Titel: Einfluſs der Durchgangsgeschwindigkeit des Leuchtgases durch die Reinigungsmasse auf die Reinigung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 9 (S. 247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi05_9

Einfluſs der Durchgangsgeschwindigkeit des Leuchtgases durch die Reinigungsmasse auf die Reinigung.

Die Beobachtung, daſs ein Reiniger im Sommerbetriebe länger vorhält als im Winterbetriebe, überhaupt daſs eine bestimmte Reinigungsmasse bei schwachem Betriebe weit mehr Gas zu reinigen im Stande ist als bei scharfem Gange, veranlagte Kunath, den

Einfluſs der Durchgangsgeschwindigkeit in dieser Richtung näher zu prüfen und seine Erfahrung im Journal für Gasbeleuchtung, 1886 S. 979 dahin auszusprechen, daſs bei neuer (Lux'scher) Masse der Schwefelwasserstoff noch völlig zurückgehalten wird, wenn das Leuchtgas eine Geschwindigkeit von 16mm in der Secunde beim Durchgänge durch die Reiniger nicht überschreitet. Bei gebrauchter aufgefrischter Masse wurde als Grenzwerth eine Geschwindigkeit von 5mm ermittelt.

Es ergäbe sich also daraus die Schluſsfolgerung für den Constructeur, die Reinigerkästen eines Systemes mit gleichem Querschnitt mit mindestens 0qm,23 für 100cbm höchste Tageserzeugung anzulegen; für den Betriebsführer aber, welcher mit vorhandenen Kästen arbeiten muſs, erwächst die Aufgabe, zunächst zu prüfen, wie weit seine Kästen diesen Anforderungen an die Mindestgeschwindigkeit entsprechen und, falls die Zahl und die Anordnung der Kästen dies gestatten, durch Parallel schalten je zweier oder mehrerer Kästen die Durchgangsgeschwindigkeit auf das nöthige Maſs herabzudrücken, wenn der Querschnitt eines Reinigers sich als zu klein erweisen sollte. Dabei ist jedoch immer zu beachten, daſs weder die Anzahl der hinter einander in Arbeit tretenden Kästen, noch die Dicke der Masseschichten, sondern immer nur der Querschnitt und zwar, wenn die Reiniger verschiedene Gröſse haben, derjenige des kleinsten Reinigers in Betracht kommt.

Im Anschlusse hieran sei noch auf einen in der Stettiner Gasanstalt angewendeten Kunstgriff bei der Füllung der Reiniger aufmerksam gemacht, darin bestehend, daſs die Masse an den Rändern angeböscht wird, um den Durchgang des Gases zwischen Wandung und Masse möglichst zu erschweren.

Bezüglich der Dauer der Reinigungsmasse ist noch bemerkt, daſs z.B. Lux-Masse im Versuchsapparate, mit 3 Th. Sägespäne gemischt, 37 mal regenerirt werden konnte und immer noch reinigte, wenn die Durchgangsgeschwindigkeit des Gases innerhalb 5mm gehalten wurde.

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