Titel: Ergebnisse von Untersuchungen mit schmiedbarem Eisengusse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 3 (S. 349–350)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi07_3

Ergebnisse von Untersuchungen mit schmiedbarem Eisengusse.

A. Martens veröffentlicht in den Mittheilungen aus den kgl. technischen Versuchsanstalten zu Berlin, 1886 * S. 131 die Ergebnisse von Untersuchungen mit schmiedbarem Eisengusse. Die Versuchsanstalt war von der Firma Michaelis und Casparius, Wiener Weicheisen- und Stahlgießerei zu Berlin beauftragt worden, die Festigkeitseigenschaften ihres Materials festzustellen, sowie einen Theil ihrer Handelswaare einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Durch diese Untersuchung sollte sowohl der Auftrag gebenden Firma Gelegenheit gegeben werden, die Abhängigkeit der Eigenschaften ihres Erzeugnisses von den Fabrikationsgrundlagen kennen zu lernen, als auch den Kunden des Geschäftshauses die Möglichkeit gewährleistet werden, sich von den thatsächlichen Eigenschaften des Materials zuverlässig überzeugen sowie durch etwaige Nachprüfung die jedesmalige Lieferung gleich guter Waare feststellen zu können. Aus letzterem Grunde wurden für die Untersuchung der fertigen Waare solche Prüfungen angewendet, welche an jeder Stelle und mit den einfachsten Mitteln leicht wiederholt werden können und zugleich möglichst diejenigen Eigenschaften klar zu legen gestatten, welche das betreffende Stück bei seinem wirklichen Gebrauche entwickeln soll.

Die Prüfung auf Zugfestigkeit geschah mit roh gegossenen und getemperten Flachstäben von nahezu 40mm × 6mm Querschnitt und 300mm Gebrauchslänge in der Werder'schen Zerreiſsmaschine. Es ergab sich hierbei als mittlere Bruchfestigkeit 25,8k/qmm bei einer Querschnittsverminderung von 8,2 Proc. und einer Längendehnung für 200mm von 2,5 Proc. Den mittleren Elasticitätsmodul wird man zu etwa 18000 annehmen können, wobei die allerdings nicht sicher bestimmbare Proportionalitätsgrenze bei etwa 7k/qmm liegt. Bei der verhältniſsmaſsig hohen Lage der Streckgrenze des Materials (im Mittel 19,5k/qmm) dürfte man die zulässige Zugbeanspruchung zu 5 bis 6k/qmm annehmen können, wobei zunächst freilich die Anwendung dünner Querschnitte und gute Temperung vorausgesetzt werden muſs, weil nur für diese Umstände die obigen Zahlen ermittelt worden sind. (Die Marke 3 ergab als mittlere Bruchfestigkeit bezieh. Streckgrenze 38,6k/qmm und 30,7k/qmm.)

Die Versuche mit geschweißten Stäben ergaben, daſs die Schweiſsung durchweg recht gut gelingt und daſs die Schweiſsstellen sich zumeist auch als recht haltbar erweisen; keine der Proben ist an der Schweiſsstelle gerissen. Alle Stäbe haben eine höhere Streck- und Bruchbelastung ergeben als die ungeschweiſsten Stäbe, während die Längendehnungen nach dem Schweiſsen geringer sind. Welchen Einfluſs hierbei die mechanische Bearbeitung, die Wirkung des Feuers oder die Art der Abkühlung auf das Material haben, wäre durch weitere Versuche festzustellen.

Die untersuchten Gebrauchsstücke waren verschiedene Gewehrtheile, Sporen, Hammerstiele, Spatel, Scherengriffe u.s.w. in derjenigen Form, wie sie gewöhnlich |350| zur Verwendung kommen. Die Art und Weise der Prüflingen, bei deren Anordnung man im Auge hatte, möglichst diejenigen Eigenschaften klar zu legen, welche das betreffende Stück bei seinem wirklichen Gebrauche entwickeln soll, war eine sehr einfache und ist a. a. O. an Hand von Abbildungen so dargestellt, daſs eine Wiederholung derselben jederzeit leicht vorgenommen werden kann. Mit den Ergebnissen der Untersuchungen kann die Firma sehr zufrieden sein.

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