Titel: Zur Untersuchung von Kirschwasser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 10 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi02_10

Zur Untersuchung von Kirschwasser.

Um Kirschwasser auf seine Echtheit zu prüfen, gibt X. Rocques (Bulletin de la Société chimique de Paris, 1887 Bd. 47 S. 203) folgendes Verfahren an: 125cc Kirschwasser werden mit etwas Kalilauge versetzt und hierauf etwa 60 bis 70cc abdestillirt. Der alkalische Rückstand wird gelb, bleibt aber bei natürlichem Kirschwasser klar, während bei den meisten künstlichen sich Flocken ausscheiden; derselbe riecht bei echter Waare ähnlich wie ein Auszug aus Lindenblüthen, bei künstlicher mehr aromatisch und häufig nach Mandeln. Auf Zusatz von Phosphorsäure zu dem Rückstande entsteht bei echtem Kirschwasser eine Trübung, während bei unechtem der entstandene Niederschlag sich löst. Destillirt man nun noch weiter bis auf etwa 20cc Rückstand und leitet das Destillat in 10cc Ammoniak, so kann man in dieser Flüssigkeit die Blausäure bestimmen. Die zuerst übergegangenen 60 bis 70cc Alkohol werden durch Zusatz von Wasser auf ihr ursprüngliches Volumen (von 125cc) gebracht und zeigen sowohl im Gerüche wie auch in ihrem Verhalten gegen Schwefelsäure und übermangansaures Kali verschiedene Eigenschaften, je nachdem das Product echt oder unecht war. Der Alkohol, von echtem Kirschwasser erhalten, hat einen von dem der bitteren Mandeln sehr verschiedenen Geruch, welcher etwas an Quitte erinnert; bei künstlichem hat der Alkohol einen angenehmen, aber vom vorigen sehr verschiedenen Geruch, häufig auch nach bitteren Mandeln. Mit gleichen Theilen Schwefelsäure gekocht, färbt sich der Alkohol im Falle der Echtheit gelb, während die mit reinem Sprit hergestellten Kirschwasser einen Alkohol liefern, der meistens farblos bleibt. Mit einigen Tropfen übermangansaurem Kali zusammengebracht, findet bei echtem Kirschwasser eine schwache, aber merkliche Reduction statt, während dies bei künstlichem nicht eintritt.

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