Titel: Kandiszucker ein Winterfutter für Bienen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266/Miszelle 3 (S. 334–335)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/mi266mi07_3
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Kandiszucker ein Winterfutter für Bienen.

Nach Ilgen bildet Kandiszucker, richtig angewandt, ein werthvolles Winterfutter für Bienen (Deutsche landwirthschaftliche Presse, 1887 Bd. 14 Nr. 26). Schon seit einer Reihe von Jahren hat Ilgen diese Verwendung nach seinen umfassenden Versuchen und Beobachtungen empfohlen, und den vielfachen Widersprüchen seine vieljährigen Erfahrungen ohne jeden Miſserfolg entgegen gestellt. Demnach ist guter Kandis ein viel besseres Winterfutter für die Bienen, als manche Honigarten, z.B. Rapshonig, Blattlaushonig u.a. Noch niemals hat er eine bessere Ueberwinterung gehabt, als bei manchen Völkern, welche auf reinem Kandisfutter saſsen. Der Kandis war im September flüssig gereicht, 2k hellgelber Kandis mit 1l,5 Wasser aufgekocht, und niemals haben, wie viele Beobachtungen lehrten, Bienenvölker bei Kandis schlechter den Winter überstanden, als andere Völker mit dem schönsten Weiſskleehonig. Beweis genug, daſs Kandis ein sehr gutes Winterfutter ist. Auch haben sich die auf Kandis überwinterten Völker im Frühling und Sommer als sehr leistungsfähig erwiesen, wie folgende Erfahrung zeigt:

Ein kleiner Nachschwarm, der seine Korbwohnung kaum zu drei Viertheilen ausgebaut hatte und gar keinen Honig besaſs, wurde vor Jahren im September mit 2k gelöstem Kandis (= 3k,5 Flüssigkeit) gefüttert, bekam ein Glas mit hartem Kandis ins Spundloch und erhielt im Frühjahr weitere Gaben Kandis. Derselbe gab im nächsten Jahre zwei winterständige Schwärme und blieb selber winterständig. Ein Kastenvolk (Ständer) wurde mit 1k,5 hartem Kandis in einem Kästchen ohne Boden über seinem Winterlager eingewintert, so daſs der Kandis auf den Wabenhölzchen lag. Der Winter dauerte lange. Ina März waren in dem Kästchen sämmtliche lebende Bienen angehängt, ein Häuflein von der Gröſse einer Faust, einschlieſslich ein Stück Kandis, etwa doppelt so groſs als eine Wallnuſs. Wenigstens 9/10 des Volkes waren todt, verhungert; denn im ganzen Stocke fand sich kein Honig mehr. Fortgesetzte Fütterung mit flüssigem Kandis während des März, April und Mai brachte den Volksrest so empor, daſs nicht bloſs im Juli ein kräftiges Volk den ganzen Brutraum füllte, sondern dieses auch noch einige Kilogramm Uberschuſs in den Honigraum lieferte. Seine Mittheilungen schlieſst Ilgen mit dem Ausspruche: „Kandis ist ein unübertreffliches Winterfutter, mag man ihn nun im Herbst flüssig oder im Winter in fester Gestalt reichen.“

St.

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