Titel: Wasserdruck-Drehscheibe auf dem Bahnhofe in Frankfurt a. O.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 3 (S. 93–94)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi02_3

Wasserdruck-Drehscheibe auf dem Bahnhofe in Frankfurt a. O.

Die auf dem Bahnhofe zu Frankfurt a. O. zum Umdrehen der Locomotive sammt Tender erbaute Drehscheibe von etwa 13m Durchmesser wird von der städtischen Wasserleitung betrieben und arbeitet, ungeachtet der in Folge wechselnder Wasserentnahme zwischen 0,5 und 3at schwankenden Wasserspannung, seit mehreren Jahren ohne Anstand. Die Verdrehung erfolgt durch zwei unterirdisch angebrachte Tauchkolben unter Vermittelung einer Kette. Dieselbe ist mit beiden Enden unterhalb der Druckcylinder befestigt und geht über die mit den Tauchkolben verbundenen Rollen zu dem an der Drehscheibe befindlichen groſsen Kettenrad, dessen halben Umfang sie umspannt. Durch einen oberhalb der Cylinder angebrachten Schieber wird je nach Bedarf einem der beiden Cylinder Druckwasser gegeben und hierdurch die Drehung im einen oder anderen Sinne bewirkt; bei Ueberschreitung der Drehungsgrenze – einige Grad über 360° – wird dieser Schieber selbstthätig umgestellt. Im Betriebe erfolgt die Umstellung seitens des Weichenwärters mit dem in einem |94| Gradbogen geführten Hebel, welcher in der Mitte der Scheibe neben dem Geleise angebracht ist. Derselbe ist mit der Scheibe fest verbunden; ein Winkelhebel, der zum Steuerschieber führt und am Fundament des Königstuhles gelagert ist, erhält die Bewegung durch Heben und Senken eines mit der Scheibe sich drehenden Schubringes. Die Achsen der an den Tauchkolben befindlichen Kettenrollen werden durch Laufrollen getragen und von Bügeln umfaſst, welche, mittels einer zweiten Kette verbunden, eine erhöhte Sicherheit für den regelmäſsigen Gang des Triebwerkes bieten.

Die Cylinder haben 555mm Durchmesser, 2550mm Hub und bewirken eine Umdrehung der beladenen Drehscheibe um 360° bei 3at Wasserdruck in 1½ Minuten, während bei 0at,6 die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht ist und die Verdrehung nur langsam vor sich geht. Da hier die Zugkraft in der Kette 1450k beträgt, so ergibt sich nach Abzug der Kolbenreibung mit etwa 60k und einem angenommenen Nutzeffect von 80 Proc. die wirklich am Radumfange erforderliche Kraft mit etwa 1100k und im Tragrollenkranze nach dem Verhältnisse der Durchmesser von 1880mm und 12440mm etwa 170k. (Vgl. auch 1887 268 * 309.)

M.

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