Titel: Neues Pyrometer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266/Miszelle 2 (S. 431–432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/mi266mi09_2

Neues Pyrometer.

Vor einiger Zeit haben V. Meyer und Langer nachgewiesen (vgl. Wagner's Jahresbericht, 1885 S. 395), daſs der Ausdehnungscoefficient des Sauerstoffes, Stickstoffes, des Schwefligsäuregases und der Kohlensäure bis 1700° constant bleibt. Auf dieser Thatsache fuſsend, haben neuerdings V. Meyer und Mensching einen Apparat construirt, welcher dem V. Meyer'schen Dampfdichteapparat nachgebildet ist und gleichzeitig Messung hoher Temperaturen und die Bestimmung er Dampfdichte gestattet. Wie die umstehende Figur zeigt, wird das Dampfdichtebestimmungsgefäſs durch einen aus Platin hergestellten Cylinder, an welchem oben ein weites Platinrohr angesetzt ist, gebildet; neben diesem Rohre befindet sich noch eine Platincapillare, welche bis nahezu an den unteren Boden des Cylinders verläuft, und deren oberes Ende rechtwinkelig umgebogen ist. Da Platin nach den Untersuchungen von St. Clair Deville und Troost im glühenden Zustande für Wasserstoff und Flammengase vollkommen permeabel ist, dagegen für Luft ganz undurchdringlich, so wurde, um das Metall mit den Flammengasen nicht in Berührung zu bringen, das cylindrische Gefäſs von auſsen und |432| innen umgeben mit glasirten Porzellanröhren, deren unteres Ende in einen im Ofen befindlichen, mit Sand gefüllten Hessischen Tiegel hineinragte. Zur Erhitzung des Apparates diente ein groſser Perrot'scher Gasofen, oder auch ein gröſserer Schmelzofen, welche beide ein sehr gleichmäſsiges Erwärmen bis auf 1200 bezieh. 1300° zulieſsen. Die Ausführung der Temperaturmessungen mittels dieses Apparates geschah nun einfach in der Weise, daſs das rechtwinkelig umgebogene Ende der Platincapillare mit dem Stickstoffgasometer verbunden und so lange reiner, trockener Stickstoff durch den Apparat geleitet wurde, bis alle Luft verdrängt war. Sodann wurde der Apparat durch den mit der Capillare verbundenen Quetschhahn und das unter Wasser tauchende Gasentbindungsrohr luftdicht geschlossen, der Ofen angeheizt und, sobald die gewünschte Temperatur erreicht war, der Stickstoff durch trockenes, reines Salzsäuregas verdrängt und im Uebrigen genau wie bei einer V. Meyer'schen Dampfdichtebestimmung verfahren. Aus dem Volum V der Platinbirne bei 0° und 760mm, ferner dem in dem erhitzten Apparate auf 0° und 760mm reducirten Stickstoffvolum v, dem bekannten Ausdehnungscoefficienten des Stickstoffes α und dem kubischen Ausdehnungscoefficienten γ des Platins berechnet sich dann nach der einfachen Formel die Versuchstemperatur T.

Textabbildung Bd. 266, S. 432

Mensching und V. Meyer haben in dem beschriebenen Pyrometer verschiedene Dampfdichte und Temperaturbestimmungen vorgenommen. Sie fanden die Temperatur siedenden Wassers zu 99,4, die kochenden Naphtalins zu 216,9° und diejenige eines im Göttinger Universitätslaboratorium befindlichen Perrot'schen Ofens zu 1224°. Die Dampfdichte des Jodkaliums ergab bei einer Temperatur von 1320° 5,85, während der Formel KJ der Werth 5,75 entspricht. Dadurch hat die Annahmt von der Einwerthigkeit der Alkalimetalle ihre experimentelle Begründung erfahren. Enthält der Stickstoff indessen nur die geringste Menge Luft, so wird der Versuch illusorisch, da dann reichlich Joddämpfe auftreten. Nur mit einem Apparate, welcher ohne Herausziehen der Platinröhre und durch bedingtes Hineinreiſsen von Luft zu arbeiten gestattet, sind brauchbare Resultate zu erzielen. Beim Arbeiten mit den älteren Apparaten erhält man wohl auch gelegentlich auf die Formel KJ stimmende Zahlen, doch ist dies lediglich Zufall, wenn nämlich bei abnormaler Vergasung und theilweiser Verdampfung von Kaliumoxyd neben Jodkalium, das Deficit an verdrängtem Gas durch den entwickelten Dampf des dissociirten Jodes gerade ausgeglichen wurde (Zeitschrift für physikalische Chemie, 1887 Bd. 1 S. 145 und Berliner Berichte, 1887 Bd. 20 S. 582, vgl. auch 1887 265 * 373).

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