Titel: Ueber Gewinnung der Saturationskohlensäure in Zuckerfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 11 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi04_11

Ueber Gewinnung der Saturationskohlensäure in Zuckerfabriken.

Fast die Hälfte der russischen Zuckerfabriken ist darauf angewiesen, die zur Saturation der Säfte erforderliche Kohlensäure den Feuerungsgasen zu entnehmen, da der Kalk billiger in gebranntem Zustande bezogen wird. Die Feuergase enthalten aber nur 8 bis 12 Proc. Kohlensäure, was für die jetzt gebräuchlichen groſsen Kalkmengen ungenügend ist. Seit etwa 5 Jahren hat nun Jelinek gelehrt, ein viel reicheres Gas durch Verminderung des Luftzutrittes zu erzielen, welcher beim Oeffnen der Feuerthüren in zu hohem Verhältnisse stattfindet. Es soll das Saturationsgas zu diesem Zwecke nur von einem Kessel entnommen werden, der mit dem gemeinsamen Rauchkanale nicht verbunden ist, bei welchem also das Oeffnen der Thür nur selten stören wird. Ferner soll das Saugrohr der Kohlensäurepumpe vor dem Rauchschieber münden und endlich dieser so weit wie möglich geschlossen gehalten werden. Ist die Pumpe kräftig genug, um die Gase abzusaugen, so reicht ein Schlitz von 10 bis 12cm Höhe vollkommen zur Verbrennung aus. Werden alle diese Bedingungen erfüllt, so erreicht das Gas einen Gehalt von 15 bis 16 Proc., unter günstigen Umständen sogar einen solchen von 18 Proc. Kohlensäure. Man bestimmt gewöhnlich nach J. Weisberg in Gembloux (vgl. Sucrerie belge, 1887 Bd. 16 S. 190) zwei Dampfkessel zur Benutzung auf Kohlensäure, welche passend so verbunden werden, daſs immer der Rauchkanal eines derselben zur Pumpe führt und keine Störung im Betriebe vorkommt. Ein Kessel von 70 bis 80e liefert hinreichend Gas für eine tägliche Verarbeitung von 160000 bis 170000k Rüben bei 4 Proc. Kalk. Die Pumpe hat dann 700 bis 720mm Durchmesser und 500mm Hub. Gröſsere Fabriken richten zwei Paar Kessel hierfür ein.

P. Ehrhardt (Vertreter von Jul. Blancke in Merseburg) beschreibt in der Deutschen Zuckerindustrie, 1887 Nr. 3 I. Beilage * S. 78 zwei ununterbrochen arbeitende Kalköfen für die Gewinnung der Saturationskohlensäure (und zum Brennen des Kalkes). Der eine ist ein Hochofen, wie derselbe in französischen Fabriken gebräuchlich, in deutschen aber nur erst in wenigen Fabriken eingeführt wurde. Es ist keine besondere Feuerung vorhanden, sondern Steine und Brennstoff werden gemeinschaftlich durch die Gicht eingegeben. Die Ausnutzung der Wärme (durch Vorwärmen der oberen Schichten) ist eine sehr gute, die abgesaugten Gase sind von nicht zu hoher Temperatur und mithin der Verbrauch an Brennstoff ein geringer. In Trotha (bei Halle) werden, während sonst westfälische Kokes bei den Kalköfen erforderlich sind, gewöhnliche Gaskokes gebraucht und zwar in einem Gewichtsverhältnisse von 7 Kalkstein auf 1 Kokes, d.h. also 14 Proc. Brennstoff. Die abgezogene Kohlensäure zeigt selten unter 30 Proc. Es scheint dennoch, als ob der zu befürchtende Uebelstand, daſs die unten gebildete glühende Kohlensäure im oberen Theile des Ofens durch die dort vorhandenen Kohlen eine Reduction zu Kohlenoxyd erfahren, wenigstens nicht in störender Weise auftritt. Der Betrieb eines solchen Ofens ohne besondere Feuerung ist jedenfalls einfacher und auch wohl sicherer als derjenige der gebräuchlichen mit 2 und mehr eigenen Feuerschächten.

Ehrhardt beschreibt noch einen sogen. Etagenofen von C. Dietzsch in Saarbrücken (vgl. * D. R. P. Kl. 80 Nr. 23919, 26699, 27742, 27891, 28430 und 38384), in welchem die Räume für Vorwärmung, Garbrennen und Abkühlen getrennt angeordnet sind, um möglichst gut ausgenutzt werden zu können. Dieser Ofen |192| dürfte aber nach den in Zuckerfabriken allgemein gemachten Erfahrungen nur schwierig im Gange, im „Rutschen“, zu erhalten sein, da der Kalk (wenigstens bei der Ofenconstruction D. R. P. Nr. 28430) zweimal durch ein knieförmiges und einmal durch ein wagerechtes Kanalstück sich fortbewegen soll und für Zuckerfabriken jeder Aufenthalt im Gange des Kalkofens schr störend und empfindlich ist, daher immer thunlichst vermieden werden muſs.

St.

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