Titel: Entwässerungsanlagen in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266 (S. 79–81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/ar266022

Entwässerungsanlagen in England.

The Engineer, 5. August 1887 S. 103 gibt einige Daten über gröſsere, mit Dampf kraft betriebene Entwässerungsanlagen in England. Auf dem Werke zu Lade Bank in Lincolnshire bestehen die Hebungsapparate in zwei groſsen Centrifugalpumpen, welche allerdings in ihrer Leistungsfähigkeit noch nicht an die ungeheuren Apparate von Khatathbeh (vgl. |80| 1887 265 * 337) heranreichen, immerhin aber schon sehr beträchtliche Dimensionen haben. Jede dieser Pumpen ist im Stande, in der Minute 350t Wasser (355cbm,6) 1m,524 hoch zu heben, was einer Leistung von ungefähr 120 Pferdestärken entspricht. Jede Pumpe wird von einer gekuppelten Dampfmaschine getrieben, deren Cylinder 762mm Bohrung und 762mm Hub besitzen; die Schwungrad welle ist auf zwei A-förmigen Ständern gelagert, an deren Auſsenseite die Cylinder angebracht sind. Durch ein groſses, kegelförmig verzahntes Schwungrad wird die Centrifugalpumpe getrieben, welche zwischen den beiden Ständern liegt, und leicht aus dem Schachte herausgezogen werden kann. Das Pumpengehäuse bildet einen guſseisernen Cylinder von 3m,66 Durchmesser und 2m,89 Höhe, welcher an der Ausguſsseite seiner ganzen Höhe nach offen und daselbst mit selbstschlieſsenden Schleuſsenthoren von 3m,66 Weite versehen ist. Die Pumpen sind doppeltwirkende Appold'sche Centrifugalpumpen, in horizontaler Stellung angeordnet, und haben bei 2m,133 Durchmesser 725mm Höhe. Die untere trichterförmige Einlaſsöffnung steht für gewöhnlich 1m,37 unter dem Spiegel des Unterwassers; die obere Saugleitung ist gekrümmt und taucht etwa 900mm in das Wasser ein. In den Oberwasserkanal ist noch eine Schleuſse von 21m,33 Länge und 3m,66 Breite eingebaut, um die den Kanal befahrenden Kähne zu heben. Der nothwendige Dampf für die Anlage wird durch 6 Lancashire-Kessel von je 7m,14 Länge und 1m,980 Durchmesser geliefert; die Dampfspannung ist 3at,5. Die ganze Anlage wurde unter Leitung von Sir John Hawkshaw von der Firma Easton, Arnos and Anderson geliefert, und kostete 17000 Pfd. St. oder, bei einer mittleren Leistung von 215e, 80,37 Pfd. St. per Pferdestärke Nutzleistung (in gehobenem Wasser berechnet). Der Kohlen verbrauch stellte sich im längeren Durchschnitt auf 5k,2 für die Nutzpferdestärke.

Auf der sogen. „Hundert-Fuſs-Station“ (Hundred Foot Station) bei Hilgay dient als Hebemaschine ein Schaufelrad von sehr bedeutenden Dimensionen. Anfänglich hatte dasselbe nur 11m,27 Durchmesser; später wurde dasselbe auf 12m,7 erhöht, während die Radbreite 873mm betrug. Das gegenwärtige Rad hat 15m,24 Durchmesser; es besitzt 60 Schaufeln und wird durch einen innen verzahnten Kranz von 10m,97 Durchmesser angetrieben. Die Schaufelbreite ist 1m,016 und die radiale Schaufellänge 1m,98. Die Schaufeln weichen von der radialen Richtung um 42° ab, indem sie an einen Kreis von 7m,62 Durchmesser berührend gelegt sind. Die mittlere Tauchung der Schaufeln beträgt 990mm, die gröſste 1m,676; die mittlere Hubhöhe ist 4m,2, die gröſste 5m,18. Dieses Rad ist mit groſser Genauigkeit gelagert; der Spielraum der Schaufeln im Kröpfe beträgt an der Ausgangsseite nur etwa 13mm. An der Eintrittsseite entfernen sich die Mauern seitwärts vom Rade, um dem Wasser allseitig freien Zugang zu erlauben. Bei voller Arbeit hebt das Rad 197t Wasser in der Minute. An der Einmündung des Abfluſskanales |81| ist ein beweglicher, das Rad concentrisch umspannender Schützen angebracht, über dessen gekrümmtes Obertheil das Wasser in den Kanal eintritt. Dieser Schützen kann nach Belieben bis zu 2m,4 über das Mauerwerk des Kanales gehoben werden, und soll in der Regel so stehen, daſs sich seine Oberkante um die halbe Tauchung der Radschaufeln unter dem Niveau des Oberwassers befindet. Dieser Schützen trägt sehr wesentlich zur guten Wirkung des Rades bei. Bei Versuchen, die früher angestellt wurden, und wobei in entsprechender Entfernung vom Rade der Auslaſskanal zeitweilig abgedämmt worden war, zeigte sich, daſs bei ganz gesenktem Schützen die Maschine das Wasser nicht über den Damm zu heben vermochte, sondern zum Stillstehen kam- als der Schützen 1m,22 gehoben war, machte die Maschine 10 Umdrehungen, bei 1m,52 Hebung 11 Umgänge in der Minute, und es steigerte sich diese Geschwindigkeit bei 2m,44 Hebung des Schützens bis auf nahezu 14 Umdrehungen. Dabei strömte über den Damm ein Wasserstrahl von 2m,285 Breite und 508mm Dicke.

Betrieben wird dieses Heberad durch eine Balanciermaschine mit Kondensation, deren Cylinder 1m,066 Bohrung und 2m,438 Hub besitzt; die Dampfspannung betrug früher nur 0at,35, wurde aber bei dem letzten Umbaue auf 1at,46 erhöht. Dabei wurde (1881) die Maschine durch Watt und Co. ausgebessert und den neuen Verhältnissen angepaſst, und mit neuem Vertheilungsschieber nebst Expansionsventil versehen, welch letzteres Füllungen von 1/10 bis ½ des Hubes zu geben vermag. Zur Dampferzeugung dienen drei Lancashire-Kessel von 6m,37 Länge und 2m,133 Durchmesser. Im Verhältniſs zu ihrer Leistung ist die ganze Maschinerie ungemein schwer; das Hubrad allein wiegt 75t, der guſseiserne Balancier von 1m,117 Höhe 15t; das Schwungrad hat 7m,62 Durchmesser und wiegt 30t.

Nach dem Umbau zeigte die Maschine gegen die früheren Verhältnisse eine Mehrleistung von 31 Proc. bei einem Minderverbrauch von 35 Proc. an Kohlen.

Ausführliche Versuche führten zu nachstehenden Resultaten:

Mittlere Umdrehungszahl der Maschine 18,66
des Rades 2,75
Mittlere Hubhöhe des Rades 4,511mm
Gehobenes Wasser per Minute 178,079cbm
Indicirte Pferdestärke 224,05
Nutzleistung in gehobenem Wasser 176,158
Wirkungsgrad der Anlage 0,7862
Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: