Titel: Phosphatlager in Italien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 266/Miszelle 7 (S. 575–576)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj266/mi266mi12_7

Phosphatlager in Italien.

Zu der in den Chemical News, 1887 Bd. 55 S. 229 erschienenen Mittheilung K. Walter's über Phosphatlager in Unteritalien (vgl. 1887 265 142) veröffentlicht H. Spindler in der Chemiker-Zeitung, 1887 Bd. 11 S. 989 eine Kritik, in der er |576| sich zunächst gegen den von Walter gefundenen Gehalt der Phosphate an phosphorsaurem Kalk wendet. Spindler entnahm, um möglichst eine Durchschnittsprobe zu analysiren, den verschiedensten Stellen Probestücke im Gesammtgewicht von etwa 30k. Etwa die Hälfte davon wurde zu einem feinen Pulver zerstoſsen, sorgfältig gemischt und der Analyse unterworfen, welche einen Gehalt von 16,2 Proc. an phosphorsaurem Kalk ergab. Um den Phosphorsäuregehalt der Koprolithen allein zu bestimmen, wurden mehrere Kilogramm des noch unzerstoſsenen Materials im Schmiedefeuer geglüht und dann mit Wasser behandelt, wodurch die zu Kalk reducirte Gangart entfernt wurde. Sie betrug ungefähr 20 Proc. der Gesammtmasse. Die auf diese Weise isolirten Koprolithen zeigten einen Gehalt von 19 Proc. an phosphorsaurem Kalk. Es sei noch erwähnt, daſs die Phosphatknollen sich als stark eisenhaltig erwiesen; ein Gehalt an Fluor wurde nicht bemerkt.

Spindler spricht nun die Ansicht aus, daſs der Grund, weshalb Walter den Gehalt des Koprolithen an Phosphorsäure um das Doppelte höher gefunden habe als er, wohl der sei, daſs jener entweder ein völlig gelichtetes Material untersucht habe, oder aber die Proben zufällig sämmtlich einem Punkte entnommen waren, an welchem die Koprolithen besonders reich an Phosphorsäure gewesen sind. Auch die von Walter ausgesprochene Behauptung, daſs die Ausbeutung dieser Phosphatlager Unteritaliens für die italienische Industrie von Bedeutung sein werde, glaubt Spindler mit gröſster Vorsicht aufnehmen zu müssen. Vor allem ist noch keineswegs festgestellt, ob überhaupt Phosphate daselbst in nennenswerthen Mengen existiren. Man kennt wohl die Ablagerungen, da, wo sie zu Tage treten, aber wie weit sie sich in das Innere erstrecken und mit welcher Mächtigkeit, das ist bis jetzt noch nicht untersucht worden. Es ist daher unzulässig, schon jetzt von Millionen Cubikfuſs abbauwürdigen Materials zu sprechen.

Die Bestimmung der Ausdehnung fraglicher Phosphatlager wird nach Spindler's Ansicht jedoch weder schwierig noch kostspielig sein; man brauchte nur eine Reihe von Schächten oder Bohrlöchern bis zur Tiefe von 10 bis 12m niederzubringen. Es lieſse sich bei der Gelegenheit auch feststellen, ob, wie behauptet wird, die Phosphate im Inneren reicher an Phosphorsäure sind, als nahe der Erdoberfläche, wo sie den Einflüssen des Meerwassers und der Atmosphärilien ausgesetzt sind. So lange aber derartige Vorarbeiten nicht gemacht sind, ist es jedenfalls verfrüht, von der Anlage von Superphosphat- und anderen Fabriken in dortiger Gegend zu reden.

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