Titel: Galvanoplastische Herstellung von Platten für den Landkartendruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268 (S. 462–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/ar268089

Galvanoplastische Herstellung von Platten für den Landkartendruck.

Auf Grund vorausgegangener Versuche (1885 256 215; Journal of the Society of Telegraph Engineers and Electricians, 1885 Bd. 14 S. 28) benutzt das englische Plankammeramt (Ordnance Survey Office) in Southampton bei der galvanoplastischen Herstellung der Druckplatten zu den Landkarten eine Dynamomaschine. Nach Engineering vom 3. Februar 1888, Bd. 45 * S. 119, ist dieselbe von Crompton geliefert und besitzt einen doppelten, liegenden Elektromagnet, während der Anker ein Gramme-Ring ist. Der Elektromagnet wird hauptsächlich durch Nebenschluſs-Rollen erregt, doch hat jede Rolle auch eine Lage Draht in Hintereinanderschaltung, damit die Maschine ruhig arbeitet, wenn die Bogenlampe brennt. Eine Gefahr einer Umkehrung während des Niederschlagens ist nicht vorhanden, weil die Zahl der Windungen in Hintereinanderschaltung gering und die elektromotorische Gegenkraft der Bäder schwach ist. Diese Maschine arbeitet vollkommen befriedigend. Sie ist mit der Dampfmaschine von Willans, die mit 120 Pfund Dampfdruck arbeitet und mit 760 Umdrehungen in der Minute läuft, auf dieselbe Grundplatte aufgeschraubt und die Ringachse ist mit der Kurbelwelle gekuppelt (vgl. 1885 256 216); es sind nur 3 Lager vorhanden, zwei für die Dampfmaschine und eines für die Dynamo.

Die Druckplatten gehen bis zu einer Gröſse 662 × 962mm; sie müssen sehr dick sein (1mm,6 für die Matrizen, 3mm,2 für die Druckplatten); das Kupfer muſs, namentlich seit der Benutzung der Dampf-Kupferdruckpresse, bei den Druckplatten durchweg von gleicher Dicke sein und es muſs sich leicht graviren lassen, auch muſs es von besonderer Güte sein.

Zuerst wird die abzuklatschende Platte (gravirtes Original oder Matrize) sorgfältig mit einer Pottaschelösung gereinigt, dann erwärmt und auf der Rückseite mit Wachs überzogen, darauf auf der Vorderseite mittels einer Lösung von Silbercyanid versilbert, nun zur Erzeugung von Jodsilber, das das Anhaften des niedergeschlagenen Kupfers verhütet, mit Jodtinktur überbürstet. Nun wird die zunehmende Platte (Kathode) mit Kupfernägeln auf einem Brett befestigt und die Ränder mit einem Gemenge aus feinem gebrannten Gyps, Bienen wachs und russischem Tals; bedeckt, damit das niedergeschlagene Kupfer nicht |463| um sie herumwächst, jedoch werden schmale Lücken in dem Wachsgemenge gelassen, damit sich Haken bilden, welche die niedergeschlagene Platte fest mit der zunehmenden verbinden. Sodann wird die Zuleitung an einen vorher schon an den Rücken der Platte angelötheten Kupferstreifen, für den ein Loch im Brette ist, angelöthet, und jetzt ist die Platte zum Einsetzen ins Bad fertig.

Im Bade kommt die Platte mit der Vorderseite nach unten in eine wagerechte Lage. Jedes Bad nimmt nur ein Brett mit einer oder zwei Platten auf; und die sich lösende Platte wird wagerecht auf den Boden des Bades gelegt; an den Rücken der letzteren ist ein sorgfältig isolirter Leiter gelöthet. Die zunehmende Platte wird durch auf das Brett genagelte Holzstückchen parallel zur Anode und etwa 25mm entfernt von ihr erhalten. Die Anoden richten sich in ihrer Gröſse nach der zunehmenden Platte; neu sind sie 9mm dick (⅜ Zoll); das Kupfer ist von guter Beschaffenheit und enthält nur 0,5 Proc. Unreinigkeiten; es wird mittels der Inductions-Wage von Hughes (1882 244 331) geprüft. Als Losung dient schwefelsaures Kupfer, angesäuert mit Schwefelsäure; ihre Dichte wird auf 1,150 erhalten, sie enthält 5 Raum-Proc. Säure. Die Lösung muſs in beständiger Bewegung erhalten werden, und dazu ist ein besonderer von einer kleinen Dampfmaschine bewegter Apparat vorhanden, der die Bäder etwa 9mal in der Secunde hin und her schwingt. Dieses Schwingen ist sehr wichtig, damit die Lösung nicht an der sich lösenden Platte gesättigt werde und damit sie nicht an der zunehmenden Platte zu dünn werde, was noch nachtheiliger wäre; auch würde sonst die elektromotorische Gegenkraft gröſser werden.

Die 23 Bäder sind hinter einander geschaltet. Jedes Bad läſst sich leicht ein- und ausschalten. Als zweckmäſsigste Stromstärke hat sich 6 Ampère für den Quadratfuſs (64 Ampère für 1qm) durch die Versuche ergeben. Aus verschiedenen Gründen nimmt man jedoch 35 Ampère und hat so bei den älteren 662 × 962mm Platten nur 4,75 Ampère für den Quadratfuſs, bei den 15 × 23 Zoll (375 × 475mm) Platten dagegen 7,5 Ampère und man bringt deshalb eine Nebenschlieſsung an den Klemmen des Bades an, um den Strom auf 28 Ampère oder 6 Ampère für den Quadratfuſs herabzubringen.

Der mittlere Widerstand eines Bades ist 0,009 Ohm, seine elektromotorische Gegenkraft 0,02 Volt. Die Dynamomaschine ist auf 65 Volt und 40 Ampère bei 700 Umdrehungen und 13 Volt und 4 Ampère bei 350 Umdrehungen berechnet.

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