Titel: Darstellung geschwefelter Kohlenwasserstoffe aus ungesättigten Kohlenwasserstoffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 11 (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi03_11
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Darstellung geschwefelter Kohlenwasserstoffe aus ungesättigten Kohlenwasserstoffen.

E. Jacobsen in Berlin (D. R. P. Kl. 12 Nr. 38416 vom 9. Januar 1886) hat beobachtet, daſs sich Mineralöle und Paraffine beim Erhitzen mit Schwefel sehr verschieden verhalten, je nachdem sie ungesättigte Kohlenwasserstoffe enthalten oder nicht, insofern der Schwefel auf ungesättigte Kohlenwasserstoffe unter Abspaltung von Schwefelwasserstoff einwirkt, während er gesättigte selbst bei Siedetemperatur unverändert läſst.

Um diese geschwefelten Kohlenwasserstoffe, Thiole genannt, darzustellen, läſst E. Jacobsen Schwefelblumen (10g) auf z.B. Gasöl (100g) von 0,87 sp. G., welches auf 215° erhitzt ist, derart einwirken, daſs die Schwefelblumen nach und nach eingetragen werden, wenn jeweils die Schwefelwasserstoffentwickelung beendigt ist. Die Menge des Schwefels richtet sich danach, ob man mehr oder minder geschwefelte Thiole erhalten will. Das Einwirkungsproduct behandelt man mit Alkohol, wobei die unverändert gebliebenen Grenzkohlenwasserstoffe sowie überschüssiger Schwefel ungelöst bleiben, während die Thiole in die alkoholische Lösung gehen und nach dem Abdestilliren des Alkohols zurückbleiben.

Die Thiole sind je nach dem angewendeten Ausgangsproducte (Solaröle, Paraffine) flüssige oder feste, meist gelblich gefärbte Körper, leicht löslich in Alkohol, Aether, Benzol, Ligroin u.s.w., unlöslich in Wasser; sie enthalten chemisch gebundenen Schwefel, der äuſserst schwer und z.B. nur durch Erhitzen mit rauchender Salpetersäure unter Zerstörung der Substanz ausgeschieden werden kann. Beim Destilliren tritt unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff theilweise Dissociation ein. Mit concentrirter Schwefelsäure oder Chlorsulfonsäure in der Kälte gemischt, entstehen wasserlösliche Sulfosäuren, im ersteren Falle unter Abscheidung von schwefliger Säure. Diese Sulfosäuren können aus dem rohen Schwefeleinwirkungsproduct auch unmittelbar dargestellt werden, ohne daſs eine Isolirung der Thiole nöthig ist.

Den Thiolen, ihren Sulfosäuren und deren Salzen, sowie den Halogensubstituten der Thiolsulfosäuren kommen nach Jacobsen antiseptische Eigenschaften zu; sie sollen als Heilmittel Verwendung finden.

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