Titel: Ein neues Isomeres des Benzols.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266/Miszelle 4 (S. 383–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/mi266mi08_4

Ein neues Isomeres des Benzols.

In den Comptes rendus, 1887 Bd. 105 S. 283, macht Friedet Mittheilung über ein in seinem Laboratorium von G. Griner dargestelltes neues Isomeres des Benzols. Der Letztere erhielt dasselbe durch Einwirkung einer alkalischen Ferricyankaliumlösung (Verfahren von Glaser, modificirt durch Baeyer) auf die Kupferverbindung des Allylens. Genannter Forscher operirte in der Weise, daſs er die alkalische Ferricyankaliumlösung auf einmal zu der Kupferverbindung gab und das Gemenge destillirte. Hierbei ging mit Wasser ein fester Körper über, der auf einem Filter gesammelt, getrocknet und abermals der |384| Destillation unterworfen wurde. Der Siedepunkt des neuen Körpers liegt bei 129 bis 130°, der Schmelzpunkt bei 64°. Die Elementaranalysen der Verbindung wiesen auf die Formel CnHn hin, durch die Dampfdichte wurde die Zusammensetzung C6H6, also die Isomerie des Körpers mit Benzol, festgestellt. Der neue Kohlenwasserstoff zeigt die Eigenschaften einer ungesättigten Verbindung. Löst man denselben in Schwefelkohlenstoff und läſst in der Kälte Brom auf ihn einwirken, so werden 4 Atome des Halogens addirt. Die Bromverbindung wird in farblosen Krystallen vom Schmelzpunkt 44° erhalten. Das neue Isomere des Benzols gibt mit ammoniakalischer Kupferoxydulsalzlösung zusammengebracht keinen Niederschlag; dieses Ausbleiben der für die Acetylenreihe so charakteristischen Reaction beweist, daſs in ihm kein Acetylenabkömmling vorliegt. Griner formulirt die Constitution des neuen Kohlenwasserstoffes nach der Art seiner Bildung wie folgt:

CH3 – C ≡ C – C ≡ C – CH3.

Ob diese Annahme gerechtfertigt ist, wird die Fortsetzung der Untersuchung zeigen, welche vermuthlich auch noch sonstiges Interessante zur Charakteristik des neuen Kohlenwasserstoffes ergeben wird.

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