Titel: Breithaupt's Orientirungs-Instrument.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/ar268061

Das Orientirungs-Instrument des mathematisch-mechanischen Institutes von F.W. Breithaupt und Sohn in Cassel.

Die Wichtigkeit der richtigen Orientirung der Grubenzüge, insbesondere wegen ihrer Verbindung unter einander sowie mit der Vermessung über Tag, rechtfertigt die Anwendung der genauesten Instrumente. Bekanntlich werden für die erforderliche Bestimmung der Declinationsänderungen, sowie der absoluten Declination sogen. Magnetometer oder Declinatorien verwendet, und zwar ist das genaueste, von Gauſs und Weber1) angegebene und von Georg Breithaupt zuerst ausgeführte, mit Spiegel und Skala ausgestattet. In Clausthal ist auch die Vorrichtung mit Collimatorablesung (Brathuhn, Lehrbuch der praktischen Markscheidekunde) erfolgreich in Gebrauch, bei welcher der Magnetstab an dem einen Ende eine kleine achromatische Linse, am anderen Ende, im Brennpunkte der Linse, eine Glasscheibe mit sehr feiner Theilung trägt. Borchers brachte zuerst diese Vorrichtungen in Verbindung mit einem Theodolith und schuf hierdurch für die Praxis ein Instrument, vollkommen geeignet, jene so wichtigen Orientirungsarbeiten mit möglichster Schärfe auszuführen. Bei allen diesen Apparaten ist der Magnetstab auf einem feinen Faden, oder wenn hinreichend groſs und schwer, auf feinem Draht aufgehängt. Faden und Draht müssen torsionsfrei sein, um die freie Beweglichkeit der Nadel nicht zu behindern und sind bei allen Declinatorien, die die mannigfachsten Constructionen haben, die zur Erfüllung dieser Bedingung erforderlichen Einrichtungen vorgesehen. Die Umständlichkeit der mit solchen Instrumenten auszuführenden Messungen, die besondere Aufmerksamkeit, die sie erfordern, die gröſseren Kosten sowie zuweilen wohl auch der gerade in der Grube nicht genügend vorhandene Raum machen oft auch die Anwendung weniger genauer, aber einfacherer Instrumente nöthig. Der bisher übliche Gebrauch der Lupen zur Einstellung der auf einer feinen Spitze schwebenden Magnetnadel ist fehlerfrei nicht zu erreichen und schon 1826 hat F.W. Breithaupt ein Instrument gebaut, bei dem er zur Einstellung der Spitzen der Nadel das Fernrohr selbst verwendete, indem er über jeden der Pole der Magnetnadel eine Linse senkrecht zu der auf den Pol eingestellten Visirlinie des Fernrohres anbrachte. F.W. Breithaupt und Sohn sind nun bei ihrem neuen Orientirungs-Instrument, welches wie das damalige, Theodolith und Declinatorium zugleich sein soll, auf jenen Gedanken zurückgegangen.

In der letzten Zeit ist es ihnen gelungen, bei der auf Spitze spielenden Magnetnadel ein empfindlicheres und sichereres Spielen zu erreichen, und das Fernrohr, mit dem die Einstellung der Nadel bewirkt wird, ist dadurch, daſs vor das Objectiv eine Linse centrisch vorgeschoben |323| wird, in ein Fernrohr-Mikroskop verwandelt worden. Hierdurch ist es möglich, mit vorgeschobener Linse die Indexlinien, welche sich auf feinen, an den Polen angebrachten Silberplättchen befinden, scharf und ohne jede Parallaxe einzuvisiren; wird dann die Linse weggeschoben, so kann mit demselben Fernrohr auf ein anderes entferntes Object eingestellt werden. Die Construction ermöglicht so, daſs roan die Indexlinie der Nadel genau in die Vertikalebene der Visirlinie des Fernrohres bringt. Die übrige Einrichtung des als vollkommener Grubentheodolith ausgerüsteten Instrumentes2) kann hier übergangen werden, da es hier nur auf das dem Instrumente zu Grunde liegende Prinzip ankommt.3)

R.

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Resultate aus den Beobachtungen des magnetischen Vereines von Gauß und Weber, Göttingen 1837.

|323|

Berg- und Hüttenmännische Zeitung, 1888 Nr. 6.

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Ueber Theodolith vgl.: Elemente der Vermessungskunde von G.M.v. Bauernfeind, 6. Auflage. J.G. Cotta's Verlag. S. 269 bis 325.

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