Titel: Ueber Neuerungen im Hüttenwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264 (S. 613–620)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/ar264201

Ueber Neuerungen im Hüttenwesen.

(Patentklasse 40. Fortsetzung des Berichtes Bd. 261 S. 174 und Bd. 263 S. 87.)

Mit Abbildungen auf Tafel 36.

Zur Gewinnung metallischen Kupfers aus Schwefelkupfer schlägt H. Schliephacke in Harzburg (Erl. D. R. P. Nr. 38041 vom 5. Mai 1886) vor, letzteres im Tiegel zu schmelzen und mit überhitztem Wasserdampfe zu behandeln. Der Sauerstoff des Wassers soll sich zum gröſsten Theile mit dem Schwefel des Schwefelkupfers zu Schwefligsäure und zu einem kleinen Theile mit dem Kupfer zu Kupferoxydul verbinden, welch letzteres durch den entstehenden Wasserstoff nieder reducirt würde. Der Rest des Kupferoxyduls wird durch Rühren des |614| geschmolzenen Kupfers mit Birkenholz entfernt. Sobald alles Schwefelkupfer in metallisches Kupfer verwandelt ist, hört die Zersetzung des überhitzten Wasserdampfes auf, was u.a. auch daran zu erkennen ist, daſs die durch Wasserstoff erzeugte Flamme verschwindet. – Daſs die Reaction in der eben angedeuteten Weise gleichmäſsig von statten geht, dürfte wohl zu bezweifeln sein, da verwandte Methoden, nämlich die Entfernung des Schwefels aus dem Eisen und die Raffination des Kupfers durch Wasserdampf, wiederholt vorgeschlagen sind, jedoch stets ohne eigentlichen Erfolg. Auch wird es sehr schwer sein, haltbare Düsen, welche doch in das geschmolzene Schwefelkupfer eintauchen müſsten, ausfindig zu machen. Findet die Behandlung im offenen Tiegel statt, so wird ein groſser Theil des Kupfers als Sprühkupfer verloren gehen.

F. Lüpschütz in Berlin (* D. R. P. Nr. 38773 vom 28. April 1886) verfährt zur Reduction von Metalloxyden in der Weise, daſs er das Gemisch der Metalloxyde mit den Reductionsmitteln nicht unmittelbar in die Chamotte- oder Graphittiegel füllt, sondern in eine in letztere eingesetzte Blechhülse und dann den zur Reduction erforderlichen Hitzegraden aussetzt. Statt der Tiegel können auch Chamotte- und Graphitröhren oder Retorten verwendet werden. Die Vortheile dieses Verfahrens sollen darin liegen, daſs die Tiegel oder Röhren und Blechhülsen wiederholt gebraucht werden können, daſs keine Verlust bringenden Verbindungen der Metalloxyde mit den Silicaten des Tiegels entstehen können und die Metalle selbst reiner ausfallen müssen.

Zur Darstellung von schwefelsaurem Manganoxydul durch Einwirkung von Schwefligsäure auf Mangan haltige Erze benutzt Friedr. Staaden in Battenberg (D. R. P. Nr. 39106 vom 21. September 1886) Kieselmangan und sonstige Mangan haltige Erze. Im Freien, auf ebenem Boden, welcher zweckmäſsig mit einer Rollschicht versehen sein kann, wird ein Meiler, welcher aus einer unteren Lage von Schwefelkies und darüber gelagerten Manganerzgraupen besteht, aufgebaut und mit möglichst fein zerkleinertem Manganerze zugedeckt. Sobald nun der Schwefelkies angezündet wird, verwandelt die sich bildende Schwefligsäure das in den Erzen vorhandene Mangan in schwefelsaures Manganoxydul. Schneller soll man zum Ziele kommen, wenn man die Schwefligsäure aus Röstöfen absaugt und in gemahlenes Manganerz hineindrückt. Das in beschriebener Weise hergestellte Manganoxydul wird ausgelaugt und die Lösung eingedampft, wobei sich aus der heiſsen Lösung Manganvitriol wasserfrei ausscheidet. – Das Verfahren hat sehr viel Aehnlichkeit mit der Extraction oxydischer Kupfererze durch Schwefligsäure, welche in Stadtberge längere Zeit betrieben wurde. Die durch Rösten von Schwefelkies o. dgl. entstandene Schwefligsäure wurde im Gemische mit Wasserdampf und Luft unter den Rost gemauerter Angriffskästen geleitet, auf welchem die genannten Erze lagen.

Da manche Sorten Schwefelkiese sehr Zink haltig und nach dem Abrösten für den Hochofenbetrieb zur Darstellung von Roheisen nicht geeignet sind, das Auswaschen der Abbrände mit Wasser sich aber als nicht lohnbringend herausgestellt hat, so empfiehlt Hermann Herberts in Barmen (* D. R. P. Nr. 38780 vom 31. August 1886), die Kiesabbrände in einem besonderen Apparate unter höherem Drucke mit Wasserdampf zu behandeln, wodurch dieselben nicht nur frei von Zink, sondern auch nahezu ganz frei von Schwefel werden sollen.

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Fig. 1 Taf. 36 zeigt den zur Aufnahme der Abbrände bestimmten, auf dem Mauerwerke B ruhenden Behälter A, einen mit Wärmeschutzmasse umgebenen Kessel von rundem Querschnitte, aus starkem Eisenbleche angefertigt und mit Manometer und Sicherheitsventil versehen. Das Mannloch C dient zum Füllen des Behälters, ein zweites Mannloch F zum Entleeren desselben. Der Dampf tritt durch das Rohr D in den Kessel. Durch die mit einer Schutzplatte H versehene Filtrirvorrichtung gelangt die Zink- und Eisenvitriollauge in klarem Zustande nach dem Abfluſsrohre E. Ein besonderer Vortheil dieses Verfahrens gegenüber der Behandlung der Kiesabbrände mit Wasser (vgl. J. Jacobi 1870 198 * 131) dürfte darin bestehen, daſs die abflieſsenden Laugen ziemlich concentrirt sind und daher leicht weiter verarbeitet werden können.

M. M. Bair in Paris (* D. R. P. Nr. 38776 vom 6. Juni 1886) hat sich eine Neuerung an Oefen für metallurgische oder industrielle Zwecke schützen lassen, in welchen die Heizgase von den zu erhitzenden Stoffen getrennt gehalten werden sollen.

Im Inneren eines Ofens beliebiger Construction (vgl. Fig. 2 und 3 Taf. 36) sind in der Längsrichtung derselben etwas unterhalb des Gewölbes Röhren B auf schmalen Gewölben C gelagert, welche in gröſseren Zwischenräumen von einander angeordnet sind. Durch diese Röhren B werden die Heizgase, welche von den zu erwärmenden Stoffen getrennt gehalten werden sollen, geleitet und, da die Röhren so dünn wie möglich gemacht werden, geben letztere möglichst schnell und vollkommen die Wärme an die auf dem Herde D aufgeschichteten Körper ab. In der Abänderung Fig. 4 Taf. 36 liegen die Röhren B lothrecht und werden entweder unmittelbar über der Feuerung angeordnet, oder mit letzterer durch einen Kanal verbunden. Bair will dadurch das bisherige Beheizen von Röhren, Retorten, Muffeln u.s.w. von auſsen verdrängen, von der Meinung ausgehend, den Brennstoff auf diese Weise besser auszunutzen, als wenn die Feuergase dickwandige Retorten u.s.w. umkreisen.

Friedr. Siemens in Dresden (* D. R. P. Nr. 38532 vom 10. Juni 1886) hat einen Tiegel-Schmelz- und Glühofen mit Regenerativ-Leuchtgasheizung construirt, bei welchem Tiegel und Gut nicht durch Berührung mit den benutzten Gasflammen, sondern nur durch die strahlende Wärme derselben (vgl. 1885 257 * 154) erhitzt werden. Dieser Ofen ist auf Tafel 36 in zwei Formen dargestellt: Fig. 9 bis 12 beziehen sich auf einen rechteckigen Ofen mit seitlicher Füllthür, Fig. 13 und 14 auf einen runden öfen mit Einsatzöffnung von oben.

Im rechteckigen Ofen wird die Heizkammer H durch zwei Regenerativflachbrenner R und R1 nur von den zwei Längsseiten durch Strahlung der beiden Gasflammen geheizt. Die Verbrennungsproducte ziehen nach unten ab, während die von innen zugeführte Luft, den Verbrennungsproducten entgegen nach oben strömt, um, derart vorgewärmt, mit den von den Brennern R bezieh. R1 entströmenden, ebenfalls vorgewärmten Leucht- oder Brenngasen zu verbrennen. Das Leuchtgas wird durch die Rohre o (Fig. 10 bis 12) in die länglichen Gaskammern r und r1, auf welchen die Brennröhren befestigt sind, eingeführt, während die abgekühlten Verbrennungsproducte unten durch die Sammelkanäle Q, Q1 in das Rohr A zur Esse abgeführt werden.

Ueber dem Eintrittsraume der kalten Luft L ist ein Klotz S angebracht, dessen obere Fläche als Herdfläche des Ofens dient, auf welche somit die Siegel o. dgl. gebracht werden. Der Deckel D ermöglicht Ausbesserungen der inneren Ofenkammer oder das Beschicken des Ofens von oben, während Schlacke, zerbrochene Tiegel u.s.w. durch die Eintrittsöffnungen der kalten Luft bei L und L1 (Fig. 10) entfernt werden können.

Der runde Ofen (Fig. 13 und 14) besitzt einen Rundbrenner R; das Gas wird, durch das Rohr o in den Gaskammerring r, auf welchem die Brennerrohrchen stehen, eingeführt; die kalte Luft strömt von auſsen durch Ausschnitte |616| im Thonmantel M von unten ein, umspült den Ring und die Röhrchen des Rundbrenners R, um stark vorgewärmt mit dem ausströmenden, vorgewärmten Gase zu verbrennen. Die Flamme bestreicht den oberen Rand der inneren Ofenkammer N und wendet sich im Gegensatze zum rechteckigen Ofen nach innen, um ebenfalls, dem Luftstrome entgegengesetzt, nach unten mittels des Sammelringes Q nach dem Kanäle A und der Esse zu entweichen. Der Ofen kann nur durch die mittels des Deckels D verschlieſsbare Oeffnung im haubenförmigen Mantel M beschickt werden. Geschmolzene, nach unten gelaufene Materialien, Schlacken u.s.w. lassen sich durch die Einsatzthür E entfernen. Der ganze Ofen ist aus einander nehmbar und Siemens glaubt selbst, daſs diese letztere Construction zur Erreichung sehr hoher Temperaturen am geeignetsten sei. Auſser der vortheilhaftesten Ausnutzung des Brennstoffes soll die beschriebene Einrichtung sich noch dadurch auszeichnen, daſs das Ofenmaterial nicht der zerstörenden Wirkung der Flamme ausgesetzt ist.

In wie weit der Siemens'sche Gedanke richtig und die darauf begründete Construction zweckmäſsig ist, kann vor der Hand noch nicht entschieden werden. Die Technik ist in diesem Falle der Wissenschaft vorangeeilt, indem die wissenschaftlichen Versuche über die Wärmewirkung verbrannter Gase noch fehlen. Indessen ist bereits ein groſser Ofen für hüttenmännische Zwecke, der allein auf strahlender Wärme beruht, auf dem Siemens'schen Kupferbergwerke im Kaukasus in Betrieb und soll nach F. Siemens (vgl. Verhandlungen zur Beförderung des Gewerbfleißes, Sitzungsberichte 1887 S. 26.) vorzügliche Erfolge geliefert haben. Als Heizungsmaterial dient daselbst Erdöl, welches mit überhitztem Dampfe zerstäubt und mit der zur Verbrennung nöthigen Luft in den runden Ofen eingeführt wird. Werner Siemens theilt mit, daſs mit 1 G.-Th. Roherdöl oder Naphta 15 Th. Erz geschmolzen werden können.

L Kleemann in Myslowitz (* D. R. P. Nr. 38038 vom 14. April 1885) empfiehlt Neuerungen in der Construction eines Ofens zur Verhüttung von Zinkerzen und Sauerstoff haltigen zinkischen Materialien, z.B. zinkischen Ofenbrüchen.

Ein, zwei oder mehrere senkrechte Reductionsräume a1 (Fig. 5 Taf. 36) sind oben mit verschlieſsbarer Füllöffnung g versehen und reichen unten mit vertieftem Boden a2 in die Rösche. Die Wandungen derselben sind zur Vollziehung des Reductionsprozesses und des seitlichen Abtriebes der Zinkdämpfe nach den Condensationsvorrichtungen auf der einen Seite von Zügen c für den Eintritt von Feuerungsgasen und auf der anderen von Zügen d zur Verbindung mit den Condensationsvorrichtungen durchbrochen. Ein jeder Reductionsraum besitzt einen nach unten abschlieſsenden, zum Entfernen der Reductionsrückstände dienenden Kasten h, in welchen bei q oder an anderer Stelle Luft oder Gas zur Ableitung der Zinkdämpfe nach den Condensationsvorrichtungen eingeblasen wird. Besondere Kanäle i verbinden die Feuerungskammern b mit den die Reductionsräume umgebenden Heizkanälen, um die aus den Feuerungskammern in die Reductionsräume nicht gelangenden überschüssigen Gase zur Heizung derselben zu benutzen. In Verbindung mit den Reductionsräumen sind Röhren f angelegt, welche einen gemeinschaftlichen Kopf oder Zinksammler von zwei oder mehreren in einem Vorgewölbe Z über einander angeordneten Vorlagen e bilden.

Die Feuerkammern b werden durch Gasgeneratoren, welche für Gebläsebetrieb eingerichtet sind, und davon ausgehende Wege k, k1 mit Gas versehen, welches bei n mit der von m kommenden Verbrennungsluft zusammentrifft. Der Betrieb gestaltet sich in der Weise, daſs die Beschickungssäule von a1 an dem durch die Züge c der Feuerkammer bloſs gelegten Theile zunächst in Glut versetzt wird, senkrecht an der Rückseite auch der Abtrieb der Zinkdämpfe beginnt und auf dieser Grundlage dann querüber durch die ganze Masse zur Vorderseite vorrückt und dort gleichzeitig von oben bis unten herab endigt.

Um die von der Galmeiaufbereitung in Montepani sich ergebenden Abfälle zu rösten, wurde, weil die Oxland'schen Oefen (vgl. 1876 219 |617| * 55), welche in der Nähe in Betrieb waren, kostspielig und umständlich arbeiteten, von dem Direktor Ferraris ein Flammofen construirt, welcher sich nach der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1886 * S. 655 sehr günstig bewährt hat. Der Ofen besteht aus einem stark geneigten Herde, der oben in einem guſseisernen Trichter endigt, durch welchen der zu röstende Galmei aufgegeben wird. Unten endet derselbe mit einem trichterförmigen Loche, welches zum Austragen des gebrannten Galmeis dient. Der Ofen ist ein Zwillingsofen mit zwei Herden und gemeinsamer Feuerungsanlage und einer Esse. Die Befeuerung ist ähnlich dem Boëtius'schen Generator (vgl. 1870 197 * 498) mit Treppen- und Planrost. Die Luft tritt in den unteren Theil des Ofens, wo sie die dem Feuerraume entströmenden Gase verbrennt. Die Anlagekosten für einen Doppelofen betragen 12000 M. Die Röstkosten für 1t gerösteten Galmeis 2,72 M.

Neben dem Flammofen sind zwei Schachtöfen g (Fig. 15 Taf. 36) angeordnet, welche je aus acht zusammengeschraubten Abtheilungen bestehen, die sich auf einen guſseisernen Ring stützen. Unten ist ein Rahmen angehängt, welcher den Zweck hat, fünf schmiedeiserne Barren zu halten, die einen Gichtverschluſs des Ofens bilden. Durch Drehen der Verschluſsbarren wird der ununterbrochen gehende, mit Kegelrost h versehene Ofen vom Röstproduct entleert. Man braucht 4 bis 6 Proc. Holzkohlenklein. Der Rost bleibt immer kalt und die Wärme wird im Ofen sehr vollständig ausgenutzt.

A. Arents' kreisender Röstofen: Die Drehöfen zum Rösten von Erzen von Oxland, Brückner u.a. (vgl. 1876 219 * 55. 1885 255 * 73) haben in Folge ihrer cylindrischen Gestalt den Nachtheil, daſs das Erz sowohl am höchsten, als auch am niedrigsten Punkte der Drehtrommel gleich hoch liegt, während die Temperatur am unteren, dem Feuerungsraume am nächsten gelegenen Ende höher als am oberen ist, wodurch eine ungleichmäſsige Röstung hervorgerufen wird. Dies sucht nun Alb. Arents (aus Clausthal), derzeit zu Almeda, dadurch zu vermeiden, daſs er den Drehofen kegelförmig nach der Feuerung zu weiter gestaltet, so daſs hier die Erzschicht dicker ist als oben und in Folge der Temperaturausgleichung eine gleichmäſsige Röstung herbeigeführt wird. Der Unterschied der Enddurchmesser beträgt nach der Flammbarkeit des Brennstoffes 300 bis 450mm und kann um so (geringer sein, je länger die Flamme wird.

Fig. 16 Taf. 36 zeigt nach der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung, 1887 * S. 192 die Anlage des Ofens. Der Drehherd läuft mit guſseisernen Ringen m auf den Reibungsrollen L welche durch das Kegelrädergetriebe n Drehung erhalten. Das Röstgut wird aus dem Fülltrichter e durch die Oeffnung o in den Röstraum C eingegeben. Vorn steht die Feuerung A auf der Hüttensohle h und hinten verbindet der Kanal d den Ofen mit der Flugstaubkammer. Die Entleerung des Drehherdes C erfolgt durch die Oeffnung p mittels des eisernen Kastens k in den mit Schiebethür versehenen Raum f.

Mittheilungen über Kupfer- und Silber-Auslaugearbei1) mittels chlorirender |618| Röstung. Nach Direktor R. Flechner (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1887 * S. 183) ist die chlorirende Röstung nur für solche Rohstoffe empfehlenswerth, welche Antimon, Arsen, Blei, Kalk, Zink gar nicht, oder in sehr geringer Menge enthalten, bezieh. bei denen diese Beimengungen durch eine billig durchführbare Vorarbeit hinreichend herabgemindert werden können. Bei an Schwefel reichen Verbindungen muſs dem eigentlichen chlorirenden Glühen ein Vorrösten vorausgehen, um den Schwefelgehalt auf eine bestimmte, für jede Rohproductgattung durch praktische Beobachtung festzustellende Grenze herabzubringen, welche sich im Durchschnitte zwischen 2 und 5 Proc. als wirthschaftlich und metallurgisch am vortheilhaftesten ergeben hat.

Das Vorrösten der Erze erfolgt in offenen Pyramiden oder in entsprechenden Oefen. Das vorgeröstete Product wird mittels Quetsche und Sieb auf ein gleichmäſsiges, 2mm Durchmesser nicht überschreitendes Korn gebracht, dann mit der entsprechenden Menge von Kochsalz gut abgemischt und dem chlorirenden Röstprozesse unterworfen. In Betreff der anzuwendenden Kochsalzmenge kann man als Erfahrungsverhältnisse in Ansatz nehmen, daſs in Schwefel haltigen Producten mindestens das 3 fache Gewicht des Schwefelgehaltes an Kochsalz zur Zersetzung der Schwefel Verbindungen erforderlich und daſs der Kochsalzzusatz gleichzeitig mindestens das 1½ fache Gewicht der auszuziehenden Metallgehalte betragen soll. Es ist ferner zur Erzielung der innigen mechanischen Berührung zwischen Röstgut und Zusatz nicht zulässig, unter 10 bis 12 Proc. Kochsalz zu geben, falls nämlich, wie dies bei sehr armen Rohstoffen leicht möglich, sich nach obigen Ansatzverhältnissen eine geringere Menge berechnen sollte.

Die eigentliche chlorirende Glühung zerfällt in zwei Perioden, nämlich in das Erwärmen der Einwage bis auf die zur chemischen Reaction nöthige Temperatur und in die bei maſsiger Temperatur stattfindende chlorirende Zersetzung und Verbrennung. Ein zu dieser Arbeit geeigneter Ofen muſs demnach ein ziemlich rasches und gleichmäſsiges Erwärmen der Einwage, dann aber ein gleichmäſsiges Warmhalten ohne Steigerung der Temperatur bei regelbarer Luftzuführung ermöglichen. Es darf ferner kein zu lebhafter Zug über die Einwage strömen, damit die bei diesem Prozesse stattfindende Flugstaubbildung und Verdampfung von Chloriden möglichst gering bleibt. Auch muſs die Möglichkeit vorhanden sein, die Chlor- und Schwefelsäuredämpfe möglichst wenig durch die Verbrennungsproducte des Heizstoffes verdünnt und geschwächt nach einem Condensationsthurme zu bringen, wo ein entgegenfallender Sprühregen die sauren Dämpfe aufnimmt und gesammelt eine angesäuerte |619| Flüssigkeit liefert, welche zur Auslaugung verwendet einer der wesentlichsten Factoren zur Erzielung günstiger Ergebnisse ist.

Diesen Anforderungen entspricht nun vollkommen der in Fig. 17 bis 22 Taf. 36 dargestellte Probeofen, mittels welchen R. Flechner Versuche mit chlorirender Röstung auf der Kupferhütte in Bai an durchführte. Die Anlage besteht aus einem Ofenpaare mit dazwischen stehendem Gasgenerator. Der Betrieb erfolgt in der Weise, daſs während der Anwärmungsperiode der Einwage in dem einen Ofen der chlorirende Verbrennungsprozeſs auf dem anderen Herde vor sich geht, also während des vollen Feuerungsverbrauches in einem Ofen in dem anderen nur wenig Feuerung nöthig ist. Diese Regelung erfolgt durch Schieber s (Fig. 20), welche in den Kanälen a zwischen dem Generator g und dem Herde eingesetzt sind. Die Herdfläche besitzt 2qm,3 und ist für eine Einwage von 220k berechnet. Der Herdboden ist aus dünnen feuerfesten Thonplatten hergestellt, welche auf dünnen Zwischenwänden der darunter befindlichen Feuerkanäle aufliegen. Der für Holz, Holzkohle und Kohlenlösche eingerichtete Gasgenerator ist von Flechner seit einer Reihe von Jahren für Hüttenöfen (vgl. auch 1879 231 * 248) und auch für Kesselfeuerungen mit dem besten Erfolge verwendet worden. Die Gase ziehen vom Generator g durch den Kanal a bis unter die Mitte des Herdes, steigen zur innigen Mischung mit der an dieser Stelle zugeführten Luft durch die mit schmalen Schlitzen versehenen Pfeifen f aufwärts, um dann durch die Feuerkanäle über die Feuerbrücke b in den Arbeitsraum zu gelangen. Die Verbrennungsproducte entweichen durch den auf den Ofen aufgemauerten Kanal m, in welchem ebenfalls Schieber s1 (Fig. 19 und 21) eingesetzt sind, durch deren abwechselndes Einsenken der Zug entweder durch den Kanal i unmittelbar zur Esse (während der Anwärmungsperiode) oder durch den Kanal i1 nach einem Condensationsthurme (während der chlorirenden Verbrennung) geleitet werden können. In den betreffenden Essenzügen sind unter der Hüttensohle Flugstaubkammern eingeschaltet und ferner an den Einströmungskanälen a, wie an allen Feuerkanälen, verschlieſsbare Putzlöcher angebracht zur Ausräumung etwa eindringender Kohlenlösche und Asche. Die Temperatur unter den Holzplatten kann durch Veränderung des Querschnittes der Luftzutrittsöffnungen beliebig geregelt werden.

Ueber die Werkblei-Entsilberung auf Muldener Hütte bei Freiberg (Sachsen) berichtet eingehend C. A. Plattner im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen, 1886 * S. 33 ff.

Bis vor Kurzem hat man auf Muldener Hütte das Handpattinsoniren ausgeübt, da einige von den Vortheilen, welche das sogen. Parkesiren (Parkes' Verfahren der Entsilberung durch Zink vgl. 1887 263 87) gewährt, aus örtlichen Verhältnissen hier wegfallen. Das sehr unreine Werkblei bedarf einer vorhergehenden Raffination, gestattet bei seinem hohen Silbergehalte von 0,4 bis 0,8 Proc. beim ununterbrochenen Pattinsoniren eine rasche Silbergewinnung und schlieſslich läſst sich das Wismuth gewinnen. Angestellte Versuche und genaue Kostenberechnungen haben jedoch neuerdings das nachstehende vereinigte Verfahren vortheilhafter als das Pattinsoniren allein erscheinen lassen. Das Werkblei wird durch Saigern von Kupfer, Kobalt und Nickel gereinigt, zur Entfernung von Zinn, Arsen und Wismuth im Flammofen raffinirt und im 2. oder 3. Kessel einer 9 Kessel enthaltenden Pattinsonbatterie der ⅔-Krystallisationsmethode unterworfen. Dabei erfolgt an Wismuth reiches Reichblei mit etwa 2 Proc. Silber zum Abtreiben und Armblei mit 0,1 Proc. Silber, welches mit anderen Bleien von gleichem Silbergehalte mittels Zink in 2 Kesseln von je 20t Fassung und 3 kleineren Kesseln zum Reichschaumsaigern entsilbert wird. Beim Destilliren desselben in Morgan'schen Tiegeln wird von den angewendeten 1,485 Proc. Zink fast die Hälfte wiedergewonnen. Das Werkblei mit 0,1 Proc. Silber und 0,0004 Proc. Gold gab beim Parkesiren 0,35 Proc. Schlicker für die Bleiarbeit, 2,25 Proc. Reichschaum mit 0,0153 Gold, 4,051 Silber, 53,20 Blei, 2,68 Zinn und 39,70 Zink, ferner 98,95 Proc. zinkisches Armblei mit 0,0007 Silber und 0,75 Zink und endlich 1,5 Proc. Saigerblei mit 0,032 Silber und 1,30 Zink, welches in den Prozeſs zurückgeht. Zur Vermeidung eines |620| hohen Kessel Verbrauches wird das Armblei in einem Flammofen mit 3m langem, 2m breitem und 0m,45 tiefem Herde entzinkt. Man gibt bei der Entsilberung 3 Zinkzusätze zu 100, 75 und 40k; die Zinkentsilberung ohne Entzinkung des Armbleies dauert etwa 20 Stunden und bei der treppenförmigen Anlage erfolgt die Bewegung des Bleies theilweise durch Heber. Es berechnen sich bei Verarbeitung eines Werkbleies mit 0,84 Proc. Silber die Kosten beim Pattinsoniren mit 16 Kesseln auf 100k desselben zu 158,75 Pf., beim Pattinsoniren mit 9 Kesseln und Parkesiren zu 130,17 Pf., beim Verarbeiten eines Werkbleies mit 0,42 Proc. güldisch Silber zu 144,75 bezieh. 113,70 Pf.

Die Kessel- und Ofenanlage ist in Fig. 6 bis 8 Taf. 36 näher skizzirt. Zum Pattinsoniren dient eine Batterie mit 9 guſseisernen Kesseln von 1m,75 oberem Durchmesser, 0m,9 Tiefe und 15000k Einsatz. Für das Parkesiren sind mit getrennter Feuerung aufgestellt: 2 guſseiserne Entsilberungskessel a (vgl. Fig. 7 und 8) von 1m,98 oberem Durchmesser, 1m Tiefe und mit je 20000k Fassungsraum, ferner 3 guſseiserne halbkugelförmige Saigerkessel b von 0m,55 Halbmesser und 1 Raffinirofen c mit 3m langem Chamotteherd zur Entzinkung des Armbleies sowie 1 guſseiserner Stichkessel d zur Aufnahme des entzinkten Armbleies. Der Parkes'sche Apparat schlieſst sich so an den Pattinson'schen an, daſs die beiden Entsilberungskessel und die in gleicher Höhe befindlichen 3 Saigerkessel des ersteren mit ihrem Kesselrande um 2m über dem Rande der Pattinson-Kessel liegen, damit das zinkische Armblei in den mit seiner Herdsohle gleichfalls um 2m unter dem Rande des Entsilberungskessels nachfolgend angebauten Raffinirofen mittels Heber in noch flüssigem Zustande bequem abgehoben werden kann. Am Ende des Raffinirofens befindet sich mit seinem Kesselrande 10cm unter der Ofensohle der Stichkessel für das entzinkte Armblei, aus welchem durch einen mittels Kegelventil verschlieſsbaren Rohrstutzen und ein an diesen anschlieſsendes drehbares Gerinne das Ablassen des Armbleies in guſseiserne Pfannen erfolgt. Das Entleeren des letzten Kessels der Pattinson-Batterie von dem für das Parkesiren bestimmten, 0,1 Proc. Silber enthaltenden Werkblei erfolgt mittels Rösing's Dampfpumpe (vgl. 1886 260 * 30).

Die Destillation des Reichzinkschaumes erfolgt in zwei Windöfen mit 0m,75 weitem und 0m,9 tiefem Schachte mit Deckel f aus Thonplatten, welche mit einem Winkeleisenringe zusammengehalten sind. Der Deckel ruht auf dem beweglichen Kranze e aus Winkeleisen und starkem Eisenblech mit Chamottefutter. Kranz und Deckel können einzeln oder mit einander mittels Flaschenzug abgehoben werden. Der Graphittiegel g hat 55cm Höhe bei 5cm Wandstärke, die Graphithaube h ist 20cm hoch, das Graphitrohr i 50cm lang bei 2cm,5 Wandstärke. Die eiserne Vorlage k ist 50cm hoch mit beweglichem Deckel und ruht auf eiserner Sohlplatte.

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Ueber Auslaugung durch einfaches sulfatisirendes Glühen vgl. Flechner 1882 243 482. – Die Auslaugearbeiten, bei welchen die Erze u. dgl. unter Zusatz von Salzen vorbereitet werden, die Auslaugung selbst aber in reinem |618| Wasser oder angesäuerter Flüssigkeit erfolgt, hat Flechner aus Anlaſs seiner Mittheilungen über das Schladminger Nickelwerk bezieh. über Gewinnung von Kobalt in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1887 * S. 63 ff. ausführlich behandelt.

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