Titel: Ries' Vermehrung der Adhäsion zwischen den Locomotivrädern und den Schienen bezieh. den Bremsen durch Elektricität.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 2 (S. 335–336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi07_2

Ries' Vermehrung der Adhäsion zwischen den Locomotivrädern und den Schienen bezieh. den Bremsen durch Elektricität.

Neuere Versuche über die Verwendbarkeit eines elektrischen Stromes zur Vermehrung der Zugkraft zu Folge stärkeren Anhaftens der Locomotivräder an den Schienen hat Elias E. Ries angestellt. Er hat über dieselben in der American Association for the Adrancement of Science 1887 in New York einen Vortrag gehalten (vgl. Scientific American, Supplement 1887 Nr. 623 S. 9953). Die Elektricität wird entweder unmittelbar verwerthet oder der durch sie erregte Magnetismus.

Daſs die Elektricität unmittelbar zur Erhöhung der Reibung an einem rollenden Körper benutzt werden kann, hat Edison in seinem Elektromotograph gezeigt (1874 214 255). Neuerdings hat man dieselbe Wirkung an elektrischen Bahnen beobachtet, bei denen die Schienen einen Theil des Stromkreises bilden. So ermöglicht sie auf der Baltimore and Hampden Electric Railway, welche nach Daft's Vorschlage (vgl. S. 316 d. Bd.) eine dritte Schiene besitzt, daſs die Motoren, ohne zu gleiten, eine lange Steigung 1 : 15 mit schwer beladenen Wagen hinaufsteigen. Das Anhaften kann durch einen elektrischen Strom uni 50 bis 100 Proc. vergröſsert werden. Die Versuche haben gezeigt, daſs die Wirkung mit der Strommenge wächst, aber nur eine geringe elektromotorische Kraft (0,5 bis 1 Volt) erfordert. Die Wirkung ist besonders merklich bei Eisen, Stahl und anderen metallenen Körpern und rührt von einer durch die Erwärmung veranlaſsten Veränderung der Molecularbeschaffenheit her. Bei Eisenbahnwagen sollen alle vier Räder hinter einander vom Strome durchflössen werden, indem derselbe einem gegen seine Achse isolirten Vorderrade zugeführt wird, auf der Schiene zu dem nächsten Hinterrade geleitet wird, durch die Hinterachse zur anderen Schiene und in dieser zu dem zweiten, gegen seine Achse nicht isolirten Vorderrade gelangt. Den Strom soll eine schnelllaufende Wechselstromdynamo auf der Locomotive erzeugen, worauf derselbe mittels eines Inductors in einen Strom von niedriger Spannung umgesetzt |336| wird. Will man die Schienenstöſse ganz unschädlich machen, so bringt man auf den beiden Achsen Reifen an und führt diesen den Strom zu, so daſs die Schienen parallel geschaltet sind. Die Elektricität kann dabei entweder nur in den Zeiten des Bedarfs benutzt werden, oder auch beständig.

Um eine elektromagnetische Wirkung (vgl. 1875 216 * 405. 1880 236 * 391) zu erzielen, verfahrt Ries ähnlich, wie auch schon früher verfahren worden ist. Er umwickelt die Achsen mit Drahtrollen, durch welche ein Strom einer Batterie gesendet wird, der nur schwach zu sein braucht. Die beiden Achsen mit den Rädern und den zwischen den letzteren liegenden Schienenstücken bilden ein geschlossenes magnetisches System und wirken so kräftig, daſs eine Erhöhung der Zugkraft um 200 Proc. erreicht werden kann, wenn der Strom stark genug ist, um die magnetische Sättigung im Eisen hervorzubringen.

Soll zugleich eine Bremsung ermöglicht werden, so wird die Eisenstange, welche die Bremsklötze trägt, ebenfalls mit einer Drahtrolle umgeben; so lange nicht gebremst werden soll, wird der Stromzweig in dieser in gleichem Sinne geführt, wie der in den Achsenrollen, zum Bremsen wird in ihr die Stromrichtung umgekehrt. Im ersteren Falle stoſsen die Räder die Klötze ab, im letzteren ziehen sie dieselben an.

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