Titel: Die Wasserräder von Hamath.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 1 (S. 138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi03_1

Die Wasserräder von Hamath.

Durch die Ebene von Hamath in Syrien flieſst der Fluſs Nähr el Aasy, der alte Orontes, von den Wassern des Libanon gespeist; er ist die Hauptwasserquelle der groſsen Ebene. Hunderte von Schöpfrädern, theils von dem Strome selbst, theils durch Zugthiere in Bewegung gesetzt, sind an seinen Ufern aufgestellt und heben die Wasser in die Leitungen, von deren Wirksamkeit die landwirthschaftliche Blüthe der Gegend abhängt.

Die Stadt Hamath, das alte Eprphania, liegt 195km nördlich von Damaskus an beiden Seiten des Orontes. Dieselbe wird durch 6 auſsergewöhnlich groſse Schöpfräder, welche der Fluſs treibt, mit Wasser versehen; dieselben heben das Wasser in hochgelegene Leitungen. Jedes Rad nebst Leitung ist Eigenthum einer besonderen Gesellschaft. Die Räder sind unterschlächtig; der Fluſs ist theilweise aufgestaut, um das erforderliche Gefälle zu erlangen; zwischen dem Ufer und einem Mauerpfeiler zur Lagerung des Rades entsteht der nöthige Kanal und über diesem thürmt sich das mächtige, fast 25m hohe Wasserrad auf. Diese Wasserräder sind ganz von Holz gebaut und, wie zu erwarten, von sehr unvollkommener Construction und von geringem Nutzeffect. Ein groſser Theil der durch sie gewonnenen Einnahmen – die Bevölkerung von Hamath ist bezüglich ihrer Wasserversorgung ganz von diesen Rädern abhängig – geht für Instandhaltung wieder auf. An der Landseite tragen diese Räder eine Anzahl von Eimern, durch welche das Wasser gehoben und in der Nähe des Radscheitels in eine Leitung ausgegossen wird, die dasselbe in die Stadt führt. Doch ist diese Wasserversorgung eine durchaus ungenügende, sowohl was die Wassermenge, als auch was den Druck anbelangt.

Der Scientific American, 1887 Bd. 56 * S. 63 bemerkt zu dieser Mittheilung, daſs sich in Syrien, welches für ungemessene Wassermengen in seiner Landwirthschaft Verwendung hat, ein gutes Feld für Wasseringenieure eröffne, um daselbst, sei es mit Benutzung der Wasserkraft des Orontes durch gute Turbinen oder Wasserräder, sei es mit Dampfpumpen oder hydraulischen Widdern eine zweckentsprechende Wasserversorgung einzurichten. Daſs hierfür ein Bedürfniſs besteht, geht aus der Thatsache am besten hervor, daſs die Bürger von Hamath selbst – trotz der sprichwörtlichen orientalischen Gleichgültigkeit – über den Mangel an Wasser klagen.

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