Titel: Veränderung von sog. Wachstaffet beim Lagern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266/Miszelle 6 (S. 237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/mi266mi05_6

Veränderung von sog. Wachstaffet beim Lagern.

Gelegentlich einer Revision der in verschiedenen Städten und Festungen Frankreichs für den Mobilisirungsfall aufgespeicherten Verbandmaterialvorräthe wurde die Wahrnehmung gemacht, daſs der sogen. Wachstaffet, wenn er nicht an absolut trockenen Orten aufbewahrt war, sich verdorben und brüchig zeigte. Der betreffende Stoff wird erhalten durch wiederholtes Bestreichen einer feinen Gaze mit gekochtem Leinöl und jedesmaligem Trocknenlassen an der Luft. Balland fand nun, daſs beim Ausziehen des verdorbenen Stoffes mit Wasser sich in diesem bedeutende Mengen sowohl organischer Säuren als auch besonders von Schwefelsäure lösten. Balland ist der Ansicht, daſs die Schwefelsäure durch Verwendung eines mit Hilfe von Metallsulfaten hergestellten gekochten Leinöles in den Stoff gelangt sei. Durch lang andauernde Einwirkung der Feuchtigkeit fand eine Zerlegung der Sulfate unter Freiwerden von Schwefelsäure statt, welche die Zerstörung des Gewebes bewirkte. Balland empfiehlt deshalb die Anwendung eines anders bereiteten Oeles zur Wachstaffetfabrikation oder für Malereizwecke. (Journal de Pharmacie et de Chimie, 1887 Bd. 15 S. 18 nach Archiv der Pharmacie, 1887 Bd. 225 S. 270.)

[Einfacher dürfte das Auftreten der Schwefelsäure durch die Annahme zu erklären sein, daſs zur Herstellung des Wachstaffets mit Schwefelsäure gereinigtes Leinöl benutzt wurde, welches – absichtlich oder unabsichtlich – nicht völlig von dieser Säure befreit worden war. Das zur Bereitung weiſser Oelfarbe mittels Bleiweiſs dienende, mit Schwefelsäure gereinigte Leinöl wird nicht immer vollständig gewaschen, da ein geringer Gehalt an Schwefelsäure das Gelbwerden der Farbe verhindern soll. Vgl. Muspratt's Handbuch der technischen Chemie III. Auflage Bd. 2 S. 1495.]

K.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: