Titel: Ueber das Kaltsägen von Metallen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 264/Miszelle 4 (S. 629–630)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj264/mi264mi12_4

Ueber das Kaltsägen von Metallen.

P. Regnard in Paris empfiehlt im Bulletin d'Encouragement, 1886 S. 401 das Sägen der Metalle im kalten Zustande mittels Wippsägen mit fester Spannung, an Stelle der sonst dazu benutzten Kreis- oder Bandsägen (vgl. 1883 249 278. 1884 254 * 286), als ein geeignetes Arbeitsverfahren und es wird hierbei auf die guten Erfolge hingewiesen, welche in der Werkstätte der Gebrüder Regnard in Paris, Rue Bayen, erzielt worden sind.

Die von Regnard benutzte Maschine besteht aus einem schweren guſseisernen Tische, an welchem ein ⊃-Gestell in der Weise angeschraubt ist, daſs die wagerechte Tischplatte zwischen den freien Armen dieses Gestelles liegt. An den freien Armenenden geben Rothguſsbacken dem Sägeblatte die nöthige Führung. Das Sägeblatt selbst ist zwischen den Enden zweier parallel liegenden, doppelarmigen Hebel verstellbar eingespannt und bildet mit der gegenüber liegenden Verbindungsstange derselben ein rhombisches Parallelogramm. Diese Hebelverbindung erhält die schwingende Bewegung um die Hebelzapfen durch eine Schubstange von einer liegenden Kurbelwelle durch Vermittelung eines Paares zwischengelegter Reibungskegel von einer Stufenscheibe aus.

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Hierdurch wird dem Sägeblatte nicht nur eine der Härte des bearbeiteten Metalles entsprechende Schnittgeschwindigkeit ertheilt, sondern es wird der sofortige Stillstand derselben durch die eingeschaltete Reibungskuppelung ermöglicht und die Sicherheit der Abstellung des Antriebes noch durch eine Backenbremse vervollständigt. Diese Ausrückbewegungen werden durch Fuſshebelbetrieb erreicht, wodurch dem Arbeiter für die Führung des Werkstückes beide Hände frei bleiben. Selbstverständlich schwingt das Sägeblatt durch ein Loch der Tischplatte.

Die Hauptvoraussetzung für dieses Arbeitsverfahren ist die Gleichmäſsigkeit der zu schneidenden Metalle; der Härtegrad hat weniger Einfluſs auf die Arbeit wie die Reinheit. Eingesprengte Körner, Schlacken o. dgl. gefährden die Schärfe jedes Werkzeuges und jene der Sägezähne ganz besonders. Deshalb wird Schweiſseisen kaum mittels Sägen erfolgreich zu bearbeiten sein, während Kupfer, Zink, Fluſseisen und Stahl im kalten Zustande auf der Metallsäge behandelt werden können.

Die Metallsägen sind in ihrer Wirkungsweise mit den üblichen Sägen für Holzbearbeitung vergleichbar. Während mit den Kreissägen nur ebene Schnittflächen möglich sind, können mit der Bandsäge ebenso gut vielgestaltige äuſsere Randflächen bearbeitet werden, indeſs mit der Wippsäge auſserdem noch geschlossene Lochränder in Metallplatten hergestellt werden können. Doch ist zu beachten, daſs die beiden ersten Sägeeinrichtungen ununterbrochen wirken, während die Wippsäge absetzend arbeitet und die Sägeblattkante nicht in einer unveränderlichen Geraden sich bewegt, was bei der Metallbearbeitung eine gröſsere Vorsicht und Geschicklichkeit des Arbeiters voraussetzt wie bei der verwandten Laubsäge.

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