Titel: Kohn's registrirendes Dynamometer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268 (S. 537–539)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/ar268099

Registrirendes Dynamometer; von M. Kohn.

Mit Abbildungen auf Tafel 29.

Was der Indicator für die Dampfmaschine, das ist das Dynamometer für eine Reihe von Arbeitsmaschinen. Wenn gleichwohl dieses Instrument noch wenig Eingang in die Praxis gefunden, so liegt der Grund wohl darin, daſs fast jedes von den bekannten Dynamometern, wie sinnreich auch sonst die Construction desselben sein mag, nicht verwendet werden kann, wenn nicht vorher gröſsere, Zeit und Kosten verursachende Vorbereitungen getroffen werden, sei es, daſs der Apparat in Folge seines groſsen Gewichtes nur schwer zu transportiren ist, daſs auf der Transmission oder der zu prüfenden Maschine Riemenscheiben zu versetzen oder neu aufzubringen sind, um den Apparat bethätigen zu können u. dgl. m. Manche Dynamometer, z.B. das Dynamometer von Hefner-Altenek (vgl. 1881 241 * 253), zeigen diese Uebelstände nicht, sie sind aber nicht selbstregistrirend, demnach nicht im Stande, über die Vorgänge einer Maschine Aufschluſs zu geben, welche unter rasch wechselnden Verhältnissen arbeitet.

Bei dem in Folgendem beschriebenen Dynamometer wurde versucht, die gerügten Uebelstände zu vermeiden (* D.R.P. Kl. 42 Nr. 43287 vom 17. September 1887).

Das Dynamometer wird zwischen der Transmission und der zu prüfenden Arbeitsmaschine derart eingeschaltet, daſs der Riemen (Fig. 1. Taf. 29) zwischen R1 R3 und R2 hindurch zur Transmission und von diesen wieder zwischen R2 R4 und R1 hindurch zur Arbeitsmaschine zurückläuft. Die Riemenscheiben R1 und R2 sind in den beiden Schildern a und a1 (Fig. 2 und 3), die Scheiben R3 und R4 in zwei Bügeln b, b1 gelagert, die von den Hebeln c, c1 getragen werden, und können in Führungen der Schilder aa1 gleiten. Eine Stange d verbindet die beiden Hebel b, b1 und trägt das Balancegewicht e. Da die Spannung in den beiden Riementrumen verschieden ist, wird der Hebel c1 bei f (Fig. 3) |538| auf die Spindel g drücken. Der Druck ist bei symmetrischer Stellung der Riemenscheiben R4 R3 gegen R1 und R2, wie leicht zu finden, proportional der Kraft, die der Treibriemen auf die Arbeitsmaschine überträgt. Herrscht Beharrungszustand, so wird der in f auf die Spindel wirkende Druck durch den gleich groſsen entgegengesetzt gerichteten Druck der Feder h aufgehoben. Aendert sich aber die durch das Dynamometer geleitete Arbeit, also auch die Spannung im Riemen, so wird auch der in f wirkende Druck ein anderer, die Spindel g steigt oder fällt, bis die aufgekeilte Muffe i durch eine eigenartige Kniehebelkuppelung (Fig. 3 bis 5) mit einem von den beiden losen Kegelrädern r4 oder r5 gekuppelt ist. Diese beiden Räder rotiren constant in entgegengesetztem Sinne, da sie von R1 durch die Räder r1 r2 und r3 (Fig. 4 und 5) angetrieben werden. Die Spindel g wird daher gekuppelt umlaufen, dadurch wird der Kolben k, der durch den Klotz k1 (Fig. 4) am Drehen gehindert ist, gehoben oder gesenkt, bis die Federspannung gleich dem in f wirkenden Drucke geworden. Sobald dies geschehen, hört auch der Druck zwischen den kuppelnden Klötzen k2 (Fig. 3 und 5) und dem Hohlcylinder von r1 bezieh. r2 auf, und die Spindel g kommt zur Ruhe.

Das Dynamometer führt demnach selbstthätig die beiden Scheiben R3 und R4 in die ursprüngliche gegen die Scheiben R1 und R2 symmetrische Lage zurück, sobald dieselben sich bei einer Aenderung der übertragenen Kraft um ein Geringes verschoben haben.

Registrirapparat. Das Dynamometer schreibt eine fortlaufende Curve, deren Ordinate die jeweilig vom Riemen übertragene Kraft gibt, während die Abscisse den zugehörigen Weg darstellt, wo demnach die zwischen Curve und Nulllinie liegende Fläche die von der Arbeitsmaschine verrichtete Arbeit angibt. Dies wird in nachstehender Weise erreicht:

Mit dem Kolben k ist ein Klötzchen k1 verbunden (Fig. 4), welches durch einen Schlitz des Federhauses nach auſsen tritt. k1 trägt das lose Röllchen l und eine mit ihr fest verbundene unrunde Scheibe m (Fig. 4 und 7). An dem Umfange von l sind zwei Stahlbänder n und n1 befestigt, welche die Scheiben in entgegengesetztem Sinne umschlingen und zu den Fixpunkten o und o1 laufen. Aendert der Kolben k seine Stellung, so wälzt sich l auf einem der gespannten Stahlbänder ab, und da nun der Körper p (Fig. 2, 4 und 7) mittels eines Röllchens auf der unrunden Scheibe m aufruht, so wird p um ein Wegstück auf oder nieder geschoben, dessen Gröſse vom Ausschlag der Feder und der Form der unrunden Scheibe abhängt. Die Scheibe m kann nun leicht derartig gestaltet werden, daſs die Verschiebung von p und des damit verbundenen Schreibstiftes s proportional der Spannungsänderung in der Feder, demnach auch proportional der vom Treibriemen übertragenen Kraft wird. Der Schreibstift drückt auf einen Papierstreifen, welcher zwischen den beiden Cylindern t und t1 (Fig. 2 und 6) hindurch in |539| der Pfeilrichtung von einer Papierrolle abgezogen wird, und da t1 von R1 aus durch die Räder r1 r2 r6 und r7 (Fig. 4 und 6) angetrieben ist, so schreibt s eine Curve von der im Vorgehenden angegebenen Eigenschaft. Ein zweiter fester Stift, welcher in der Zeichnung fehlt, schreibt die Nulllinie des Diagrammes.

Durch die Anwendung der unrunden Scheibe wird es möglich, jede Spiralfeder, welche Eigenschaften sie auch sonst haben mag, in dem Dynamometer anzuwenden, wenn sie nur die gröſste vorkommende Belastung ohne bleibende Deformation erträgt.

M.K.

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