Fig. 13 leicht erkenntlich.

Fig. 14 Taf. 30 zeigt die Anordnung für einen Pacinotti-Gramme'schen Ring, dessen Wickelungsabtheilungen a bis e bezieh. a1 bis e1 so liegen, daſs ihre Projectionen beispielsweise auf dem wagerechten Durchmesser neben einander fallen. Denkt man sich noch statt des Durchmessers AB einen Stab von weichem Eisen und auf diesen die angedeuteten Wickelungsabtheilungen aa1, bb1 . . ., so erhält man einen geraden Magnet, welcher bei geeigneter Stellung der Bürsten bei A seinen Nordpol, bei B seinen Südpol hat. Bei Drehung der Bürsten um 90° hört, da jede Abtheilung im umgekehrten Sinne wie die folgende wirkt, der Magnetismus auf, welcher aber, sobald die Bürsten weiter gedreht werden, mit entgegengesetzter Polarität zunimmt, bis er bei um 180° vollendeter Drehung seinen Hochstwerth erreicht.

Durch Anwendung dieses Systemes kann man also die Stärke des durch Drehung des inducirenden Theiles erzeugten Stromes beliebig ändern, je nachdem es die zu leistende Arbeit verlangt.

Die Drehung der Pollinie des magnetischen Feldes kann aber erreicht werden, ohne den einen oder anderen Theil zu bewegen, wie dies bisher vorausgesetzt war. Die Inductoren erhalten dann an Stelle einer Leitung deren zwei getrennte, von denen jede in der oben beschriebenen Weise mit Abtheilungen versehen ist, deren Windungen so neben einander angeordnet und verbunden sind, daſs ihre Wirkungen sich vereinigen. Jede dieser Leitungen ist in der Weise angeordnet, daſs sich der Strom in derselben in zwei Theile theilt und somit die Pollinie in den Inductoren in der beschriebenen Weise bestimmt. Die Enden der einen Leitung trachten, die Pole des magnetischen Feldes, entsprechend der gröſsten inducirenden Wirkung, in die Ebene der |540| inducirten Theile zu legen, während die Enden der anderen Leitung bestrebt sind, die Pollinie in eine zur Drehachse geneigte Stellung zu bringen, entsprechend einer schwachen inducirenden Wirkung. Läſst man durch jede der Leitungen einen bestimmten Strom gehen, so nimmt die Pollinie des magnetischen Feldes eine von der gegenseitigen Stärke der beiden Ströme abhängige mittlere Stellung ein. Man kann also diese Stellung drehen, indem man die Stärke der beiden Ströme verändert.

Durch dieses Verfahren vermag man demnach die Energie selbstthätig auf unveränderter Gröſse zu erhalten, wenn man durch eine der beiden Leitungen den von der Maschine selbst erzeugten Nutzstrom, durch die andere aber einen Strom von unveränderlicher Stärke gehen läſst, welcher entweder einer fremden Kraftquelle entnommen oder durch Ableitung vom Hauptstrome gewonnen wird. Sobald sich nun die Stärke des Nutzstromes ändert, wird auch die Lage der Pollinie des magnetischen Feldes eine andere und diese Verschiebung kann benutzt werden, um die Schwankungen im Nutzstrome auszugleichen.

M. Deprez und Maurice Leblanc in Paris (* D. R. P. No. 32063 vom 28. September 1884) construirten eine besonders als Motor für Locomotiven zu verwendende dynamo-elektrische Maschine, welche bei einem bestimmten Gewichte eine möglichst groſse Kraft bei maſsiger Umlaufsgeschwindigkeit erzeugen soll.

Ein eiserner Ring A (Fig. 18 Taf. 30) von groſsem Durchmesser und Kreisquerschnitt ist mit einer Anzahl dicht an einander gereihter Spulen von geringer Höhe und Dicke bedeckt, deren Drähte unter einander verbunden sind. Das Drahtende s, s1, s2 . . (Fig. 16) jeder Spule steht mit dem Drahtanfange e, e1, e2 jeder folgenden Spule in Verbindung und jeder dieser Vereinigungspunkte ist mit vom Stromsammler C radial ausgehendem Draht verbunden; diese radialen Drähte sind von einander isolirt. Der Ring A ruht auf einem flachen Holzringe b, der wieder von einem Rade oder von zwei runden Scheiben aus nichtmagnetischem Material getragen und so mit der Welle G verbunden ist. Zu beiden Seiten dieses Ringes A befindet sich parallel zu demselben je eine ebenfalls ringförmige Scheibe D als Inductor; die Scheiben tragen auf der dem Ringe zugekehrten Seite eine gerade Anzahl gleich weit von einander abstehender radial gestellter Stücke J und J1, welche den Ring A mit ihrer inneren Seite fast ganz umgeben, ohne jedoch die freie Drehung desselben zu behindern.

Erfahrungsgemäſs sind diesen Haupttheilen der Maschine folgende Verhältnisse zu geben: Wenn B den mittlern Radius des Ringes A und 2 n die Anzahl der auf einer Seite desselben liegenden Stücke J bezeichnet, so wird der Durchmesser des Ringquerschnittes π B : n gemacht; die Drahtumwickelung des Kernes A soll die Dicke 0,3 π B : n, die Stärke der Stücke J und J1 0,25 (π B : n) und die Dicke der Ringscheiben 0,4 (π B : n) betragen.

Auf der Welle G befindet sich, unabhängig von derselben drehbar, das Schraubenrad H, welches mit dem Rade R verbunden ist; in ersteres greift die mittels eines Handrades drehbare Schnecke F, so daſs man das Rad R rechts und links herum drehen kann. Dieses Rad R ist mit so viel Bürsten ausgerüstet, als jede der Scheiben D Ansatzstücke J bezieh. J1 trägt, also mit einer geraden Anzahl, welche der Reihe nach mit 1, 2, 3 bis 2 n bezeichnet sein mögen. Alle Bürsten mit gerader Nummer stehen unter sich in unmittelbarer Verbindung, sind aber von den unter sich ebenfalls verbundenen Bürsten von ungerader Nummer isolirt. Sind nun in dem der Einfachheit halber nur 4 Bürsten enthaltenden Diagramm Fig. 15 Taf. 30 die Bürsten 1 und 2 mit zwei Leitungsdrähten so verbunden, daſs sie eine Drehung des Rades R gestatten (die immer nur einen kleinen Winkel betragen wird) und sind beide Leitungsdrähte mit den Polen eines Stromerzeugers in Verbindung, so wird der elektrische Strom durch jede Bürste von gerader Zahl eintreten und sich in diejenigen Spulen abzweigen, deren entsprechende, strahlenförmig vom Sammler ausgehende Drähte zwischen den beiden benachbarten Bürsten von ungerader Zahl liegen.

Der Strom wird nun in dem Ringe A (Fig. 15) eine Reihe gleich weit |541| von einander entfernter Indifferenzpunkte erzeugen, deren Zahl gleich der der Bürsten ist. Diese Pole sind abwechselnd positiv und negativ und haben das Bestreben, sich den Stücken J bezieh. J1 (Fig. 18) zu nähern, so daſs sich der Ring drehen wird, wenn die Pole nicht in der Ebene des Ankers stehen. Sind nun die Bürsten fest, so bleibt die Lage der Indifferenzpunkte im Raume unverändert und der Ring wird sich bei dem Bestreben, in eine Gleichgewichtslage zu kommen, beständig drehen. Wenn man aber mit Hilfe der Schraube V und des Schneckenrades H die Bürsten dreht, so ändert sich die gegenseitige Lage der Pole und des Ankers, wodurch man sowohl die Kraftleistung, als auch die Drehungsrichtung des Ringes verändern kann.

Man kann auch statt des Ringes die Scheibe D mit den Stücken J bez. J1 sich drehen lassen, muſs dann aber den Ring von auſsen statt von innen stützen; der Sammler muſs fest sein, während sich das Rad R mit dem Anker dreht. Da sich nun auch die Bürsten drehen, so müssen an die Stelle der den Strom zu- und abführenden Leitungsdrähte zwei mit Bürsten versehene Contacte, ähnlich den bei Wechselstrommaschinen verwendeten, treten.

Um hierbei die Kraftleistung bezieh. die Drehungsrichtung verändern zu können, hat M. Deprez das in Fig. 17 Taf. 30 dargestellte Umlaufgetriebe gewählt, bei welchem die Räder R und H (Fig. 18) nicht mehr in fester Verbindung stehen. Auf der Welle G ist das Kegelrad T fest aufgekeilt, während ein ebensolches mit dem Schneckenrade H verbundenes Rad T1 lose auf G läuft; mit beiden Rädern steht das Zwischengetriebe S, welches auf einer Speiche des Rades R sitzt, im Eingriffe. Steht nun T1, so ist die Winkelgeschwindigkeit von R halb so groſs als die von T. Man kann also dem Rade, welches die Bürsten trägt, die doppelte Wickelgeschwindigkeit von R ertheilen; die Bürsten, welche sich mit dem Anker drehen, erhalten eine relative Bewegung gegen denselben, sobald man auf das Rad T1 wirkt.

(Fortsetzung folgt.)

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