Titel: Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266 (S. 418–429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/ar266103

Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.

(Patentklasse 6. Fortsetzung des Berichtes Bd. 265 S. 460.)

I. Rohmaterialien und Malz.

Kartoffelbau. Auf Anregung von Professor Delbrück hatte der Verein der Spiritusfabrikanten in Deutschland eine Enquête über die Verbreitung der verschiedenen Kartoffelvarietäten, die Art ihres Anbaues, die Höhe der Erträge u.s.w. veranstaltet und zu diesem Zwecke Fragebogen an seine Mitglieder versendet. Es waren im Ganzen 258 sorgfältig beantwortete Fragebogen zurückgekommen, welche sich auf 53 verschiedene Kartoffelvarietäten mit 816 Berichten aus verschiedenen Wirtschaften erstreckten und welche etwa 15000 einzelne Antworten auf die gestellten Fragen enthielten. Professor Maercker unterzog sich der mühevollen Arbeit, dieses so umfangreiche Material zu sichten und zusammenzustellen und erstattete darüber in der Generalversammlung des Vereins der Spiritusfabrikanten einen umfassenden Bericht, welcher in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887, Ergänzungsheft S. 50, veröffentlicht ist.

Aus den interessanten Zusammenstellungen, auf welche wir hier nicht näher eingehen können, zieht der Berichterstatter folgende Schlüsse: 1) Es ist aus der Enquete hervorgegangen, daſs noch der bei weitem gröſste Theil der Kartoffelbau treibenden Landwirthe an den alten Varietäten festhält, während die groſsen Fortschritte, welche die Züchtung neuer Kartoffelvarietäten gemacht hat, den Uebergang zu letzteren unter vielen Verhältnissen als vortheilhaft erscheinen lassen. 2) Es ist kein Zweifel, daſs man bei zweckmäſsiger Auswahl von ertragreichen und stärkereichen Varietäten dieselbe Stärkemehlmenge, welche man jetzt auf einer gröſseren Fläche erntet, in Zukunft auf einer erheblich kleineren Fläche ernten und die hierdurch frei werdenden Felder für den Anbau lohnenderer Feldfrüchte verwenden kann. 3) Andererseits muſs zugegeben werden, daſs für viele Verhältnisse ein groſser Theil der neueren Varietäten noch nicht genügend erprobt ist. 4) Die Frage des Saatgutwechsels muſs noch als eine vollkommen offene bezeichnet werden. 5) Ueber die Auswahl bestimmter Bodenarten für den Anbau der einzelnen Varietäten herrscht ebenfalls noch vielfach Unklarheit. 6) Ebenso sind die Fragen der Düngung und des Einflusses der Düngung auf den Stärkemehlgehalt der Kartoffeln noch nicht vollständig aufgeklärt. 7) Die Enquete hat bezüglich der zweckmäſsigsten Pflanzweite der Kartoffeln für verschiedene Bodenarten eine arg widersprechende Praxis aufgedeckt. 8) Auch die Frage der Haltbarkeit der verschiedenen Varietäten ist noch nicht vollkommen aufgeklärt.

Professor Maercker spricht den Wunsch aus, daſs die Enquete das Interesse für die weitere Förderung der Fragen des Kartoffelbaues auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiete wachrufen möchte.

Im Anschluſs hieran berichtet in derselben Zeitschrift S. 84 F. Heine- |419| Emersleben über vergleichende Anbauversuche mit verschiedenen Kartoffelsorten im J. 1886, worauf wir jedoch nur verweisen können.

Ueber einen hohen Säuregehalt der Kartoffeln berichtet E. Heſse-Czerbienschin in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Bd. 10 S. 73. Der ausgepreſste Saft der zerriebenen Kartoffeln hatte 0,4 bis 0,5° Säure, die daraus dargestellte Maische 0,7 bis 0,9° Säure, vor Zusatz der Hefe; die Vergährung war mangelhaft, die Ausbeute aber noch erträglich. Nach verschiedenen Versuchen gelang es, durch Dämpfen unter starkem Druck und hauptsächlich durch Beschleunigen des Dämpfens sowohl wie des Ausblasens, den Uebelstand zu beseitigen, so daſs die Maischen von 24¾ bis 26¾ Proc., trotz des hohen Säuregehaltes, nun auf 1,3 bis 1,8 Proc. vergohren (vgl. unser Referat 1887 265 369).

Ueber die Natur des in süſsen Kartoffeln sich vorfindenden Zuckers hat Müller-Thurgau eingehende Untersuchungen angestellt (landw. Jahrbücher Bd. 10 S. 909), welche zeigten, daſs in den süſsen Kartoffeln neben Glukose noch Rohrzucker enthalten ist. Dextrin dagegen war in den süſsen Kartoffeln nicht nachweisbar.

Ueber die Verwendung der Topinambur1) zur Spiritusfabrikalion berichtet Nafziger-Schwarzenhasel in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Bd. 10 S. 91 nach Versuchen, welche auf dem Gute des Prinzen Löwenstein in Baden angestellt wurden. Das Dämpfen fand im Henze'schen Apparat bei 2½at statt. Das in sehr bedeutender Menge angesammelte Fruchtwasser, welches bis zu 7 Proc. Zucker enthielt, wurde zum Theil vor Beendigung des Dämpfungsprozesses allmählich und vorsichtig ausgeblasen. Die Maische war anfangs durchlässig, später beim Erkalten dickflüssig- sie zeigte 15,5° Saccharometer bei 17,5°. Angestellt wurde bei 16,3°. Nach 24 Stunden stieg die Temperatur auf 25°, später bis zu 29°. Nach 68 Stunden, wo mit der Destillation begonnen wurde, war die Nachgährung noch nicht beendigt und die Maische bis auf 2 Proc. Saccharometer vergohren. Die anfangs dunkelgraue Farbe der Maische war nach der Gährung in Hellgelb übergegangen. Die Destillation ging gut von statten. 1160k Topinambur gaben 120l Spiritus von 87,8 Proc., also 10536 Literprocent; davon kommen in Abzug 525 Literprocent aus dem Hefemalz, so daſs aus der Topinambur 10011, oder für 100k Topinambur 863 Literprocent und für 1l Maischraum 6,2 Literprocent erhalten wurden. Der Spiritus wurde zu 46 M. für 10000 Literprocent verkauft, wonach sich nach Abzug der Productionskosten im Betrage von 16 M. und unter Hinzurechnung von 12,8 M. für 16hl Schlempe 100k Topinambur mit 3,69 M. verwerteten. Der Spiritus hatte einen eigenthümlichen penetranten Geruch und würde daher mehr zu industriellen Zwecken als zur Bereitung von Feinsprit geeignet sein. Die sehr geringen Ansprüche, welche die Topinambur an den Boden |420| stellt, lassen dieses Material als ein sehr beachtenswerthes erscheinen, allerdings nur für Länder, welche keine Maisehraumsteuer haben. Die Schlempe wurde vom Milchvieh gern verzehrt.

Eine Anweisung zur Verarbeitung von Dari gibt Gumbinner in der Zeitschrift für Spiritus- und Preſshefeindustrie, 1887 Bd. 8 S. 43 (daselbst nach Zeitschrift für landwirthschaftliche Gewerbe), welcher wir das Folgende entnehmen. Auf 100l Maischraum werden 25k Dari in ungeschrotenem Zustande in den Hochdruckapparat gefüllt und auf je 50k Dari 80 bis 100l kaltes Wasser zugefügt. Das Dämpfen geschieht bei 3 bis 3½at. Wesentlich ist, daſs genügend Wasser zum Dämpfen genommen wird, da der Dari stärker als Mais quillt und bei Mangel an Wasser nur eine unvollständige Lösung des Stärkemehls eintritt. Der Zuckerbildungsprozeſs verläuft wie bei anderen Getreidearten. Die Maische wird mit 17,5 bis 18,8° angestellt, in der kalten Jahreszeit mit 20 bis 21,3°. Bei niedrigen und breiten Bottichen genügt ein Steigraum von 5cm,5, bei hohen Bottichen sind 10cm erforderlich. Die Gährung muſs so geführt werden, daſs sie nach 2 bis 3 Stunden eintritt und in 30 bis 36 Stunden den höchsten Grad erreicht. Die Vergährung muſs bis auf 0,5, höchstens 1,0° Saccharometer stattfinden. Die Concentration der Maische dagegen soll 19 Proc. Saccharometer nicht übersteigen. Von Wichtigkeit ist, daſs die Hefe sehr kräftig ist und sich im höchsten Grade der Gährung befindet. Der Verfasser gibt zur Herstellung der Hefe für eine Maische von 50000 bis 75000k Dari folgende Vorschrift. In einem kleinen Dampffaſs werden zu jeder Maische etwa 100k Kartoffeln gedämpft, in das Hefegefäſs geschüttet, zerstampft, mit etwa 30l Wasser von 70° übergössen und unter fortwährendem kräftigen Durchrühren 30k Grünmalz hinzugesetzt. Nach sorgfältigem Durchmischen fügt man noch 60l Wasser von 75° hinzu, jedoch in kleinen Mengen und unter beständigem Durchrühren. Der letzten Portion Wasser setzt man 0l,25 Phosphorsäure hinzu. Man läſst 1 Stunde zur Zuckerbildung stehen, versetzt in Gährung, nimmt die Mutterhefe ab und verfährt wie gewöhnlich.

Ueber die Zerkleinerung des Rohmaterials für die Preſshefefabrikation und über die Anwendung des Desintegrators hierzu, berichtet Schrohe in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Ergänzungsheft S. 28. Für die höchste Ausbeute an Alkohol und Hefe ist die Art der Zerkleinerung von groſsem Einfluſs. Während das Innere des Getreidekorns so fein wie möglich zerkleinert werden muſs, um eine gute Aufschlieſsung des Stärkemehls zu erzielen, kommt es bei den Schalen darauf an, daſs dieselben nur bis zu einem gewissen Grade zerkleinert werden. Eine zu geringe Zerkleinerung derselben ist mit einem Verlust an Hefe verbunden, weil die groben Schalen auf der gährenden Maische eine Decke bilden, unter welcher viel Hefe verborgen bleibt, welche nicht durchbrechen kann. Eine zu feine Zerkleinerung dagegen ist von Nachtheil |421| für die Güte der Hefe, indem ein Theil der Schalen in die Hefe hineingelangt, mit dieser abgeschöpft wird und so die Hefe verunreinigt. Das früher übliche Zerkleinerungsverfahren durch Mahlsteine hatte immer den Nachtheil, daſs ein Theil der Schalen zu fein zerkleinert wurde. Viel zweckmäſsiger zum Zerkleinern ist der Walzenstuhl, welcher vor den Mahlsteinen den Vortheil hat, daſs die Schale nicht zerkleinert wird, ferner daſs das Material nicht so stark erhitzt wird. Dagegen ist der Walzenstuhl ungeeignet zum Zerkleinern von nassem Material. Dieses ballt sich zusammen und muſs erst nochmals zerkleinert werden, wozu in den Mühlen der Desintegrator benutzt wird. Dieser Apparat ist nun neuerdings von C. G. W. Kopler in Berlin so vervollkommnet, daſs man ihn allein, ohne Anwendung von Mahlsteinen oder Walzenstuhl, zum Zerkleinern des Rohmaterials verwenden kann. Ein solcher, in der Preſshefefabrik von Gebr. Ruth in Pritzwalk aufgestellter Apparat soll sich vorzüglich bewähren.

II. Dämpfen und Maischen.

Die Frage: In welcher Höhe das Ausblaserohr am zweckmäſsigsten anzubringen ist, hat zu mehrfachen Versuchen in der Praxis Veranlassung gegeben, über welche in der Zeitschrift für Spiritusindustrie berichtet wird. Schon im J. 1884 hatte Delbrück empfohlen, das Ausblaserohr im Henze-Apparat so niedrig in den Exhaustor einmünden zu lassen, daſs die Kartoffeln direkt in die Maische hineingeblasen werden. Durch diese niedrige Stellung des Ausblaserohres soll vor Allem die bei hoher Stellung durch das Herumschleudern der ausgeblasenen Masse in den Exhaustor so sehr beschwerliche und zeitraubende Reinigung des Exhaustors vermieden werden. Es gelingt dieses auch vollständig, jedoch hat die niedrige Stellung wiederum den Nachtheil, daſs der Exhaustor weniger zur Wirkung kommt und daher die Maische nicht genügend abgekühlt wird. Dieses ist unter Umständen die Veranlassung zu einem Mehrverbrauch an Malz. Man darf daher mit dem Niedrigerlegen des Ausblaserohres auch nicht zu weit gehen. E. Heſse-Czerbienschin hat zur Ermittelung der zweckmäſsigsten Höhe mehrfache Versuche angestellt (die genannte Zeitschrift 1886 Bd. 9 S. 488 und 1887 Bd. 10 S. 15), welche zu einem sehr günstigen Resultat führten, als das Ausblaserohr 35cm über dem Deckel des Vormaischbottichs angebracht wurde. Bei dieser Höhe kann das Ausblasen ebenso schnell von statten gehen, als wenn das Rohr 1 bis 2m über dem Deckel sich befindet, indem der Exhaustor noch vollkommen im Stande ist, den mitausströmenden Dampf fortzuschaffen, so daſs derselbe nicht in den Vormaischbottich gelangen und dort eine Ueberhitzung des Malzes veranlassen kann. Bei einer viel niedrigeren Lage, nämlich von 15cm, dagegen besaſs der Exhaustor nicht mehr die Kraft, den Dampf abzusaugen und fortzuführen. Eine Höhe von 35cm ist aber auch vollständig ausreichend, um die Uebelstände des schwierigen und zeitraubenden Reinigens zu |422| beseitigen, welche mit einer höheren Stellung des Ausblaserohres von 1 bis 2m verbunden sind. Weitere Beobachtungen und Vorschläge über die zweckmäſsigste Höhe des Ausblaserohres theilt E. Brauer mit (die genannte Zeitschrift 1887 Bd. 10 S. 46).

Die Frage: Wie hoch dürfen sich die Maischen erwärmen? hat ebenfalls zu eingehenden Erörterungen und Versuchen sowohl von Seiten der Praxis, wie der Wissenschaft neuerdings Veranlassung gegeben. In einem mit D unterzeichneten Aufsatz werden in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Bd. 10 S. 59 die allgemeinen Gesichtspunkte, welche für die Entscheidung der obigen Frage maſsgebend sind, erörtert. Es ist bekannt, daſs Dickmaischen nur mit Anwendung der Bottichkühlung zweckmäſsig verarbeitet werden können. Ueber die höchste Temperatur, bis zu welcher sich die Maischen erwärmen dürfen, gehen aber die Ansichten in der Praxis noch sehr weit aus einander. So lieſs man früher die Selbsterwärmung nicht selten bis auf 32,5° gehen, während man neuerdings eine niedrigere Temperatur im Allgemeinen für richtiger hält und 27 bis 28° als Grenze betrachtet. Man hält die niedrigere Temperatur für richtiger, seitdem man weiſs, daſs der Alkohol, sowie die anderen bei der Gährung sich bildenden Stoffe gährungshemmend auf die Hefe einwirken, und man nimmt an, daſs diese nachtheilige Wirkung mit steigender Temperatur zunimmt. Von diesem Gesichtspunkt aus müſste man mit der Temperatur so weit als möglich zurückgehen. Dem steht aber entgegen, daſs mit dem Sinken der Temperatur auch die Gährthätigkeit der Hefe abnimmt, was besonders bei alkoholreichen Maischen zu befürchten ist. Es muſs daher die Temperatur so regulirt werden, daſs die Hefe noch möglichst angeregt wird und andererseits eine Schädigung derselben durch die Gährungsproducte auch noch nicht eintritt. Es ist sehr wahrscheinlich, daſs die günstigste Temperatur bei Dickmaischen niedriger liegen wird, als bei Dünnmaischen, weil bei den hochprocentigen Maischen sich mehr schädliche Gährungsproducte bilden. Für Dickmaischen wird voraussichtlich eine Temperatur von 27 bis 28° die geeignetste sein. Es kommt für die Entscheidung der Frage ferner der Verlust an Alkohol durch Verdunstung in Betracht. Derselbe wird natürlich um so mehr zu befürchten sein, je höher die Temperatur und je concentrirter die Maische ist.

In derselben Zeitschrift S. 67 berichtet Professor Delbrück über eingehende Versuche, welche zur Entscheidung der Frage von Dr. Foth auf seine Veranlassung ausgeführt wurden. Zu diesen Versuchen diente eine Rohrzuckerlösung (30g in 100cc), welche mit Asparagin und Nährsalzen versetzt wurde. In 5 Versuchen wurden je 400cc dieser Lösung mit 5g Preſshefe versetzt, bei 16,3° zur Gährung angestellt und die Temperatur so gesteigert, daſs dieselbe nach 22 Stunden in den 5 Maischen 25, 27,5, 30, 32,5 und 35° betrug. Nach 3 Tagen wurde die Gährung unterbrochen. Das Resultat war folgendes:

|423|
Nr. Höchste
Temperatur
Saccharometer-
anzeige der
süſsen Maische
Kohlensäure-
verlust
Scheinbare
Saccharometer-
anzeige der
vergohrenen
Maische
Wirkliche
Saccharometer-
anzeige in der
vergohrenen
Maische
Alkohol Alkoholmenge
aus 1 g ver-
gohrenem
Extract
Literprocent
für 1 Kilo ver-
gohrenen
Zuckers
° B g ° B ° B Vol.-Proc. cc
1 25 27,75 48,7 1,25 6,3 15,9 0,6466 64,7
2 27,5 27,75 50,5 0,45 5,6 16,3 0,6438 64,4
3 30 27,75 48,6 1,8 6,5 15,55 0,6376 63,8
4 32,5 27,75 46,3 3,45 7,9 14,7 0,6420 64,2
5 35 27,75 42,9 5,45 9,7 13,5 0,6439 64,4

Die täglich bestimmten Kohlensäureverluste zeigt folgende Tabelle:


Nr.
Kohlensäureverlust
a
des ersten Tages
(18,5 Stunden)
b
des zweiten Tages
(23 Stunden)
c
des dritten Tages
(24 Stunden)

Summe von
a, b, c
g g g g
1 15,6 20,5 12,6 48,7
2 15,3 24,8 10,4 50,5
3 15,4 27,0 6,2 48,6
4 16,0 26,8 3,5 46,3
5 16,2 24,8 1,9 42,9

Das günstigste Resultat ergab also die Maische Nr. 2, welche auf 27,5° gehalten wurde; diese weist den gröſsten Kohlensäureverlust, die beste Vergährung und den höchsten Alkoholgehalt auf. Die Maischen Nr. 1 und Nr. 3 zeigten schon ein wesentlich schlechteres Resultat und die Maischen Nr. 4 und 5 zeigen, wie mit steigender Temperatur die Schädigung der Währung schon ganz bedeutend zunimmt; die schlechteste Maische Nr. 5 zeigt gegen die beste Nr. 2 einen Unterschied von 5 Proc. in der Vergährung und von 2,8 Proc. im Alkoholgehalt. Die Bestimmungen des Kohlensäureverlustes geben auch Aufschluſs über die Ursache der groſsen Unterschiede. Die Angährung ist bei allen 5 Maischen sehr gleichmäſsig verlaufen, mit der Steigerung der Temperatur am zweiten Tage treten nun aber die groſsen Unterschiede auf. Die Maische Nr. 1, mit der niedrigsten Temperatur, zeigt den geringsten Fortgang der Gährung, während den stärksten Fortgang die Maischen Nr. 3 und 4 aufweisen. Für die Hauptgährung war also die höhere Temperatur von 30 und 32,5° günstiger, bei der Nachgährung dagegen zeigen sich die Maischen mit niedrigerer Temperatur weit überlegen. Die beiden Maischen Nr. 1 und 2 befanden sich bei Beendigung des Versuches noch in lebhafter Gährung, so daſs anzunehmen ist, daſs dieselben am vierten Tage noch eine weitere Vergährung gezeigt haben würden, wobei vielleicht Nr. 1 die Maische Nr. 2 noch eingeholt hätte. Es geht hieraus hervor, daſs die niedrige Temperatur von 25° durchaus nicht schädlich wirkte, daſs aber bei dieser Temperatur die Arbeit der Hefe eine zu langsame war, um in der gesetzlichen Frist von 72 Stunden eine gute Vergährung zu bewirken. Es ist aber die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daſs bei |424| vermehrtem Hefezusatz auch eine Temperatur von 25° noch ausreichend sein würde. Jedenfalls hat sich 27,5° als die geeignetste Temperatur erwiesen. Die höheren Temperaturen dagegen wirkten geradezu schädigend, indem die Nachgährung mehr oder weniger ausblieb.

Wie die Zahlen über die Ausbeute für 1 Kilo vergohrenen Zuckers zeigen, war die Reinlichkeit der Gährung bei allen Versuchen eine gute, woraus hervorgeht, daſs bei den niederen und höheren Temperaturen keine wesentlich anderen Zersetzungen stattgefunden haben als bei den mittleren; auch Nebengährungen sind nicht zu verzeichnen. Bacterien wurden überhaupt nicht beobachtet.

Da Verluste an Alkohol durch die Art der Anstellung der Versuche ausgeschlossen waren, so kann die beobachtete Schädlichkeit der höheren Temperaturen nur auf die Hemmung der Gährthätigkeit der Hefe zurückgeführt werden. Obwohl nun die Resultate dieser im Kleinen und mit Rohrzucker ausgeführten Versuche nicht ohne Weiteres auf die Praxis übertragen werden können, so ist doch die Vermuthung gerechtfertigt, daſs im Groſsbetriebe, in Folge der dort unvermeidlichen Alkoholverdunstung, die höheren Temperaturen noch bedeutendere Schädigungen hervorbringen werden.

Im Anschluſs an diese Beobachtungen Delbrück's theilt A. Hesse-Marzdorf an derselben Stelle seine Erfahrungen aus der Praxis mit Derselbe hat gefunden, daſs es hauptsächlich darauf ankommt, die Nachgährung lange auszudehnen und während derselben eine niedrige Temperatur von 25 bis 27,5° einzuhalten, während bei der Hauptgährung die Temperatur zwischen 30 und 31,3° schwanken kann.

An derselben Stelle berichtet Schrader-Sommerschenburg, daſs er seit längerer Zeit mit der höchsten Temperatur von 28,8° arbeitet und sehr gute Erfolge erzielt.

Von anderer Seite (dieselbe Zeitschrift S. 73) wird für die Hauptgährung eine Temperatur zwischen 25 und 30°, für die Nachgährung eine solche von 30 bis 25 als die geeignetste bezeichnet. Im Gegensatz zu den Mittheilungen von Hesse ist Böhme-Gurzlow der Ansicht, daſs es besser ist, die Hauptgährung bei niedriger Temperatur verlaufen zu lassen, nämlich bei 22,5 bis 24°, und die Nachgährung bei höherer Temperatur, jedoch nicht über 28°. Die niedere Temperatur bei der Hauptgährung soll den Vortheil haben, eine zu schnelle Erwärmung der Maische zu verhindern, welche eine weitere Regulirung der Temperatur sehr erschwert.

Endlich berichtet Heinzelmann (S. 88) bei Gelegenheit eines Vortrages nach allgemeinen Ausführungen über das Dickmaischverfahren über seine Beobachtungen zu der vorliegenden Frage. Derselbe hat als höchsten Erwärmungsgrad 30° vorgeschrieben, jedoch bei 28,8° auch niemals, dagegen bei 31,3° öfter Verluste beobachtet. Um die Hefe vor der schädlichen Einwirkung des Alkohols zu schützen, empfiehlt derselbe |425| bei Dickmaischen am zweiten Tage Abends oder spätestens am dritten Tage früh einen Wasserzusatz, welcher von der Steuerbehörde in der Regel gestattet wird.

Ueber Versuche mit dem Apparat zum Entschälen und Reinigen der Maische von E. Müller in Bromberg (vgl. 1887 265 414) berichtet G. Heinzelmann in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Bd. 10 S. 1, 88 und Ergänzungsheft S. 32. Durch diesen Apparat werden Schalen, Stroh und andere Verunreinigungen von der flüssigen Maische getrennt und durch eine Preſsvorrichtung von anhängender Maische befreit. Aus einem Bottich von etwa 3000l Inhalt werden 100 bis 150k Treber durch diesen Apparat abgesondert. Dieselben enthalten noch etwa 85 Proc. Maische und stellen ein vorzügliches Futtermittel dar. Durch das Entfernen der Treber wird die Maische dünnflüssiger und daher der Steigraum geringer; bei den Versuchen genügte für die von Trebern befreite Maische ein Steigraum von 5 Proc., während die Treber haltige Maische 10 Proc. erforderte. In Folge dessen können auf einen Bottich von 3000l Inhalt etwa 250k Kartoffeln mehr eingemaischt werden. Die so behandelten Maischen gähren sehr schnell an und kommen nach wenigen Stunden in Bewegung. In Folge der gröſseren Menge verarbeiteter Kartoffeln wird die Ausbeute um ½ bis 1 Proc. höher. Auch ist die Vergährung dieser Maischen oft besser als diejenige der nicht mit dem Apparat behandelten. Ein weiterer Vortheil besteht darin, daſs jede Verstopfung von Rohrleitung, Pumpen, Destillirapparaten u.s.w. ausgeschlossen ist. Dagegen zeigte sich, daſs die enttreberten Maischen eine gröſsere Kühlzeit in Anspruch nehmen. Durch Einlegen von pfropfenzieherartig gebundenen Blechstreifen in die einzelnen Rohre des Kühlers kann diesem Uebelstand jedoch nicht nur abgeholfen werden, sondern es wird dadurch auch die Kühlfähigkeit der Röhrenkühler noch erhöht. Da die durch den Apparat ausgeschiedenen Rückstände, wie erwähnt, noch Maische einschlieſsen, so findet natürlich ein Verlust an gährungsfähigem Material und damit auch an Alkohol statt. Dieser Verlust wird jedoch durch den höheren Alkoholgehalt der Maische und durch die bessere Ehrung vollständig gedeckt und man hat durch die Möglichkeit, etwa 250k Kartoffeln für 1 Bottich mehr maischen zu können, noch den Vortheil, die Rückstände von diesen mehr gemaischten Kartoffeln als Futter zu erhalten.

Der Apparat wird besonders da von Bedeutung sein, wo man nicht mindestens über 24procentige Kartoffeln verfügen kann. Je mehr Kartoffeln in einem und demselben Raum gut vergohren werden können, um so höher wird die Verwerthung derselben sein. Die Rechnung stellt sich wie folgt: Auf einen Bottich sollen mit reichlichem Malz in einem Falle 2600k Kartoffeln mit 20 Proc. Stärke mit den Schalen, im anderen Falle aber 2850k Kartoffeln mit 25 Proc. Stärke, mit demselben Malz, jedoch ohne die Schalen, eingemaischt werden; in beiden Fällen seien |426| für 1 Kilo Stärke 60 Literprocent bei denselben Unkosten gezogen; dies gibt dann zu Gunsten der einschalten Maischen 20 × 2,5 × 60 = 3000 Literprocent Spiritus mehr vom Bottich, oder – 10000 Literprocent Spiritus zu 36 M. gerechnet – für 250k Kartoffeln 10,80 M., oder die Verwerthung von 50k mehr auf den Raum gemaischter Kartoffeln hat 2,16 M. betragen.

Auch in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 10 S. 68 und 69 wird bestätigt, daſs es möglich ist, mit Hilfe des Apparates den Steigraum nicht unbeträchtlich zu verringern. Dagegen wurde bei Versuchen, welche Mankiewicz-Falkenrehde ausführte, eine Verbesserung der Vergährung nicht beobachtet. Es wird darauf hingewiesen, daſs aber eine Besserung der Vergährung durch das Entschälen der Maischen auch nur dann zu erwarten ist, wenn man die Maischen mit sehr starkem Trebergehalt verarbeitet, also insbesondere bei sehr concentrirten Maischen, welche aus stärkearmen Kartoffeln hergestellt sind. Es ist immer zu bedenken, daſs ein gewisser Trebergehalt in den Maischen nothwendig ist und es ist demnach erklärlich, daſs man früher bei Verarbeitung sehr dünner Maischen durch das Enttrebern keine Vortheile, sondern eher Nachtheile hatte, während man jetzt, bei Verarbeitung sehr concentrirter Maischen, welche ein Uebermaſs von Trebern enthalten, durch Entfernung eines Theiles der Treber sehr wohl eine bessere Ausbeute erzielen kann.

Eine Prüfung des Maischverfahrens von Cuisinier führte Saare in der Brennerei zu Falkenrehde aus und berichtet darüber in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Ergänzungsheft S. 33. Dieses Verfahren (vgl. 1886 259 511) bezweckt bekanntlich eine vollständige Umwandlung des Stärkemehles in Maltose. Dieses wird erreicht, indem man das Malz zum Theil bei höherer Temperatur (69 bis 75°) zur Verflüssigung des Stärkemehles, zum Theil bei niederer Temperatur (50°) zur Zuckerbildung einwirken läſst.

Es war schon früher bekannt, daſs die vollständige Umwandelung des Stärkemehles in Maltose nach diesem Verfahren nur bei wenig concentrirten Maischen gelingt, und es stand daher zu erwarten, daſs die Versuche mit Dickmaischen ein wenig befriedigendes Resultat ergeben würden. Dies hat sich denn auch bei den Versuchen von Saare bestätigt. Es zeigte sich, daſs das Verfahren von Cuisinier zur Zeit unter den Verhältnissen, welche wir jetzt in Deutschland in der Brennerei haben, wenig Aussicht hat, mit Nutzen eingeführt zu werden, einmal, weil der richtige Zuckerbildungsgrad in den Dickmaischen nicht erzielt werden kann, andererseits, weil der Malzauszug zu viel Stärke zurückhält, welche nicht zur Verflüssigung und Umwandelung in Zucker kommt, und endlich, weil der Mehrverbrauch an Arbeitszeit und der dadurch bedingte Mehrverbrauch an Arbeitskraft in keinem Verhältniſs zu dem wirklich erzielten Resultat steht.

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Ueber Bereitung und Vergährung concentrirter Maischen macht Prof. Delbrück in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1887 Ergänzungsheft S. 29 sehr interessante Mittheilungen, denen wir hier das Folgende entnehmen. Der Schwerpunkt für die Rentabilität der Brennerei liegt heut zu Tage in der Herstellung möglichst hochconcentrirter Maischen. Wenn es gelingt, die Ausbeute ohne Verwendung von mehr Material um 1 Proc. zu steigern, so würde dadurch eine Verbilligung der Production um mindestens 2 M. erreicht werden. Die Herstellung concentrirter Maischen ist in erster Linie abhängig von dem Stärkegehalt des Rohmaterials, und es muſs daher das Bestreben sein, möglichst stärkemehlreiche Kartoffeln zu produciren. Jedoch auch aus geringwertigerem Rohmaterial ist die Herstellung hochprocentiger Maischen möglich. Hierzu ist das Hauptaugenmerk auf die Beseitigung überflüssigen Wassers zu richten. Es ist in Erwägung zu ziehen, durch Trocknen aus geringwerthigen Kartoffeln einen Theil des Wassers zu entfernen. Die Versuche von Andrae, welchem es gelang, bei verletzten Kartoffeln innerhalb dreier Tage bei mäſsigen Temperaturen das Gewicht um 40 Proc. zu vermindern, gibt Anregung zu Versuchen, den in der Brennerei meist reichlich vorhandenen überschüssigen Dampf zum theilweisen Trocknen der Kartoffeln zu verwenden. Eine weitere Ersparniſs an Wasser bietet das schon in der Praxis eingebürgerte Verfahren der Bereitung von Luftmalz. Bekanntlich ist man vom Darrmalz zum Grünmalz übergegangen, da man fand, daſs letzteres viel wirksamer ist. Die neueren Erfahrungen haben aber gezeigt, daſs man bei vorsichtigem Trocknen ein Trockenmalz herstellen kann, welches in seiner Wirksamkeit dem Grünmalz nicht nachsteht. Aus 150k Grünmalz kann man 50k Wasser entfernen und damit ersparen, und es ist damit noch die Möglichkeit für die Herstellung eines sehr concentrirten Hefegutes gegeben.

In belgischen Brennereien hatte Dr. Mittenzwey die Beobachtung gemacht, daſs bei einer Einmaischtemperatur von 71° vorzügliche Resultate erzielt wurden, indem es gelang, sehr concentrirte Maischen gut zu vergähren und auch vom Rohmaterial eine sehr befriedigende Ausbeute zu erhalten. Von Delbrück ausgeführte Versuche bestätigten diese Beobachtung vollständig. Diese Beobachtung steht mit den bisherigen Anschauungen und besonders mit den Versuchen von Cuisinier, welcher für die vollkommene Umbildung der Stärke in Maltose gerade die niedrige Temperatur von 50° verwendet, im vollen Widerspruch. Eine richtige Erklärung dieses Widerspruches ist wahrscheinlich zu finden in einer Untersuchung von Paetzold (Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1882 Bd. 5 S. 127), welcher fand, daſs die Diastase gegen höhere Temperaturen um so weniger empfindlich wird, je gröſsere Zuckermengen zugegen sind. Daraus würde folgen, daſs man ohne Schädigung der Diastase um so höher mit der Maischtemperatur gehen kann, je concentrirter die Maische ist. Es würde dieses die günstigen Erfolge bei Dickmaischen durch |428| Anwendung der hohen Temperatur, wie sie in Belgien üblich ist, erklären, andererseits aber auch die niedrige Temperatur bei dem Verfahren von Cuisinier rechtfertigen, welches bekanntlich nur bei sehr geringer Concentration der Maischen von Erfolg ist. Wenn es sich in der Praxis bestätigt, daſs Dickmaischen bei hoher Temperatur mit Vortheil verarbeitet werden können, so würde dieses Verfahren noch den weiteren groſsen Vorzug haben, daſs durch die Anwendung der höheren Temperatur um so sicherer eine Abtödtung der schädlichen, die Nebengährungen veranlassenden Organismen bewirkt werden würde.

Verfasser erwähnt weiter die Centrifugalmaischapparate und die Maischapparate mit horizontaler Achse, z.B. von Retter und d'Heureuse-Schmetzdorf (vgl. 1887 265 231), welche sich jetzt als Concurrenten gegenüber stehen, und bemerkt, daſs auch die Centrifugalmaischapparate im Stande sind, bis 30procentige Maischen zu verarbeiten.

Die günstigen Beobachtungen, welche Heinzelmann mit dem Müller'schen Entschälungsapparat (vgl. S. 425 d. Bd.) gemacht hat, veranlassen den Verfasser, näher einzugehen auf den Einfluſs, welchen die Treber auf die Gährung ausüben, sowie überhaupt auf die Gährungsführung der concentrirten Maischen. Der Verfasser hatte früher die Beobachtung gemacht, daſs zur Vergährung concentrirter Maischen eine Bewegung nothwendig sei, welche durch Anwesenheit von Trebern in der Maische bewirkt wird (vgl. unser Referat 1887 263 530). Bei diesen Versuchen hatte sich auch gezeigt, daſs die Kohlensäure nachtheilig auf die Gährung wirkt und daſs die möglichst schnelle Entfernung derselben von Vortheil ist. Die Kohlensäure hat aber noch eine andere nachtheilige Eigenschaft. Dieselbe nimmt nämlich, wenn sie aus der Maische entweicht, eine gewisse Menge Alkohol mit. Hierüber angestellte Versuche zeigten, daſs hierdurch ein Verlust von etwa 0,2 Proc. Alkohol entsteht. Dieses war der Fall, wenn die Gährgefäſse vor Luftzutritt bewahrt wurden. In anderen Versuchen, bei welchen über die Gährflüssigkeit Luft hinüber geleitet wurde, um dadurch die in der Praxis obwaltenden Verhältnisse nachzuahmen, wurden bei einer Gährtemperatur von 25° 0,5 Proc. Alkohol und bei einer Gährtemperatur von 34° sogar fast 1 Proc. Alkohol in der Luft gefunden. Durch die entweichende Kohlensäure findet also ein gar nicht unerheblicher Verlust an Alkohol statt, welcher sich noch steigert, sobald die Temperatur eine höhere wird. Dieser Verlust gibt auch eine Erklärung für die sogen. Unreinlichkeit der Gährung, deren Grund man vielfach in Nebenproducten suchen wollte, welche sich aber in der Maische nicht nachweisen lieſsen. Daſs die Verdunstung von Alkohol der Grund dieser Unreinlichkeit der Gährung sei, darauf macht schon Maercker in seinem Handbuch aufmerksam.

Ein sehr interessantes Resultat gab noch der folgende Versuch. Es wurde ein Gefäſs mit Wasser von einem bestimmten Alkoholgehalt bei 25° der Verdunstung überlassen und es zeigte sich hierbei, daſs der |429| Alkohol auſserordentlich schnell verschwand, indem 5,5 Proc. Alkohol verdunsteten. Als nun diese Flüssigkeit durch Zusatz von Trebern consistenter gemacht wurde, betrug die Verdunstung nur 3 Proc. Alkohol. Die Gegenwart der Treber hatte also den Alkoholverlust bedeutend vermindert.

Versuche, welche der Verfasser über die Verdunstung des Alkohols in der Brennerei zu Falkenrehde ausführte, in der Art, daſs der Gährbottich mit einem kupfernen Deckel bedeckt und darüber kaltes Wasser geleitet wurde, ergaben jedoch kein befriedigendes Resultat, indem nur eine ganz geringe Mehrausbeute an Alkohol von 0,2 bis 0,3 Proc. dadurch erzielt wurde. Verfasser erklärt dies dadurch, daſs es sehr schwer hält, der entweichenden Kohlensäure den Alkohol, welchen sie mit sich führt, wieder zu entziehen, und daſs dieses nur gelingen würde, wenn man die Kohlensäure vollständig durch Wasser hindurchleitete. Verfasser macht aber darauf aufmerksam, daſs die höheren Ausbeuten, welche man bei Anwendung der Gährbottichkühlung erhält, wenigstens zum Theil auch dadurch bedingt werden, daſs durch die niedere Temperatur der Verlust an Alkohol durch Verdunstung vermindert wird. In Betreff der Treber hebt Verfasser nochmals hervor, daſs eine gewisse Menge von Trebern in der Maische nothwendig ist, um eine Belegung und Reibung der Hefezellen an einander hervorzubringen, ferner, um der Maische die nöthige Consistenz zu geben, damit sie nicht zu leicht circulirt, wodurch eine zu starke Verdunstung veranlaſst wird. Ein Uebermaſs von Trebern dagegen würde eine solche Consistenz erzeugen, daſs die Bewegung zu gering wird. Es kommt also darauf an, nur einen gewissen Trebergehalt in der Maische herzustellen, und zwar wird man bei concentrirten Maischen durch theilweise Entfernung der Treber einen Erfolg haben, wie dieses auch die Versuche von Heinzelmann mit dem Müller'schen Apparat zeigten, während bei ganz dünnen maischen die Gegenwart gewisser Mengen von Trebern zur Vermeidung der Alkoholverdunstung nothwendig ist und daher die Entfernung derselben nach bekannten älteren Erfahrungen von Nachtheil ist.

Ueber günstige Erfolge mit Trockenmalz berichtet v. Tiedemann-Kranz (daselbst S. 34). Derselbe wendet lufttrockenes Malz seit 12 Jahren mit bestem Erfolge an und empfiehlt dasselbe hauptsächlich in den Fällen, wo nicht vollständig normale Lokalitäten zur Erzeugung von Grünmalz vorhanden sind. Er gibt dem Luftmalz den Vorzug gegen Darrmalz, weil es bei Bereitung des letzteren immer groſser Sorgfalt bedürfe, damit Temperatur nicht doch einmal eine Höhe erreicht, welche dem Malz von Nachtheil ist. Das Luftmalz wird am zweckmäſsigsten auf der Malzquetsche zerkleinert.

Morgen.

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Ueber die Zusammensetzung der Topinambur vgl. 1887 265 368.

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