Titel: Fortschritte in der Verwendung des Aluminiums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266 (S. 263–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/ar266070

Fortschritte in der Verwendung des Aluminiums.

In jüngster Zeit hat die Fabrikation des Aluminiums von Seite deutscher Fabrikanten so bedeutende Verbesserungen erfahren, daſs ein groſser Preisrückgang desselben stattfinden konnte, wodurch seine Verwendung voraussichtlich zunehmen wird. Hauptsächlich wird sich die Schmuckwaarenfabrikation dieses Metalles bemächtigen, da dessen Leichtigkeit, z.B. für Armbänder, Kopfschmuck u.s.w., höchst schätzbar ist und weil es vermöge seiner Guſsfähigkeit, Tauglichkeit beim Ciselieren, seines unveränderlichen Glanzes, seines schönen Matt, selbst seiner Farbe, welche jene des Goldes hebt, einen vortrefflichen Ersatz des Silbers gewährt. Gute Verwendung wird das Aluminium finden als Verzierung auf Goldwaaren, in der Uhrmacherei, der Fabrikation optischer, physikalischer und chemischer Instrumente; am meisten wird aber das Kunstgewerbe aus der Verwendung des Aluminiums Vortheil ziehen können. Beachtung verdienen auch die Aluminiumbronzen, welche vorzugsweise |264| in drei Sorten in den Handel kommen, und zwar Nr. 1 aus 10 Th. Aluminium und 90 Th. Kupfer, von goldgelbem Aussehen; Nr. II aus 5 Th. Aluminium und 95 Th. Kupfer, in der Farbe dem 14karätigen Golde ähnlich; Nr. III, ein Gemisch von 2,5 Th. Aluminium mit Kupfer und Silicium, dem Rothkupfer ähnlich gefärbt. Diese Bronzen sind leicht schmelzbar und widerstehen atmosphärischen Einflüssen, sind politurfähig, lassen sich beliebig auswalzen und können deshalb allenthalben als Ersatz für andere Bronzen dienen. Aluminiumbronze Nr. III soll anstatt der Siliciumbronze zur Verwendung für Telegraphendrähte geeignet sein.

Wohl mancher Industrielle mag die Anwendung des Aluminiums schon in Betracht gezogen haben, ist aber theils durch die ungewohnte Bearbeitung, theils durch unangenehme Erfahrungen beim Gieſsen davon abgestanden, denn es dürfte nicht sehr bekannt sein, daſs das flüssige Aluminium die irdenen Schmelzgefäſse angreift, daraus Silicium reducirt, wodurch es selbst grau und brüchig wird. Man muſs daher zum Schmelzen von Aluminium Kalktiegel nehmen oder den irdenen Tiegeln ein Futter von Kohle oder von gut geglühter Kryolith-Thonerde geben.

Wir möchten noch einiges über das Löthen sagen.

Eine Legirung von 5 Th. Zink, 2 Th. Zinn und 1 Th. Blei wird zu feinem Blech ausgewalzt. Die zu löthenden Stellen des Aluminiums müssen ganz blank geschabt oder gekratzt und dann mit Paraffin bestrichen werden. Hierauf legt man ein Stück der Legirung auf jede der beiden Flächen und erhitzt dieselben. Das Paraffin schmilzt zuerst; bei gesteigerter Erhitzung schmilzt die Legirung, und nach dem Erkalten findet man dieselbe fest mit dem Aluminium verbunden. Die so überzogenen Flächen werden dann auf gewöhnliche Weise zusammengelöthet. Man hat also nur nöthig, die Oberfläche des Aluminiums mit der Legirung zu überziehen.

Dies Verfahren gründet sich darauf, daſs Aluminium sehr bald an der Luft sich mit einer kaum sichtbaren Oxydschicht überzieht, welche zwar eine weitere Oxydation verhindert, aber für das Löthen eine Schranke ist, die dadurch vermieden werden kann, daſs man sofort nach dem Schaben einen Ueberzug von Paraffin anwendet. Durch das Schmelzen des letzteren wird es dann mit einer luftdichten Paraffinhaut überzogen, es kann nicht oxydiren, und inzwischen hat sich dann bei gesteigerter Erhitzung die Legirung auch mit dem Metalle verbunden.

Im Handel bekommt man Aluminium in Form von Barren, Blech, Draht und als Blattaluminium; auch die nöthigen Lothe sind zu haben. Gegenwärtig kostet 1k Aluminium in Barren etwa 70 M., in Blechform 75 M., während der Preis vor einigen Jahren noch 120 M. betrug. (Nach dem Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1887 Nr. 24 S. 318.)

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