Titel: Apparat zur direkten Bestimmung der Kohlensäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 5 (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi03_5

Apparat zur direkten Bestimmung der Kohlensäure.

Dieser von O. Ostersetzer construirte Apparat hat vor dem gewöhnlich zur direkten Bestimmung der Kohlensäure benutzten den Vorzug gröſserer Einfachheit. Aus umstehender Figur ist seine Einrichtung leicht zu ersehen.

Der Kolben, welcher nicht mehr als 70cc zu fassen braucht, ist mit sehr verdünnter Salzsäure gefüllt und mittels eines doppelt durchbohrten Kautschukstopfens geschlossen. Durch die eine Bohrung tritt die Kohlensäure in die Wasch- und Absorptionsapparate; durch die andere geht ein rechtwinkelig |144| gebogenes Rohr, welches unten in eine nach aufwärts gebogene Spitze endet. Dieses Rohr dient zur Verbindung mit der Waschflasche, welche mit Kalilauge gefüllt ist, um die während der Bestimmung durch den Apparat zu saugende Luft von Kohlensäure zu befreien. Die nach aufwärts gebogene Spitze hindert das Entweichen der Kohlensäure auf diesem Wege. Zugleich aber trägt dieses Rohr seitlich einen hakenförmigen Ansatz, an dem das die Substanz enthaltende Glasschälchen a hängt. Das Rohr ist zwischen b und c verjüngt, um in der Bohrung auf und ab geschoben werden zu können.

Der Aufsatz besteht aus dem Geißler'schen Schwefelsäurerohr d, welches unten mit einer Welter'schen Sicherheitsröhre versehen ist; die Schwefelsäure befreit die aufsteigenden Gase vom Wasser und läſst sie in das eingeschliffene Röhrchen e treten, das mit Kupfervitriolbimsstein gefüllt ist, welcher die Salzsäuredämpfe zurückhält. Die so gereinigte Kohlensäure tritt in den Liebig'schen Kaliapparat, an den ein mit Natronkalk gefülltes Röhrchen angefügt ist.

Textabbildung Bd. 268, S. 144
Die Ausführung der Bestimmung ist höchst einfach. Man wägt in dem kleinen Glasschälchen 0,2 bis 0g,3 der Substanz ab und hängt dasselbe an den Haken, während das Rohr hochgezogen ist. Dann wägt man den Kaliapparat sammt Natronkalkrohr, bringt ihn an seine Stelle und verbindet f mit dem Aspirator, g mit der Waschflasche; nun drückt man das Glasrohr hinunter, so daſs das Schälchen sich mit Flüssigkeit füllt. Zugleich wird auch der dicke Theil des Rohres in den Stöpsel gedrückt, so daſs der Verschluſs vollständig ist. Man saugt während der Bestimmung einen Luftstrom durch den Apparat und beschleunigt eventuell die Lösung durch sanftes Schütteln. Erst nach der Lösung erhitzt man ein wenig, um die gelöste Kohlensäure auszutreiben und saugt zum Schluſs noch etwa 10 Minuten lang Luft durch den Apparat. Die Gewichtszunahme des Kaliapparates + Natronkalkrohr gibt die Kohlensäure an.

Füllt man den Geißler'schen Aufsatz zu zwei Dritteln mit Schwefelsäure, so flieſst dieselbe vorerst durch das heberartig gekrümmte Rohr in das Sicherheitsrohr, in dessen Kugeln sie stehen bleibt. Beginnt man nun die Entwickelung, so wird ein Theil der Schwefelsäure auf demselben Wege wieder hinaufgetrieben, so daſs die Gasblasen zweimal die Säure passiren müssen, nämlich beim Eintritt in die Kugel und beim Austritt aus dem gebogenen Rohr. Sollte beim Hineindrücken des Glasrohres das Substanzschälchen sich nicht füllen wollen, so genügt ein Schütteln des Apparates, um es unter die Oberfläche zu bringen. Zu starkes Erhitzen ist thunlichst zu vermeiden, weil sonst die Resultate leicht zu hoch ausfallen könnten. Um eine plötzliche Entwickelung der Kohlensäure zu verhindern, ist die Säure möglichst verdünnt zu nehmen, man nimmt z.B. bei den Carbonaten der Alkalien und alkalischen Erden auf je 0g,1 Substanz 1cc Säure, was einer 15 bis 20fachen Verdünnung entspricht.

Der Apparat ist in sehr netter Ausführung von dem Mechaniker C. Woytacek in Wien, VII. Westbahnstraſse 3, um den Preis von 2 fl. 50 kr. zu beziehen (aus der Zeitschrift für analytische Chemie, 1888 Bd. 27 S. 27; vgl. auch F. Cochius 1887 266 * 142 und J. Sinibaldi 1887 266 * 430).

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