Titel: Ueber Gasfeuerungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266 (S. 403–415)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/ar266101

Ueber Gasfeuerungen.

(Patentklasse 24. Fortsetzung des Berichtes S. 289 d. Bd.)

Mit Abbildungen auf Tafel 24.

Das in dem Patente von Röber zur Verwendung kommende Prinzip, die Entgasung und Vergasung der Brennmaterialien räumlich zu trennen, ist in verschiedenen Anordnungen unter den Patenten vertreten. So ordnen Friedrich von Callenberg und Edmund Fischer in Teplitz (* D. R. P. Nr. 23015 vom 13. Oktober 1882), wie aus Fig. 1 ersichtlich, über dem Treppenrost a eine Kammer b an, welche mit dem frischen Brennmaterial beschickt wird.

Diese Kammer ist mit dem Feuerraum durch den Kanal c verbunden; bei d wird die nöthige Verbrennungsluft hinzugeführt. Nach der Patentschrift soll sich die Kammer b durch das Mauerwerk der darunter liegenden Feuerung hindurch so stark erwärmen, daſs sich Kohlenwasserstoffverbindungen |404| in Gasform entwickeln, welche dann durch Kanal c in den Feuerraum gelangen und daselbst verbrennen. Ist in der Kammer b das Brennmaterial entgast, so wird der Schieber e gezogen, der Koks fällt auf den Treppenrost, um daselbst vergast zu werden.

Die Patentinhaber gehen von dem Gedanken aus, daſs die im Feuerraum herrschende Temperatur durch das Deckgewölbe hindurch derartig auf die Kammer b wirken wird, daſs in der letzteren eine Entgasung der darin befindlichen Brennstoffe eintritt. Diese Temperatur müſste Rothglut sein. Verfasser bezweifelt zwar, daſs eine solche Temperatur erreicht wird, will aber annehmen, daſs sie sich thatsächlich erreichen läſst. Die erste Folge würde darin bestehen, daſs der Schieber, durch dessen Oeffnen das in der Kammer b befindliche Brennmaterial auf den Treppenrost gelangt, seinen Dienst versagt, wodurch die ganze Construction in Frage gestellt wird. Ein wesentliches Erforderniſs für jede Feuerung ist aber, daſs in ihrer Construction alles vermieden wird, was die Haltbarkeit derselben zu beeinträchtigen im Stande ist, d.h. es muſs nach Möglichkeit dafür gesorgt werden, daſs Gewölbe u. dgl. nicht zusammenschmelzen oder einstürzen können. Um die Deckengewölbe eines Feuerraumes möglichst haltbar zu machen, müssen dieselben entlastet, aber auch derartig angeordnet werden, daſs sie von auſsen, durch Luft oder sonst wie, abgekühlt werden. Die Gewölbe eines Schweiſsofens müssen freiliegen, um sie haltbar zu machen, und so leicht als möglich gehalten werden. Erwägungen gleicher Art gelten für alle Feuerungen, auch wenn sie nicht die hohe Temperatur der Schweiſshitze besitzen.

In der vorliegenden Construction ist dieser Erfahrungssatz auſser Acht gelassen worden. Das Deckengewölbe dient so zu sagen als Fundament des Entgasungsraumes. Geht alles in der von den Constructeuren vorausgesetzten Weise vor sich, so wird sich über dem Treppenrost gerade unter dem Deckengewölbe eine sehr hohe Temperatur entwickeln, da das darauf befindliche Brennmaterial entgast, also Koks ist. Es sind somit alle Bedingungen gegeben, um eine schnelle Zerstörung der Feuerung herbeizuführen. Wollte man aber einwenden, daſs die Temperatur nicht so hoch steigt, namentlich wenn Braunkohlen, Torf oder Sägespäne verfeuert werden sollen, so daſs also die Kammer b nicht als Entgasungs-, sondern als Trockenraum dient, in welchem das Brennmaterial von Wasser befreit wird, so tritt ein anderer Fehler der Construction zu Tage. Die aus dem Brennmaterial sich bildenden Wasserdämpfe treten durch Kanal c in den Feuerraum und kühlen daselbst die Flammen ab. Da auſserdem der für die Einführung der atmosphärischen Luft bestimmte Kanal d dicht neben der Einströmungsöffnung der Wasserdämpfe gelegen ist, so sind alle Bedingungen gegeben, um die Luft mit dem Wasserdampfe zu vermischen und ihren Einfluſs auf die Verbrennung der Gase möglichst herabzudrücken. – Man darf nicht auſser Acht lassen, daſs es von anderem Effect für eine Feuerung ist, wenn der Wassergehalt des Brennmaterials in die bereits gebildeten Flammen geleitet, oder wenn er veranlagt wird, durch glühende Brennmaterialschichten hindurchzustreichen.

Ueber das Patent des Freiherrn Bruno von Steinaecker (* D. R. P: Kl. 26 Nr. 33718 vom 28. August 1883) bemerkt der Verfasser: Der Erfinder hat einen Universalgenerator schaffen wollen und erreicht, daſs er einen Apparat hergestellt hat, der an Complicirtheit der Einrichtung und Schwierigkeit des Betriebes bis jetzt unerreicht dasteht.

Verfasser wendet sich nun zu den Vorkehrungen, bei welchen der Gedanke durchgeführt ist, die Vergasung mit Hilfe von über Rothglut erhitztem Wasserdampf herbeizuführen. Einen Uebergang zu den eigentlichen Wassergasapparaten bildet das Patent von Hermann Haug in Dortmund (* D. R. P. Nr. 13733 vom 16. August 1879, nebst Zusatzpatent Nr. 21891 vom 10. Mai 1882). Das zur Anwendung gebrachte Verfahren besteht im Wesentlichen darin, daſs das Brennmaterial in einem aus dünnen Wandungen hergestellten Schachte vergast wird (Fig. 2), welcher |405| wie eine Art Retorte, frei innerhalb des eigentlichen Ofenraumes steht. Im Anfange wird kalte, später erhitzte Luft verwendet. Zum Erhitzen der Luft und des Wasserdampfes soll die Verbrennung eines Theiles der erzeugten Gase benutzt werden. Der Schacht ist dünnwandig hergestellt, um, falls das Brennmaterial es erfordert, es auch von auſsen erhitzen zu können. Der Schacht ist rechteckig im Querschnitt und zieht sich nach unten zusammen, wo er mit einem Roste und tiefem Aschenfall versehen ist. Die erforderliche atmosphärische Luft wird durch ein Dampfstrahlgebläse eingetrieben und gelangt in einen Vorwärmeapparat, welcher zu beiden Seiten des Aschenfalles in den Zwischenraum zwischen diesem und der Auſsenmauer angebracht ist. Statt des auf der Zeichnung näher angegebenen Kanalsystemes hat der Constructeur die Anwendung von Regeneratoren, Recuperatoren u. dgl. zu gleichem Zwecke in Aussicht genommen.

Gegenüber den bei der Herstellung des Wassergases gemachten Erfahrungen kann die Construction von Haug nur als ein Rückschritt bezeichnet werden.

Ganz abgesehen von der auſserordentlichen Complicirtheit der Apparate, Reiche eine geringe Dauer bei häufigen Reparaturen in Aussicht stellen, krankt das Haug'sche System an dem Fehler, daſs das erzeugte Gas zum groſsen Theile aus nicht permanenten Gasen besteht. Die Brennmaterialien werden oben aufgegeben und die gebildeten Gase ebenfalls oben abgesogen, während die Vergasung unten in dem zusammengezogenen Theile des Schachtes geschieht; die gebildeten Gase durchziehen mithin das darüber liegende rohe Brennmaterial und destilliren durch direktes Erwärmen Theer-, Wasserdämpfe u.s.w. daraus ab, welche also direkt in die Hauptgasleitung gelangen.

Verfasser kann dem besprochenen Patente irgend welchen Werth nicht beilegen.

Von gröſserer Wichtigkeit dagegen sind seines Erachtens alle diejenigen Constructionen, welche, an das bekannte Patent von W. H. Strong in Brooklyn (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 3178 vom 18. December 1877) sich anlehnend, das daselbst eingeschlagene Verfahren der Wassergaserzeugung weiter ausgebildet haben. Die Anordnung von Strong findet sich in D. p. J. 1880 238 * 148 ausführlich beschrieben. Von Werth hält der Verfasser bei dieser Construction den Umstand, daſs der Wasserdampf sich bei seinem Weg durch den Einfüllschacht in Kohlenoxydgas und Richte Kohlenwasserstoffverbindungen umsetzt1) und dadurch ein Stickstoff freies Heizgas gebildet wird.

Das Patent von Georg Spring Dwight bezieh. der Europeiska Wattengas-Actiebolaget in Stockholm (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 13490 vom 14. Januar 1880) bezweckt eine Verbesserung dieser Construction, wie sich aus der Beschreibung in D. p. J. 1880 238 * 148 ersehen läſst. Diese Anordnung hat gegenüber der ursprünglich Strong'schen insofern eine Verbesserung |406| erfahren, als die nicht unbedeutende Wärme des Wassergases nutzbar verwendet wird.

Die Erfinder beabsichtigen auch, fast reines Wasserstoffgas herzustellen. Zu diesem Zwecke ersetzen sie den aus aufgesetzten gitterförmig feuerfesten Steinen bestehenden Inhalt der Erhitzungskammern für den Wasserdampf durch metallischen Eisenschwamm oder andere Wasser zersetzende Metalle.2)

Der patentirte Apparat hat den Zweck, die Herstellung des Wassergases, welche in der Construction von Strong mit Unterbrechungen vor sich ging, dadurch möglichst ununterbrochen zu gestalten, daſs die dem Wassergase innewohnende hohe Temperatur durch Anwendung von Regeneratoren unter wechselnder Zugrichtung nutzbar gemacht wird. Es liegt somit der Grundgedanke des Generators von Pütsch vor. Daſs aber einzig und allein die Hitze der Wassergase genügen wird, um den Apparat in ununterbrochenem Betriebe zu erhalten, bezweifelt Verfasser, da die Temperatur im Einfüllschacht in Folge der Wärmeentziehung bei der chemischen Einwirkung nach kurzer Zeit derartig sinken wird, daſs die Wassergasbildung überhaupt aufhören muſs. Die Hilfe des Gebläses zur Aufheizung des Brennmaterials wird demgemäſs sehr häufig in Anspruch genommen werden müssen.

Zudem werden die Wassergase ihrer Zusammensetzung nach verschieden sein, je nachdem Dampf eintritt, da einmal die Dämpfe den Brennmaterialschacht von oben nach unten, das anderemal von unten nach oben durchstreichen. Das Brennmaterial wird oben aufgegeben, so daſs im Schachte oben stets frisch aufgegebene Kohle, unten dagegen Koks sich befindet.

Ist die Zugrichtung im Brennmaterialschacht von oben nach unten, so werden, ganz abgesehen von der Einwirkung der Wasserdämpfe, sämmtliche schweren Kohlenwasserstoffe, wie in jedem Generator mit niederwärts gehender Zugrichtung, in leichte Verbindungen umgesetzt; bei der aufwärts steigenden ist dies dagegen nicht der Fall. Es wird vielmehr ein Gasgemisch aus dem Schachte ausströmen, welches mehr oder weniger reich an schweren Kohlenwasserstoffverbindungen ist, so daſs der Charakter des Wassergases, d.h. vorwiegend einer Mischung von Grubengas und Kohlenoxydgas, verloren geht. Die Durchführbarkeit der Darstellung des Wasserstoffgases mittels Eisenschwammes glaubt Verfasser wegen der zu hohen Kosten unbedingt bezweifeln zu müssen, abgesehen von den theoretisch dagegen zu erhebenden Einwendungen.

Daſs die vom Verfasser geäuſserten Bedenken nicht ohne Grund sind, dürfte sich aus der Thatsache ergeben, daſs Dwight in dem Patente * Kl. 26 Nr. 19987 vom 22. April 1882 auf die Anwendung von Regeneratoren bei wechselnder Zugrichtung verzichtet hat. Er verbindet in diesem Patente einen Generator mit einem Regenerator, hinter welchem zur ergiebigeren Ausnutzung der Wärme noch ein Dampfkessel angelegt ist.

Soll Wassergas erzeugt werden, so wird Kesseldampf durch den erhitzten Regenerator dem Generator zugeführt, und zwar derartig, daſs, wie im ursprünglich Strong'schen Apparat, das Brennmaterial in niederwärts gehender Zugrichtung durchstrichen wird. Um einen dauernden Wassergasstrom zu erzielen, sind zwei solcher Systeme mit einem gemeinschaftlichen Kessel derartig angeordnet, daſs, während in dem einen Wassergas erzeugt wird, das andere den Regenerator erhitzt u.s.w. Besondere Vorzüge gegen frühere Constructionen sind dieser Anordnung wohl kaum nachzurühmen, sie ist vielmehr nichts anderes als der ursprüngliche Strong'sche Ofen mit dahinter gelegtem Dampfkessel.

Die ununterbrochene Herstellung von Wassergas unter enger Anlehnung an das Strong'sche Verfahren wird ferner in dem Patent der Europeiska Wattengas-Aktiebolaget in Stockholm (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 21107 vom 12. November 1881) angestrebt. Die betreffende Einrichtung ist in Fig. 3 dargestellt.

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Dem Generator A sind zwei Regeneratorpaare angebaut, hinter welchen der Dampfkessel angeordnet ist.

Das Verfahren ist folgendes: Der aus dem Dampfkessel kommende Dampf strömt dem aus dem vorhergehenden Arbeitsvorgang hoch erhitzten Regeneratorpaare zu, überhitzt sich in demselben, gelangt endlich in den Brennmaterialschacht und erzeugt daselbst Wassergas, welches in einen Sammelraum tritt, um dem Gasbehälter zugeführt zu werden. Ein Theil desselben wird jedoch dem zweiten Regeneratorpaare zugeführt und daselbst verbrannt. Die Verbrennungsproducte werden schlieſslich zur Beheizung des Dampfkessels verwendet. Nach einiger Zeit wird durch passend angebrachte Ventile die Zugrichtung im Apparat derartig geändert, daſs der Dampf aus dem Kessel in die zuletzt erhitzten Regeneratoren geleitet wird, von wo aus er wiederum dem Generator zugeführt wird, den er unter Wassergasbildung durchstreicht, um schlieſslich wie vorher wieder dem Gasbehälter zuzuströmen. Ein passendes Rohr- und Ventilsystem gestattet eine leichte Umsteuerung. Aehnlich wie bei dem Generator von Dwight ist oberhalb des Generators A eine Vorrichtung angebracht, um flüssige Kohlenwasserstoffe u.s.w. in den Generator einzuführen, die der Einwirkung des überhitzten Wasserdampfes behufs Erzeugung von leuchtenden Gasen ausgesetzt werden. Von besonderem Interesse ist hierbei die Construction der Ventile zum Oeffnen bezieh. Schlieſsen der verschiedenen Leitungen. Die Gase besitzen eine hohe Temperatur, deshalb bietet die Herstellung eines Ventiles zum Abschlieſsen der Leitungen insofern Schwierigkeit, als die sonst aus Eisen gefertigten Abschluſsvorrichtungen bald zerstört werden. Hierfür Abhilfe zu schaffen ist das in Fig. 4 genauer dargestellte Ventil bestimmt. Dasselbe besteht aus dem cylindrisch durchbohrten Steinbock a, in dessen Bohrung sich der Steinkolben b mit Hilfe eines Handrades c hoher und tiefer stellen läſst. Der Kolben b hat eine ringförmige Nuth, welche die Verbindung zwischen den beiden Leitungen d und e herstellt. Durch Heben bezieh. Senken des Kolbens kann die Verbindung ganz oder theilweise geschlossen werden.

Verfasser hat nicht Gelegenheit gehabt, sich von der Brauchbarkeit des Apparates zu überzeugen, glaubt indeſs, daſs er für die Verhältnisse der Rohrleitungen eines Wassergasgenerators gut wirken wird. Einer allgemeinen Anwendung für Feuerungsanlagen dürfte der Umstand hindernd sein, daſs die Abmessungen bei wachsenden Kanal weiten derartig groſs werden, daſs sowohl der Herstellung, als auch der Hantirbarkeit der Absperrvorrichtung erhebliche Schwierigkeiten erwachsen werden.

Da in der eben beschriebenen Construction die Wasserdämpfe sowie auch die schweren Kohlenwasserstoffverbindungen das Brennmaterial stets von oben nach unten durchziehen, so wird das gebildete Wassergas niemals schwere Kohlenwasserstoffverbindungen enthalten, was, wie oben erörtert ist, bei der Anordnung nach Dwight nicht ausgeschlossen ist.

Endlich liegt noch ein Patent von F. G. C. Dehaynin in Paris (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 12 264 vom 7. Januar 1880) vor. Der Generator besteht aus dem Schachte A (Fig. 5), an welchem sich ein mit dem Roste a geschlossener eiserner Cylinder B anschlieſst, der von auſsen mit einer in Schraubengängen laufenden offenen Rinne versehen ist. Der Cylinder B ist von einem luftdicht schlieſsenden, mit einer Thür d versehenen, eisernen Kasten, der zugleich als Aschenfall dient, umgeben. Der Apparat wird bei c mit Koks gefüllt, die Thür d geöffnet und das Brennmaterial entzündet. Ist der Koks weiſsglühend, so wird die Thür d geschlossen und Wasser in die Rinne b geleitet, woselbst es verdampft. Der Dampf hat keinen anderen Ausweg als durch den Rost und den glühenden Koks, so daſs Wassergasbildung im Schachte erfolgen muſs. Die gewonnenen Gasmengen werden durch e dem Behälter f zugeführt, |408| um das daselbst befindliche Wasser zu erwärmen, welches wieder der Rinne b zugeführt wird, um dort verdampft zu werden.

Diese Construction leidet an dem Grundfehler, daſs die Hitze des Brennmaterials nicht allein für die Ueberführung des Wasserdampfes in Wassergas benutzt wird, sondern sogar noch das Wasser in Dampf verwandeln soll. Hierzu tritt noch der Umstand, daſs zur Wassergasbildung gespannte Dämpfe erforderlich sind, daſs aber in der patentirten Construction gespannte Dämpfe erzeugt werden, dürfte der Erfinder selbst wohl kaum behaupten.

Schlieſslich sei noch das Patent von Carl Westphal in Berlin (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 22880 vom 13. August 1882) erwähnt, welches sich auf einen Wassergasofen für continuirlichen Betrieb bezieht.

Der Generator stellt sich als ein oben offener, gemauerter, groſser Kasten dar, welcher oben beschickt wird, und unten statt des Rostes eine mechanische Vorrichtung zur Abführung der Asche besitzt. Dieser Kasten ist mit Röhren durchzogen, durch welche brennende Gase zur Erhitzung des Brennmaterials streichen, auſserdem ist Vorsorge getroffen, daſs überhitzte Wasserdämpfe an geeigneten Stellen in die Kohle eintreten können.

Der Vorschlag, auf die angedeutete Weise die Kohle beständig so hoch zu erhitzen, daſs ebenso beständig Wassergasbildung eintreten kann, muſs als verfehlt betrachtet werden. Die dazu erforderliche Temperatur ist Weiſsglut, welche in der patentirten Construction nicht erreicht werden kann. Die Praxis hat ferner bewiesen, daſs es bei Wassergaserzeugung absolut erforderlich ist, die Apparate nach allen Seiten dicht geschlossen zu halten. Diese letztere Bedingung ist in der Construction von Westphal nicht erfüllt, da der Generator oben offen ist. Der Apparat charakterisirt sich höchstens als ein Trockenapparat für Braunkohle, für Wassergasbildung hat er nicht die geringste Bedeutung.

Verfasser deutete bereits auf die Bedeutung des Wassergases für die Technik überhaupt hin. Diese Bedeutung ist denn auch vielseitig anerkannt und besonders insofern gewürdigt worden, als eine ganze Reihe von Patenten vorliegen, welche darauf abzielen, das Wassergas für Beleuchtungszwecke verwendbar zu machen.

In dieser Beziehung mögen die Patente von Bernhard Andreae in Wien (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 26985 vom 5. August 1883, vgl. 1884 253 * 234), von E. J. Jermanowski in Wien (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 27145 vom 23. Mai 1883 und Nr. 29220 vom 12. December 1883, vgl. 1884 253 * 243), von William Arthur in Cowes, Insel Wight, England (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 32072 vom 9. Oktober 1883) sowie von James E. Leadley in Camden, New-Yersey, Nordamerika, und J. Hanlon in New-York, Nordamerika (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 30507 vom 28. November 1883) erwähnt sein.

In allen diesen Patenten wird Wassergas durch Einwirkung von Wasserdampf auf glühende Kohle hergestellt und alsdann auf die verschiedenste Weise carburirt und dadurch leuchtfähig gemacht. Wenn auch die erwähnten Patente manches Bemerkenswerthe enthalten, so kann doch hier nicht näher auf dieselben eingegangen werden, da eine Besprechung derselben auf das Gebiet des Beleuchtungswesens, insbesondere der Gasbeleuchtung führen würde.

Das Bestreben, bei dem Betriebe der Generatoren mit aufwärts gehendem Luftzuge, die Theer- und Wasserdämpfe, welche sich in den oberen Schichten bilden, durch glühende Kohleschichten behufs Umsetzung in leichte Kohlenwasserstoffgase zu leiten, ist von Wilhelm Olschewsky |409| in Berlin (* D. R. P. Nr. 15147 vom 21. Februar 1880) durch die in Fig. 6 dargestellte Construction zum Ausdruck gelangt (vgl. 1880 236 * 287).

Der mit dem Roste und geschlossenem Aschenfall versehene Generatorschacht A wird oben gefüllt. Die gebildeten Gase treten in den Ringkanal a und von dort in die Hauptgasleitung b. Die atmosphärische Luft wird durch den Kanal c eingeführt, welcher durch einen Kanal d mit einem oben am Generator befindlichen Ringkanale e in Verbindung steht; dieser Ringkanal ist durch Oeffnungen mit dem Raum über dem Brennmaterial im Inneren des Schachtes verbunden. In der nach dem Aschenfall führenden Mündung des Kanales c ist ein Gebläserohr für atmosphärische Luft angebracht, welches, als Injector construirt, auch auf den oberen Raum im Inneren des Schachtes saugend wirkt. Hierdurch werden die daselbst sich bildenden Theerdämpfe u.s.w. angesogen und mit der atmosphärischen Luft durch die Roste hindurch in den Generator eingeblasen und in den glühenden Koksschichten zersetzt.

Verfasser schreibt dieser Construction keinen erheblichen Werth zu. Da die Regulirung des Luftinjectors eine sehr genaue sein muſs; wird hierbei etwas versäumt, wird insbesondere die saugende Wirkung des Injectors auf den Generator zu heftig, so tritt leicht die Gefahr ein, daſs Luft durch die Aufgabevorrichtung eintritt und das Brennmaterial oben in Flammen setzt, in derselben Weise wie es bei den früher besprochenen Generatoren von Faber du Faur und von Bachmeyer der Fall ist. Der Unterschied ist nur der, daſs dieses Entzünden in den letztgenannten Anordnungen Absicht der Constructeure ist, während es in der vorliegenden als nebenbei auftretender Nachtheil aufzulassen ist.

Von den beiden C. B. Gregory in Beverly, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 12116 vom 7. April 1880) und L. J. Piedboeuf in Düsseldorf (* D. R. P. Nr. 12615 vom 20. Februar 1880) patentirten, sich ähnlichen Constructionen, erwähnt Verfasser von der ersteren, daſs sie sich als unbrauchbar zeigen wird (vgl. 1881 240 * 371).

Die durch die Einführung der zur Gasbildung erforderlichen Luft der anderen eben erwähnten Construction ist in Fig. 7 gezeichnet.

Das in a aufgegebene Brennmaterial gelangt auf der schiefen Ebene b auf den Rost c, unter welchem der Wasserkasten d aufgestellt ist. Unterhalb der schiefen Ebene b ist eine Platte gelegt, so daſs über die ganze Breite des Generators hinweg ein Raum e entsteht, in welchen oben durch das Rohr f Dampf bezieh. Luft oder ein Gemisch von beiden eingeblasen wird. Dampf und Luft treten oberhalb des Rostes c in den Generator. Der Aschenfall wird stets geschlossen gehalten, so daſs die Luftzufuhr einzig und allein durch den Raum e vor sich geht.

Auch in diesem Fall kann der Verfasser den Vortheil der gewählten Anordnung der Luftzufuhr nicht einsehen. Er bezweifelt zwar nicht, daſs sich ein gleichmäſsiger, kräftiger Gasstrom entwickeln wird, fürchtet aber, daſs die Roste sehr heiſs werden, da seines Erachtens stets Flammen durch dieselben hindurch nach unten schlagen werden, während, wenn die Luft in den Aschenfall eingeblasen würde, sämmtliche Flammen in das Innere des Generators getrieben und die Roste selbst kühl gehalten würden.

Die zur Gasbildung und zur Verbrennung der gebildeten Gase erforderliche atmosphärische Luft wird, ehe sie dem Rohre f bezieh. dem Verbrennungsraume der gebildeten Gase zugeführt wird, in Kanälen erwärmt, welche in Seitenwänden des Generators angebracht sind.

Verfasser wird auf die Verbrennung der gebildeten Gase, welche den eigentlichen Gegenstand des Patentes bilden, später noch zurückkommen, will aber darauf hinweisen, daſs der Constructeur den Generator fahrbar eingerichtet hat. Die Gründe hierfür sind aus der Patentschrift nicht ersichtlich; sollte eine leichte Auswechselung desselben der Zweck sein, so ist der Vortheil durch die Kosten der einer groſsen Last entsprechend kräftig zu haltenden Eisenbahn und des Reserveapparates mehr wie aufgewogen.

Das Patent von Friedrich Schaffer in Rothenbach bei Gottesberg |410| (* D. R. P. Nr. 11495 vom 9. Januar 1880) charakterisirt sich als eine Specialconstruction, welche bezweckt, einen cylindrischen Dampfkessel mittels Treppenrost als Unterfeuerung bei Gasbetrieb zu heizen. Der Patentanspruch bezieht sich nämlich auf einen Schlitz im Gewölbe zunächst der Schüttstelle, in Verbindung mit einem in der Vorderwand des Rauhgemäuers befindlichen Luftzuführungskanale.

Wer irgend mit der Ausführung von Gasfeuerungen sich praktisch beschäftigt hat, wird wissen, daſs, falls nur die Schichthöhe des Brennmaterials richtig gewählt ist, es ziemlich gleichgültig ist, wo die Ausströmungsöffnung der Gase in dem Deckgewölbe liegt. Machen örtliche Umstände es nothwendig, den Treppenrost unter den Kessel zu legen, so ergibt sich mit Nothwendigkeit die Anordnung, welche unter Patentschutz gestellt ist, nämlich die Verlegung der Ausströmungsöffnung der Gase nach vorn; hieran schlieſst sich folgerichtig, daſs der Luftkanal ebenfalls nach vorn gelegt wird. Wird die Ausströmungsöffnung mehr nach der Hinterwand der Feuerung gelegt, so verliert man Heizfläche im Kessel, da die Flammen nicht an der Stirnwand, sondern hinter derselben in die Züge schlagen. Daſs die Construction unter Umständen gut arbeiten wird, ist nicht zu bezweifeln; als ein Mangel muſs aber bezeichnet werden, daſs die Aufgabeöffnung für das Brennmaterial nicht dicht verschlossen ist. Die Luft wird mit Vorliebe stets den kürzesten Weg wählen, und in Folge dessen durch die unverschlossene Füllöffnung in den Feuerraum treten, und zwar nicht vorgewärmt, sondern kalt.

Ein Generator, welcher Anklänge an das bekannte Lürmann'sche System insofern aufweist, als er die Abhitze eines Ofens zur Entgasung des frisch aufgegebenen Brennstoffes benutzt (und den Rolle'schen stehenden Retortenöfen der Paraffinindustrie nachgebildet ist) findet sich im Patent von Joseph Khern in Halle a. S. (* D. R. P. Nr. 14529 vom 30. November 1880).

Der Generatorschacht ist im Inneren mit glockenförmigen Guſseisenkörpern versehen, welche durch eine Stange centrisch gehalten werden. Der Schacht, aus feuerfestem Material oder Guſseisen hergestellt, ist von Zügen umgeben. Zwischen dem Rande einer jeden Glocke und der Schachtwand muſs ein Abstand von etwa 80 bis 100mm bleiben, je nach den Eigenschaften der zu vergasenden Kohle. Dieser füllt sich beim Aufgeben mit Kohle, während der Raum, welchen die Glocken bilden, frei bleibt zur Aufnahme der gasförmigen Destillationsproducte. Nach unten endigt der Generatorschacht in einen Trichter, welcher den Füllrumpf eines Treppenrostes bildet.

Beim Betriebe erhitzt die Abhitze der Verbrennungsgase, welche die Züge auf dem Wege zum Schornstein passiren, den Inhalt des Generatorschachtes und leitet eine trockene Destillation des Brennstoffes ein. Die erzeugten Wasserdämpfe und sonstigen Destillationsproducte treten in das Innere des von den Glocken umschlossenen Raumes und durch einen oder mehrere Rohransätze in den Verbrennungsraum. Die entgaste Kohle sinkt auf den Treppenrost nieder, woselbst sie vollständig verbrannt wird. Der Neigungswinkel des Treppenrostes muſs so flach sein, daſs die Kohlesäule nur in dem Maſse nachsinken kann, als es die regelmäſsige Verbrennung auf dem Roste zuläſst. Die Verbrennung auf dem Treppenroste muſs derart geregelt werden, daſs die direkt in den Verbrennungsraum schlagenden Flammen noch genügend Sauerstoff mit sich führen, um die durch trockene Destillation gebildeten Gase verbrennen zu können.

Wie der Patentinhaber sagt, stellt sich die vorliegende Construction als eine specielle für die Verwerthung der erdigen Braunkohle der norddeutsche Tiefebene (Provinz Sachsen) dar, und beruht auf den Erfahrungen, welche in den Theerschweelereien in der Nähe von Halle gemacht sind. Jedes Bestreben, den besonderen Eigenschaften der Brennstoffe durch die Construction Rechnung zu tragen, ist mit Freuden zu begrüſsen, und wenn der Generator von Khern |411| auch nur für erdige Braunkohle geeignet erscheint, so darf seine Bedeutung um so weniger unterschätzt werden, als die Schwierigkeiten, welche mit der Vergasung der in Frage kommenden Braunkohle verbunden sind, nicht klein sind.

Die Verbrennung eines besonderen Brennmaterials bezweckt auch die Construction von Niederberger und Comp. in Hamburg (* D. R. P. Nr. 16626 vom 21. Juli 1881 und Zusatzpatent Nr. 17664 vom 23. Oktober 1881), welche in D. p. J. 1882 245 * 79 beschrieben ist. Diese Feuerung ist bestimmt, die nach Ausziehung des Farbstoffes aus Farbholz verbleibenden Holzfasern ohne vorherige Trocknung zu verbrennen. Die vorliegende Construction eignet sich auch für nasse Sägespäne; sie ist einfach und leicht hantirbar.

Die Patente von Adolf Kruska in Stettin (* D. R. P. Nr. 24140 vom 13. März 1883) und von Jos. Eick in Köln (* D. R. P. Kl. 13 Nr. 33217 vom 5. Mai 1885, vgl. 1886 261 * 74) haben mit einander gemein, daſs nach ihnen neben einem gewöhnlichen Roste rechts und links retortenähnliche Behälter gelegt sind, welche mit rohem Brennmaterial gefüllt werden. Nachdem dieses durch das auf dem Roste brennende Material entgast ist, wobei aus den Retorten die Gase durch Schlitze entweichen, läſst Eick seine „Kasten“ einfach umkippen und ihren Inhalt auf dem Roste verbrennen. Kruska dagegen leitet in seine Retorten „Wasserdampf von 500°“, der sich nun mit der glühenden Kohle in Wasserstoff und Kohlenoxyd umsetzen soll. – Gegen Kruska hebt der Verfasser besonders die in der Patentbeschreibung herrschende Unklarheit hervor, während er bei der Einrichtung von Eick die Betriebsfähigkeit bezweifelt.

Nach vorstehendem Ueberblick über die Bestrebungen zur Erzeugung der Generatorgase geht Verfasser zu den Verbrennungseinrichtungen, den sogen. Brennern, über.

Unter Brenner versteht man die Einrichtungen, durch welche Gas und Luft zusammengeführt und möglichst gut vermengt werden. Demgemäſs sind auch die sogen. Feuerbrücken dahin zu rechnen.

Die meiste Aehnlichkeit mit den gewöhnlichen Leuchtgasbrennern bietet der Apparat von Adolph Knaudt in Essen (* D. R. P. Nr. 17810 vom 11. Oktober 1881 und Zusatzpatent Nr. 20174 vom 12. April 1882), Welcher in Fig. 8 dargestellt ist. In der Zeichnung ist die Construction des Zusatzpatentes gegeben, weil dieselbe eine wesentliche Verbesserung der im Hauptpatente enthaltenen Grundgedanken enthält.

Die brennbaren Gase werden mit Luft oder Sauerstoff gemischt und durch Gebläse oder eine Pumpe dem Verbrauchsorte zugeführt, woselbst das Gemisch vermittels Düsen oder Brenner in den Heizraum austritt. Die Düse besteht aus dem Körper a, welcher von einem zweiten b umgeben ist. Der Zwischenraum c1 wird beständig mit Kühlwasser gespeist. Der Körper a verengt sich zu dem Schlitze c, aus welchem das Gasgemisch als Flamme in den zu beheizenden Raum eintritt. Will man die Düse jedoch zum Schweiſsen benutzen, so muſs zwischen der Unterkante der Düse und dem zu erhitzenden Metallstücke ein Verbrennungsraum geschaffen werden, welcher die Hitze zusammenhält. Dieser Verbrennungsraum d ist aus feuerfestem Material hergestellt, welches, durch einen eisernen Rahmen zusammengehalten, mittels Bolzen an der Düse angehängt wird.

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Um die Sicherheit gegen das Zurückbrennen des explosiven Gasgemisches zu erhöhen, ist in dem Körper a das Diaphragma e angeordnet, welches, aus Lagen von feinen Drahtgeweben oder gelochten Blechen bestehend, zwar dem Gasgemisch den Durchgang verstattet, aber bezüglich des Zurückbrennens wirkt wie eine Davy'sche Sicherheitslampe.

Auf dem Körper a ist das Ventil f angebracht, welches derartig ausbalancirt ist, daſs es erst bei einem gewissen Druck des Gasgemisches sich öffnet und demselben den Zutritt zur Düse gestattet. Dieser Druck ist so bemessen, daſs das Gemenge, wenn es durch das Ventil geht, eine gröſsere Geschwindigkeit hat, als die Verbrennungsgeschwindigkeit des Gasgemisches. Diese Verbrennungsgeschwindigkeit beträgt z.B. für Knallgas 34m in der Secunde, entsprechend einem Ueberdruck von 0m,06 Wassersäule. Wird das Ventil also derart belastet, daſs es sich erst bei einem Druck von 0m,06 Wassersäule öffnet, so ist die Gefahr ausgeschlossen, daſs die Verbrennung hinter der Ausströmungsöffnung sich fortsetzt.

Die Construction stellt sich als eine Art Bunsen'scher Brenner mit Sicherheitsvorrichtungen gegen Explosionsgefahr dar, ist höchst einfach, der Abnutzung wenig ausgesetzt und kann überall leicht angebracht werden. Sie wird jedenfalls bei der Benutzung von Wassergas eine bedeutende Rolle spielen; so viel bekannt, hat der Patentinhaber sie zur Herstellung der Forschen Feuerrohre mit Erfolg zur Anwendung gebracht.

Das von Knaudt angegebene Verfahren, Oefen dadurch zu heizen, daſs in dieselben ein Gemisch von Gas und Luft eingeblasen wird, ist später Hermann Schott in Blankenburg (* D. R. P. Nr. 23 768 vom 16. Februar 1883) patentirt worden.

Die Einrichtung ist als Dampfkesselfeuerung aus Fig. 9 ersichtlich. Durch die mit Absperrventil versehene Rohrleitung a wird das Gemisch von Gas und Luft in den Brennraum b eingeblasen. Die Verbrennungsproducte entweichen durch die Oeffnungen c.

Unverständlich ist es, wenn in dem Patentanspruch von einer geschlossenen Brennkammer gesprochen wird, da doch in der Zeichnung der Patentschrift die Oeffnungen c, durch welche die Verbrennungsproducte entweichen, sich angegeben finden.

Da die Feuerbrücken auch zu den Brennern zu rechnen sind, so soll auf dieselben jetzt näher eingegangen werden.

Fig. 10 stellt einen Regenerativgasschweiſsofen mit seitwärts liegenden Regeneratoren dar, wie er von Pütsch vielfach verwendet ist.

A sind die Regeneratoren für Gas, B die für die Luft, die Zugrichtung ist durch die Pfeile angedeutet. Gas und Luft treffen sich oberhalb der Gasgeneratoren, so daſs Mischung und Verbrennung auf dem Wege von c nach b vor sich gehen. Die Strecke cb ist nochmals verengt, und hat man diese Verengung ebenfalls Feuerbrücke genannt. Die Einrichtung ist ein wagerecht angeordneter Brenner mit der Eigenthümlichkeit, daſs Gas und Luft sich behufs Mischung hier winkelrecht zu einander treffen.

Fig. 11 gibt die Darstellung des Verbrennungsraumes, wie sie Friedrich Siemens bei seinen Regenerativglasschmelzöfen für Häfen in Anwendung bringt, bei welchen die Regeneratoren unter dem Ofen sich befinden (vgl. 1862 166 * 270. 1875 257 * 154).

A ist wiederum der Regenerator für Gas, B der für Luft. Luft und Gas treffen sich in dem Räume zwischen beiden Generatoren, so daſs die Mischung auf dem Wege ab vor sich geht. ab ist somit der Brenner, welcher hier senkrecht angeordnet ist, da der Grundsatz, die Regeneratoren unter den Ofen zu legen, eine wagerechte Lage verbietet. So verschieden auch beide Anordnungen erscheinen, so beruhen sie doch nur auf demselben Gedanken, wonach Ga und Luft vor ihrer Vereinigung verschiedene Bewegungsrichtungen haben. |413| Hierbei ist es gleichgültig, ob das Gas erst durch Regeneratoren streicht, ehe es die Luft trifft, oder unvermittelt aus einem Generator in den Brenner tritt. Als Beispiel möge Fig. 12 dienen.

Das Gas tritt aus dem Raume A in die Oeffnung b und wird auf dem Wege nach oben von der rechts und links einströmenden atmosphärischen Luft getroffen. Die Zugrichtung ist durch die Pfeile angegeben. Der Brenner ist somit, entsprechend der Construction von Fr. Siemens, senkrecht angeordnet.

Aus dem Gesagten dürfte einleuchten, daſs je nach den Verhältnissen und dem Zwecke der Verwendung der Gasflamme sich die eben beschriebenen Brenner vielfach verschieden gestalten werden, ohne daſs dabei eine Aenderung des Grundgedankens eintritt oder gar eine neue patentfähige Erfindung erzielt wird. Verfasser geht daher zu den Brennern über, wie sie in den Patenten von F. August Schulz in Zeitz (* D. R. P. Nr. 11465 vom 31. Januar 1880 und Zusatzpatent Nr. 12978 vom 9. Juli 1880 und Nr. 13435 vom 5. Oktober 1880) dargestellt sind, in denen jedoch besondere Neuerungen nicht zu erblicken sind. Die Uebereinstimmung dieser Brenner mit der Construction von Bischof ist so groſs, daſs sie nur als eine constructive Umgestaltung derselben zu betrachten ist. Dasselbe gilt von dem bereits besprochenen Patente von Gregory, sowie von der Construction von Schaffer und ebenso von der Construction, welche Dannenberg in Görlitz durch * D. R. P. Kl. 80 Nr. 24146 vom 27. Oktober 1882 geschützt ist (vgl. 1884 254 * 211).

Auch in der Vereinigung von Gas und Luft des Patentes von Hermann Reusch (* D. R. P. Nr. 28320 vom 2. März 1884) sieht Verfasser nur Altbekanntes. Die Gase strömen in einem senkrechten Kanäle in die Höhe, werden in diesem durch hinzutretende Gase senkrecht getroffen und entzündet.

In diesem Patente ist ferner die Anordnung unter Schutz gestellt, daſs die Gaskanäle, deren mehrere neben einander gelegt sind, sich nach oben verbreitern. Diese Verbreiterung ist als eine Folge davon anzusehen, daſs der Generator schmäler ist als der über ihm liegende zu beheizende Gegenstand Ein Erfindungsgedanke ist darin nicht zu erblicken.

Die Constructionen von Schulz, Schaffer, Dannenberg und Reusch sind zwar nicht neu, jedoch immerhin zweckmäſsig. Wenn auch die Art der Zusammenführung von Gas und Luft erfahrungsgemäſs zweckentsprechend ist, so hängt doch die Wirksamkeit von den Abmessungen desjenigen Theiles des Brenners ab, in welchem sich Gas und Luft bewegen. Die Gröſsen sind von Fall zu Fall zu wählen.

Bemerkenswerth, insbesondere vom patentrechtlichen Standpunkte aus, dürfte das Patent von Georg Liegel (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 15144 vom 12. Juni 1880) sein, welches in D. p. J. 1883 247 * 422 beschrieben ist.

Die Construction bezieht sich auf einen Gasretortenofen. Die auffallende Uebereinstimmung der Zusammenführung von Gas und Luft mit der Anordnung von Bischof kommt weniger in Betracht als die Thatsache, daſs die Patentbeschreibung auf die Nothwendigkeit hinweist, das Querschnittsverhältniſs der Kanäle für die Verbrennungsluft zu dem der Ausströmungsöffnungen der Düsen wie 15 : 1 zu gestalten. Da dieses Verhältniſs im Patentanspruch unter Schutz gestellt ist, muſs die Ansicht, wonach Dimensionen nicht patentfähig sind, als irrthümlich bezeichnet werden.

Eine eigenartige Anordnung der Düsen findet sich im Patent von Joseph Bayer in Ulm (* D. R. P. Nr. 24241 vom 29. März 1883), welcher dieselben von verschiedener Länge macht und in den Verbrennungsraum hineinragen läſst.

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In der erörterten Construction von Piedboeuf tritt uns ein Brenner entgegen, welcher besondere Erwähnung beansprucht (vgl. Fig. 7 Taf. 24).

Die Gase verlassen den Generator durch die Oeffnung g und treten in den Raum h, welcher als Mischkammer zu betrachten ist. Die Verbrennungsluft, welche in den Seitenwänden des Generators vorgewärmt ist, wird durch das Rohr i eingeblasen, so daſs eine Art Argand'scher Brenner entsteht. Die vorliegende Construction hält der Verfasser für eine recht zweckmäſsige. Er hatte Gelegenheit, auf einem rheinischen Eisenwerke Cornwall-Kessel mit Gasfeuerung in Betrieb zu sehen, bei welchen dieser Brenner mit der Abänderung eingeführt war, daſs das Gas in der Mitte eingeblasen wurde, während die Luft an den Seiten einströmte. Die Mischkammer wurde durch das Feuerrohr des Kessels gebildet. Die Construction soll recht befriedigende Resultate geben.

Nach dem Erachten des Verfassers sind die guten Ergebnisse der Construction von Piedboeuf weniger in der Art, wie Gas und Luft zusammengeführt werden, begründet, als in dem Vorhandensein eines Mischraumes, dessen Querschnitt im Verhältniſs zu dem der Gas- und Lufteinströmungsöffnungen sehr groſs ist; da die mit groſser Geschwindigkeit aus den betreffenden Oeffnungen austretenden Gase und Luft in einen gröſseren Raum treten, entsteht eine Verlangsamung ihrer Bewegung, wodurch eine innigere Mischung beider eingeleitet wird.

Auch in der Beschreibung des Patentes von August Klönne in Dortmund (* D. R. P. Kl. 26 Nr. 10400 vom 16. Mai 1879), welches sich auf einen Retortenofen bezieht, ist der Erfolg der Construction auf das Vorhandensein eines groſsen Verbrennungsraumes zurückgeführt worden. Die Thatsache, daſs gröſsere Oefen gute Resultate gegeben haben, wenn Gas und Luft getrennt in den Ofen eingeleitet werden und sich erst in dem zu erhitzenden Räume vermischen, beruht auf der Verlangsamung ihrer Bewegung. Es liegen in dieser Beziehung Angaben des französischen Ingenieurs Lencauchez vor, welcher die Bewegung in der Verbrennungskammer bis auf 2m herabdrückte. Lencauchez (vgl. auch 1880 236 * 42) blies dabei Gas und Luft in den Feuerkasten einer Locomobile, welcher als Verbrennungskammer diente, ein. Verfasser hat ein Gleiches bei Torfgasbetrieb mit Erfolg durchgeführt und kann auf Grund eigener Versuche die Richtigkeit der im Piedboeuf'schen Patent angewandten Grundgedanken bestätigen.

Die Richtigkeit dieser Anschauungen dürfte noch durch die neueren Mittheilungen von Friedrich Siemens erwiesen werden, welcher jetzt seine Oefen geräumiger als früher baut und dadurch erheblich bessere Resultate erzielt.

Verfasser macht bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daſs die französischen Constructeure auf ganz eigenartige Weise bei der Anlage von Feuerungen zu Werke gehen und bedauert, daſs der so reichhaltigen Literatur der Franzosen auf diesem Gebiete nicht diejenige Aufmerksamkeit geschenkt wird, welche der englischen und nordamerikanischen von Seiten der deutschen Ingenieure gewidmet wird.

Einen verstellbaren Brenner hat sich David Grove in Berlin patentiren lassen (* D. R. P. Kl. 36 Nr. 20730 vom 19. April 1882), welcher in Fig. 13 dargestellt ist (vgl. 1883 249 499).

Die Gase treten in den Raum a und von da aus nach b, dessen obere Oeffnung durch die verschiebbaren Façonsteine c vergröſsert oder verkleinert werden kann. Die Verbrennungsluft tritt aus dem guſseisernen Kasten bei d zum Gas. Die Flammen schlagen dann durch die Schlangen eines Wasserheizapparates hindurch. Verfasser kann aus eigener Anschauung über die Wirksamkeit dieses Apparates nicht urtheilen, glaubt zwar, daſs er recht praktisch sei, um bei der Ingangsetzung der Anlage die richtigen Verhältnisse der Ausströmungsöffnungen von Gas und Luft zu einander festzustellen, bezweifelt indessen, daſs er dauernd gangbar bleiben wird, da nach seiner Erfahrung kein Mechanismus, mag er noch so einfach sein, der Einwirkung der Hitze auf die Dauer widersteht.

Die bisher besprochene Art der Zusammenführung von Gas und |415| Luft hatte die Eigentümlichkeit, daſs beide sich in verschiedenen Richtungen trafen, um eine innige Vereinigung zu erzielen.

In dem Patent von Franz Rueben in Oberhausen an der Ruhr (* D. R. P. Kl. 32 Nr. 14599 vom 1. Januar 1881) ist dieser Weg verlassen worden, Gas und Luft haben vor ihrer Vereinigung dieselbe oder fast dieselbe Richtung (vgl. 1882 244 * 298).

Die patentirte Construction gehört zu der Gattung von Oefen mit sogen. überschlagenden Flammen, wie sie namentlich in der Ziegel- und Porzellanfabrikation mit Vortheil angewendet werden; daſs sie gut arbeiten, bezweifelt Verfasser nicht, jedoch liegt seines Erachtens der Grund hierfür nicht in der Art, wie Gas und Luft sich in dem Kanal treffen, sondern in dem Umstände, daſs der groſse Ofenraum eine Verlangsamung der Bewegung herbeiführt, woraus eine innige Mischung und intensive Verbrennung resultirt.

Ein für den Zweck der Befeuerung eines Ringofens mit Gas construirter Brenner ist in dem Patente von August Dannenberg in Görlitz (* D. R. P. Kl. 80 Nr. 19017 vom 7. Oktober 1881) zu finden.

Der Brenner besteht, wie aus Fig. 14 und 15 ersichtlich, aus einer Chamotteröhre a, welche im Inneren durch Scheidewände in schmale Kanäle getheilt ist, von denen die mit b bezeichneten für Gas, die mit c für Luft bestimmt sind. Gas und Luft treten bei e und f ein, durchströmen die Kanäle in der Richtung der Pfeile und treten in die kleinen Oeffnungen g, um sich zur flamme zu vereinigen, welche in das zu brennende Gut hineinschlägt. In dem Ringofen sind eine ganze Anzahl solcher Brenner eingesetzt; da die Verbrennungsluft in den vorhergebrannten Kammern erwärmt wird, so arbeitet der Ofen mit erwärmter Luft.

Die Anordnung ist eine Abänderung der der Thonwaarenfabrik Schwandorf Patentirten Einrichtung (* D. R. P. Kl. 80 Nr. 8003 vom 19. December 1878). Ebenso wie diese wird auch die Dannenberg'sche Construction gut arbeiten, Jedoch dürfte die umständliche und kostspielige Einrichtung ihrer Einführung Hindernisse in den Weg legen.

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Bei Temperaturen über 1000° entsteht nur Kohlenoxyd und Wasserstoff nach der Gleichung: 2C + H2O = 2CO + H. Das Gasgemenge besteht hiernach aus gleichen Volumtheilen CO und H. Bei geringerer Hitze entsteht mehr oder weniger Kohlensäure.

Ref.

|406|

Ist unverständlich wie durch das metallische Eisen der Gehalt an CO oder CO2 beseitigt werden soll.

Ref.

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