Titel: Die Fabrikationskosten der I-Träger in Belgien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 3 (S. 187–188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi04_3
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Die Fabrikationskosten der I-Träger in Belgien.

J. Wolters bespricht in einem längeren Aufsatze in der Revue universelle des Mines, 1886 Bd. 19 S. 332 und 475 die Fabrikationskosten von I-Trägern in Belgien. Wenn, wie Stahl und Eisen, 1887 S. 289 bemerkt, der Verfasser seinen Berechnungen nicht eine Reihe von Voraussetzungen zu Grande legte, welche auf mehr oder minder beliebigen Annahmen begründet sind, so würde die Arbeit von unbestreitbar hohem Werthe sein; immerhin verdient sie aber auch, so wie sie jetzt vorliegt, die Beachtung der deutschen Eisenhüttenleute, da die belgischen Eisenwerke bekanntermaſsen in der Erzeugung von I-Trägern und ähnlichen Handelseisen sehr fortgeschritten und letztere auf allen ausländischen Märkten anzutreffen sind. Den Engländern bereiten sie in ihrem eigenen Lande einen sehr fühlbaren Wettbewerb. Die gesammte Erzeugung an I-Trägern belief sich in letzter Zeit jährlich auf etwa 20000t.

Die groſsen Abnehmer von belgischem I-Eisen sind im Ganzen nicht sehr wählerisch hinsichtlich der Güte des Materials; sie begnügen sich mit einer Bruchfestigkeit von 31k/qmm, ohne in Bezug auf Dehnung und Zusammenziehung Bedingungen zu stellen. Verfasser ist daher der Ansicht, daſs zur Herstellung ein unter Verwendung von Puddelschlacke erblasenes Roheisen geringerer Güte genügt. Bei ausschlieſslicher Verwendung von Luxemburger Minette kann der Schlackenzusatz 25 bis 30 Procent der Beschickung erreichen. Ohne Zusatz von Puddelschlacke enthält das Luxemburger Puddelroheisen 0,63 Schwefel, 1,76 Phosphor und 0,49 Silicium. Bei Zusatz von 15 Proc. Puddelschlacke ändert sich die Zusammensetzung in 0,53 Schwefel, 2,49 Phosphor und 0,94 Silicium. Die Herstellungskosten einer Tonne von solchem Puddelroheisen berechnet Wolters auf 28,98 M.

Aus einer vom Verfasser gegebenen Darstellung, wie die das Eisen verunreinigenden Bestandtheile sich während der verschiedenen Verwandlungsprozesse verhalten, entstammt folgende Uebersicht:

Roheisen Luppenstab Fertigfabrikat
Nr. 1 Silicium 0,21 0,20 0,17
Schwefel 0,82 0,58 0,07
Phosphor 1,79 0,97 0,78
Nr. 2 Silicium 0,08 Spur
Schwefel 0,53 0,10 0,07
Phosphor 2,40 1,10 0,36
Nr. 3 Silicium 0,35 0,14
Schwefel 0,53 0,04 0,02
Phosphor 2,04 0,34 0,31.

Was die Herstellungskosten der Luppenstäbe anbelangt, so berechnet Wolters dieselben unter der Annahme, daſs zur Erzeugung von 1000k Luppenstäben 1149k Roheisen nothwendig sind und daſs wir es mit einem Werke zu thun haben, welches zwei Hochöfen von 200t täglicher Erzeugung und ein Puddel- und Walzwerk mit 26 Puddelöfen und einer Leistungsfähigkeit von monatlich 2400t besitzt, insgesammt auf 51,82 M. Als Kosten für die Tonne fertig gewalzten Formeisens erhält Verfasser schlieſslich 72,75 M.

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