Titel: Philps und Forrester's Nothsteuer und Rettungsfloſs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 3 (S. 629)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi12_3

Philps und Forrester's Nothsteuer und Rettungsfloſs.

Bekanntlich zählt der Verlust oder Bruch des Steuers zu den am häufigsten vorkommenden Schiffsunfällen (vgl. W. George 1886 260 428). Bei eisernen Schiffen ist dann eine Instandsetzung des Steuers selbst in der Regel nicht möglich und kann die Fahrrichtung nur dadurch einigermaſsen eingehalten werden, daſs man ein anderes Fahrzeug, oder ein Floſs u. dgl. nachschleppt. Die gewöhnlichen Schiffsboote sind hierzu meistens zu leicht, oder müſsten wenigstens so stark beladen werden, daſs die Gefahr des Sinkens sehr groſs wäre; ein Floſs zusammen zu bauen, mangelt es aber häufig an Material und jedenfalls geht viel Zeit verloren, während welcher das Schiff steuerlos treibt. Nach Industries, 1886 Bd. 1 S. 689 schlagen daher Philps und Forrester in Liverpool vor, eine besondere groſse Boye von passender Gestalt zu diesem Zwecke an Bord mitzuführen, welche dann bei einer Beschädigung des Steuers als Nothsteuer nachgeschleppt werden könnte, sonst aber als Oel- oder Trinkwasserbehälter verwendet wird und so nicht ganz nutzlos Raum fortnimmt. Im Falle der Noth soll diese Boye zugleich als Rettungsfloſs dienen.

Textabbildung Bd. 264, S. 629

Die Form derselben ist ein Prisma, welches ein Bogenzweieck von ungefähr zwei Viertelkreisen als Querschnitt und etwa ⅔ des gröſseren Durchmessers des letzteren zur Höhe hat. Als Nothsteuer wird diese Boye mit genügendem Wasserballast bei senkrechter Stellung der Achse an zwei Tauen nachgeschleppt, welche über je einen an Backbord und Steuerbord befestigten Block nach der Steuerwinde oder sonstwie derart geführt sind, daſs dieselben abwechselnd eingeholt und nachgelassen werden können, wodurch natürlich ein Steuern des Schiffes ermöglicht wird, wenn nur die Seitenfläche der Boye genügend groſs ist. Vor einiger Zeit wurden auf dem Mersey-Flusse Versuche angestellt, einen Schraubendampfer „Flying Breeze“ durch eine solche Boye von 1m,52 Länge und 1m,06 Tauchung zu steuern. Obgleich die wirksame Seitenfläche nur ⅔ der Ruderfläche des Dampfers war, soll letzterer sich doch mittels der Boye in völlig befriedigender Weise haben lenken lassen. Ist die Boye leer oder wenig gefüllt, so schwimmt dieselbe flach und kann dann mit einem ebenen Holzboden und seitlichen Handseilen zum Anfassen nach vorstehender Figur versehen als ein unsinkbares Rettungsfloſs dienen.

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