Titel: Ueber die Anwendung des Fluorchrom in der Wollfärberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268 (S. 373–375)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/ar268070

Ueber die Anwendung des Fluorchrom in der Wollfärberei.

H. Lange*) macht über das Fluorchrom und seine Verwendung in der Wollfärberei folgende Mittheilung: Die Firma Rudolph Koepp und Comp. in Oestrich im Rheingau fabricirt seit einiger Zeit Fluorchrom. Das Handelsproduct stellt ein krystallinisches grünes Pulver dar, mit einem Gehalt von 42 bis 43 Proc. Chromoxyd. Es besitzt die Formel Cr2Fl6 + 8H2O und ist leicht in Wasser mit grüner Farbe löslich.

Beim Zeugdruck läſst sich das Fluorchrom in vielen Fällen mit |374| Vortheil an Stelle von essigsaurem und salpetersaurem Chrom bei Dampffarben anwenden; in der Wollfärberei bietet es als Ansud an Stelle von chromsaurem Kali groſses Interesse.

In der ersten Linie wurden chromsaures Kali und dem Chromgehalt desselben entsprechende Mengen Fluorchrom als Ansud benutzt. Zugleich schien es nicht uninteressant, auch noch Chromalaun, salpetersaures Chrom, Chlorchrom und essigsaures Chrom mit oben genannten Salzen zu vergleichen, wenn auch die Anwendung des Chromalauns nie groſse Bedeutung gehabt hat und die drei letzteren bisher in der Wollfärberei keine Verwendung gefunden haben. Bei diesen Färbungen wurden die am meisten gebräuchlichen Gewichtsmengen, nämlich 3 Proc. chromsaures Kali und 2½ Proc. Weinstein vom Gewicht der Wolle, sowie die dem Chromgehalt des ersteren entsprechenden Mengen der anderen Chromsalze angewendet; als Farbstoffe dienten Alizarinroth, Alizarinorange, Coeruleïn, Alizarinblau, Blauholz und Gelbholz. Lange erhielt dabei Färbungen, die deutlich zeigen, daſs dem chromsauren Kali gegenüber nur das Fluorchrom in Frage kommen kann.

Weiter wurde eine Reihe Versuche mit 1½ Proc. 3 Proc. und 5 Proc. chromsaurem Kali vom Gewicht der Wolle und die dem Chromgehalt desselben entsprechenden Mengen Fluorchrom bei Gegenwart von Weinstein, Schwefelsäure, Weinsteinpräparat und Essigsäure ausgeführt und wieder die oben erwähnten Farbstoffe zum Ausfärben benutzt; auch in allen diesen Fällen zeigte sich Fluorchrom als ein gutes Ansudmittel fiir Wolle.

Die mit Fluorchrom erhaltenen Farben sind sehr rein und satt; Blauholz wird schön blau, Gelbholz rein gelb. Alizarinorange und Alizarinroth werden schön braun fixirt; Alizarinblau wird etwas röther als bei Anwendung von chromsaurem Kali. Die mit Fluorchrom angesottene Wolle hat ein hellgrünliches Aussehen – es wird Chromoxyd direkt auf der Faser niedergeschlagen. Mit chromsaurem Kali angesotten, wird die Wolle je nach der Zeitdauer des Ansiedens gelb bis grünlich; ist sie grün, so hat hierbei jedenfalls eine Oxydation der Wollfaser bei gleichzeitiger Reduction der Chromsäure zu Chromoxyd stattgefunden und erklärt sich hieraus der Umstand, daſs die Wolle hierbei stets etwas angegriffen bezieh. rauher und härter wird.

Bei Anwendung von Fluorchrom scheint die Menge des fixirten Farbstoffes in direktem Verhältniſs zu stehen zur Stärke des angewendeten Ansudes; je stärker also der Ansud, desto mehr Farbstoff wird fixirt. Dies ist beim chromsauren Kali nicht immer der Fall, da die auf der Faser befindliche Chromsäure stark oxydirend wirkt und so gröſsere Mengen mancher Farbstoffe zerstört. So gibt z.B. ein Ansud mit 5 Proc. chromsaurem Kali vom Gewicht der Wolle mit Blauholz nur matte graue Färbungen.

Wollgarn mit Fluorchrom längere Zeit angesotten zeigt keine Neigung |375| zum Filzen und bleibt sehr weich. Ueberhaupt konnte bis jetzt keinerlei ungünstige Einwirkung dieses Salzes auf Wollfaser und Farben constatirt werden; auch zeigten sich letztere nach längerer Belichtung (im Winter) ebenso echt als die mit chromsaurem Kali hergestellten.

Die mit Fluorchrom angesottene Wolle netzt sich leicht im Ausfärbebad; der Farbstoff wird mit steigender Temperatur langsam und gleichmäſsig fixirt und die Farbbäder werden gut ausgezogen. Tuche werden z.B. mit Alizarinblau gleichmäſsiger und besser durchgefärbt als bei einem Ansud mit chromsaurem Kali.

Kupfer wird durch Fluorchrom stark angegriffen; es ist daher das Ansieden in Holzgefäſsen auszuführen. Die in Kupferkesseln angesottene Wolle hat ein schmutzig-gelbliches Aussehen und die Farben sind nur von geringer Lebhaftigkeit.

Der Werth des Fluorchrom beruht auf seiner leichten Zersetzbarkeit und der unschädlichen Eigenschaft der frei werdenden Fluorwasserstoffsäure Faser und Farbstoffen gegenüber. Dazu kommt noch, daſs auch in Fällen, bei denen das chromsaure Kali seiner oxydirenden Eigenschaften wegen im Stich läſst, das Fluorchrom gut zu gebrauchen ist. So war es bisher nicht möglich, mit Indigo vorgeblaute Wolle durch chromsauren Kali-Ansud ohne bedeutenden Verlust an Indigo zu überfärben; mit Fluorchrom läſst sich dies leicht ausführen, ohne den Indigogrund zu schädigen.

Das Fluorchrom scheint berufen zu sein, besonders da, wo auf Erzielung von schönen und reinen Farben gesehen werden muſs, sowie auch in Fällen, wo sich die Waare schwer durchfärbt, das chromsaure Kali mit Erfolg zu ersetzen.

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Nach vom Herrn Verfasser gefälligst eingesendetem Sonderabdruck aus der Leipziger Monatsschrift für Textilindustrie, 1888 Nr. 3.

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