Titel: Angebliches Mittel zur Verhütung von Ruſs- und Theeransatz in den Steigrohren der Gaswerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266/Miszelle 6 (S. 95–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/mi266mi02_6

Angebliches Mittel zur Verhütung von Ruſs- und Theeransatz in den Steigrohren der Gaswerke.

Im Journal des Usines à Gaz 1887 Bd. 11 S. 3 erschien die Mittheilung, daſs die Redaction ein Fabrikat erhalten habe, welches die Verstopfungen der Steigrohre in Gaswerken verhindern solle. Bekanntlich ist das Durchstoſsen der Steigrohre, in welchen sich bei der Vergasung mancher Kohlen, besonders der schweren Cannelkohle, dicke Ruſs- und Theerknollen ansetzen, eine der unangenehmsten Arbeiten der Gaswerke; ein Mittel, solche Verstopfungen zu verhüten, müſste daher jedem Gasfabrikanten willkommen sein. Auf die Bestellung des erwähnten Mittels (Anti-Brai genannt, System P. Greyson und A. Verly) bei M. J. Greyson, 10, avenue de l'Opéra à Paris, sandte diese Firma kleine braune Röllchen, zum Preise von 4 M. für 20 Stück. Ein solches wird in das Mundstück der Retorte gelegt, der Steigrohrdeckel geöffnet und der Deckel lose zugeklappt, worauf dasselbe nach einigen Minuten verkohlt ist. Alsdann soll der Theer und Ruſs leicht entfernt werden können. Verdampft man nun alle 15 bis 20 Tage ein solches Röllchen, so bleibt das Rohr nach Angabe des Lieferanten dauernd rein.

Der Versuch wurde wiederholt mit alten und neuen Steigrohren gemacht, das erhoffte Resultat aber blieb aus; in kurzer Zeit war der Ruſs- und Theerabsatz derselbe wie zuvor.

Die Untersuchung des Anti-Brai oder Pechgegners ergab, daſs derselbe aus Haut- und Lederabfällen besteht, welche durch Leim verkittet sind. Seine Zusammensetzung ist folgende:

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Leim 6,7 Proc.
Lederabfälle, Haut, Horn 71,9
Feuchtigkeit 21,4
–––––––––
100,0 Proc

Die weiſse Asche, welche nach dem Verbrennen hinter blieb, bestand aus Kalk- und etwas Eisenphosphat.

Die Masse selbst besteht aus Abfällen von Gerbereien, welche zu diesem Zwecke verkittet und gepreſst werden. Beim Erhitzen entstehen gelbe Dämpfe von widrigem Gerüche, welche sich leicht zu einer wässerigen Flüssigkeit von ammoniakalischer Reaction und braunem Theere verdichten; dabei entwickeln sich brennbare Gase.

Vielleicht gelingt es auf anderem Wege, einen wirklichen Pechgegner herzustellen, der die Steigrohre offen hält. Den Gaswerken wäre damit ein groſser Dienst erwiesen (nach dem Journal für Gasbeleuchtung 1887 Bd. 30 S. 319).1)

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Auf der Jahresversammlung des französischen Vereins von Gasfachmännern zu Nancy sprach Jouanne über denselben Gegenstand. Der Vortragende wie auch zahlreiche andere Beobachter kamen zu demselben negativen Resultat wie Schiele.

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