Titel: Die elektrische Beleuchtung der Groſsen Oper in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 4 (S. 383–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi08_4

Die elektrische Beleuchtung der Groſsen Oper in Paris.

Die Einrichtung des elektrischen Lichtes in der Groſsen Oper zu Paris ist im Laufe des Jahres 1887 vollendet worden. Nach der Technischen Rundschau, 1888 * S. 25, ersetzen 6500 Edison-Lampen 7500 Gasflammen. 1881 war mit der Compagnie Continentale Edison in Ivry ein erster Vertrag auf 10 Jahre für die elektrische Beleuchtung des groſsen Foyers, der Haupttreppe und des Theatersaales durch etwa 1800 Lampen abgeschlossen worden. Nachdem diese Probe auſserordentlich günstig ausgefallen war, unterzeichnete der Direktor der Oper einen zweiten Vertrag mit der genannten Gesellschaft im Juli 1886, nach welchem nunmehr das ganze Theater mit elektrischem Lichte versehen wurde. Für die in Aussicht genommenen 5023 Lampen zu 10 Kerzen und 1108 Lampen zu 16 Kerzen sollten 6 Dampfkessel, 9 Dampfmaschinen und 14 Dynamomaschinen aufgestellt werden; letztere sollten 538000 Voltampère in gleichgerichtetem Strom bei 120 Volt und 10000 Voltampère in Wechselstromen bei 200 Volt liefern.

Die erste Dampfmaschine wurde 1884 aufgestellt, eine zweicylindrige horizontale Corliß-Maschine mit Condensation, welche mittels geeigneter Transmission 5 Edison-Dynamomaschinen für je 500 Lampen bei einer Umlaufszahl von 700 und auſserdem eine Gramme'sche Wechselstrommaschine für 24 Jablochkoff'sche Lampen betreibt. Eine zweite Maschine zur Aushilfe liefert mit zwei Edison-Dynamomaschinen Licht für 400 Lampen.

Die Wasserwerke konnten für die Condensationszwecke nicht die genügende Menge Wasser liefern, aus welchem Grunde ein 39m tiefer Brunnen angelegt wurde, der jetzt im Stande ist, eine Wassermenge von 60cbm in der Stunde zu fördern, und zwar durch ein kleines, von einer Edison'schen Dynamomaschine betriebenes Pumpwerk.

Die Aufstellung dieser Maschinen war in etwa zwei Jahren vollendet. Jetzt sah man sich durch den Raummangel genöthigt, vier vertikale Compoundmaschinen mit getrennten Condensatoren aufzustellen, deren jede ein Dynamo (125 Volt, 800 Ampère bei 350 Umläufen in der Minute) für 1000 Edison-Lampen treiben |384| sollte. Der Motor für die Condensatoren erhielt seine Lage neben den Luftpumpen.

Eine besondere Umschaltvorrichtung mit 34 Handhaben neben dem Souffleurkasten gestattet das Reguliren der Lichtwirkungen auf der Bühne. Es genügt hier ein einzelner Mann, um alle denkbaren Lichteffecte auf der Bühne hervorzurufen, vom hellsten Tageslichte bis zur Dunkelheit. Die Beleuchtung der Bühne kann mittels passend angeordneter Stromunterbrecher durch 800 bis 1700 Lampen erfolgen, und es sind geeignete Unterbrechungsapparate hinter der Scene vorgesehen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: