Titel: Beleuchtungsanlage in Luzern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266 (S. 589–590)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/ar266143

Beleuchtungsanlage in Luzern mit Inductoren von Zipernowski und Deri.

Mit Abbildungen.

Zur elektrischen Beleuchtung des Schweizerhofes und des Luzernerhofes in Luzern haben Ganz und Compagnie in Budapest Inductoren (Transformatoren) von Zipernowski und Deri benutzt, deren Patent sie übernommen haben. Nach Genie civil, 1887 Bd. 11 * S. 439 wird die Elektricität aus einer Entfernung von nahezu 5km herbeigeleitet. Es stehen nämlich in Thorenberg 2 Turbinen von je 300e und treiben 2 Wechselstrom-Dynamomaschinen, die bei 250 Umläufen jede einen Strom von 35 bis 38 Ampère und 1800 Volt liefern, also jede 1800 Glühlampen zu 10 Kerzen bei 35 Volt-Ampère speisen können. Nur eine Maschine wird gebraucht, die andere steht in Vorrath.

Von Thorenberg nach Luzern führen in der Luft vier nicht isolirte Drähte von 6mm Dicke aus elektrolytischem Kupfer.

In Thorenberg selbst liefert ein kleiner Inductor den Strom für 15 Glühlampen zur Erleuchtung der Centralstation.

2400m davon beleuchtet ein Inductor von 1400 Volt-Ampère, der für 40 Lampen ausreicht, die Mühle von Troller und Compagnie.

Noch 2200m weiter entfernt liegen die beiden Gasthöfe Schweizerhof und Luzernerhof, die zusammen 7 Inductoren von 7000 Volt-Ampère besitzen, deren jeder 200 Glühlampen von 10 Kerzen speisen kann.

Auch einige andere Gasthöfe wünschen noch Anschluſsleitungen zur Lieferung elektrischen Lichtes.

Die Inductoren von Zipernowski und Deri (vgl. Enuma, 1884 251 * 22. Gaulard und Gibbs, 1883 248 258. 1884 251 431. Hottenroth, 1884 252 459) lassen die Verwendung von primären Strömen von 1800 bis 2000 Volt Spannung zu und fordern daher nur verhältniſsmäſsig dünne und billige Leiter. Die Inductoren aber liefern in die Häuser nur secundäre |590| Ströme von der ungefährlichen Spannung von 100 Volt und weniger. Der Nutzeffect der Inductoren wird zu etwa 95 Proc. angegeben.

Fig. 1., Bd. 266, S. 590
Fig. 2., Bd. 266, S. 590
Fig. 3., Bd. 266, S. 590

Fig. 1 bildet die perspectivische Abbildung eines solchen Inductors, Fig. 2 zeigt denselben im Schnitt, Fig. 3 im Grundriſs. Die Drähte I und I', welche vom inducirenden Strom durchlaufen werden, haben 1mm,5 Durchmesser, die für den secundären Strom bestimmten II und II' dagegen 6mm. Diese Drähte sind von Kupfer und isolirt; sie sind entweder kreisförmig oder in anderer Form gewickelt und mit einem mit Gummilack getränkten, isolirenden Gewebe umwickelt; endlich werden sie von feinen und isolirten Eisendrähten umgeben, welche so dicht als möglich darum gewickelt werden und die als Schutzhülle noch ein isolirendes Baumwollengewebe besitzen. Diese Inductoren haben hiernach noch dieselbe Anordnung wie früher, in der sie u.a. in der Zeitschrift für Elektricitätslehre, 1885 * S. 421 und 1886 * S. 303 beschrieben worden sind. Bezeichnend für diese Inductoren ist, daſs sie einen in sich zurücklaufenden Ring bilden, der keine Pole besitzt und geschlossen ist, wie der Ankerring in der Gramme'schen Maschine.

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