Titel: Verwendung des Eisens zu Bauzwecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 1 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi10_1

Verwendung des Eisens zu Bauzwecken.

Das Eisen findet auch zu anderen Zwecken als wie bisher, wo vorwiegend nur tragende Theile aus Eisen ausgeführt wurden, mehr und mehr Verbreitung; so wird von der Eisenzeitung vom 29. März 1888 berichtet, daſs zur Construction der Decke eines Saales in dem Gerichtsgebäude zu Columbus (Ohio) |479| verzinktes Eisenblech verwendet wird. Das Blech ist an die darüber liegenden eisernen Träger einfach angeschraubt, also in der solidesten Weise befestigt. Das überaus reiche Ornament ist auf den ersten Blick sehr cornplicirt, jedoch sind nur einzelne Leisten wirklich erhaben, während das Ornament der einzelnen Felder durch Malerei erzeugt ist.

Der Fortschritt gegen die alten Stuckdecken sowohl, als gegen die Holztäfelungen ist ein sehr bemerkenswerther und verdient auch bei uns Nachahmung im gröſsten Maſsstabe. Bekanntlich wird in Deckenmalerei in fast allen besseren Wohnungen groſser Luxus getrieben. Sonderbarerweise wird auf den elenden Putz und Stuck die Arbeit mit Wasserfarben verschwendet, so daſs ein einziger Winter die ganze Schönheit in Frage stellen kann.

Die Verwendung von Blechtafeln ermöglicht nicht nur eine sehr dauerhafte Oelmalerei, sondern gestattet auch die Verwendung emaillirter und anderweitig verzierter Platten, um die Wirkung zu erhöhen.

Von einem Eisenhause aus Aachen wird besonders dessen günstiges Aussehen und angenehme Wohnlichkeit hervorgehoben und im Einzelnen folgendes berichtet:

Da das Gebäude an der nördlichen Seite von dem nachbarlichen Wohnhause 0m,5 absteht, an der südlichen und westlichen Seite von freiem Felde begrenzt wird, gegen die 24m breite Strafte noch 3m zurückliegt und als Hintergrund den mit einigen Villen gezierten Höhenzug am Königshügel enthält, so ist die Lage desselben eine sehr bevorzugte und gesunde. Der Ingenieur Heilemann aus Berlin hat das eiserne Haus nach seinem Bausystem in 50 Arbeitstagen für Herrn Stadtrath Leo Vossen hierselbst erbaut und zum Bewohnen fertiggestellt. Dasselbe soll ein Muster für eine groſse Anzahl zu erbauender Arbeiterhäuser sein. Im einfachen Villenstyl ausgeführt, enthält das Gebäude ein 3m hohes Kellergeschoſs, 6 geräumige, helle Zimmer in dem 3m,5 hohen Erdgeschoſs und 2 Zimmer in dem Kniestockwerk. Im Uebrigen ist das Gebäude nicht ausschlieſslich in Eisen ausgeführt. Das Kellergeschoſs ist in Ziegelsteinen aufgemauert, worauf ein Gerippe aus -Eisen gestellt ist, welches die platt gespannten Eisenbleche mit der Hinterfütterung aufnimmt. Letztere besteht aus einer Luftschicht, imprägnirter Bretterschicht, einem zweiten mit imprägnirter Füllmasse ausgestampften Hohlraum, einer zweiten Brettlage und einer Papierfilzlage, worauf die Tapeten geklebt sind. Fuſsboden und Decke sind von Holz, die Schornsteine und das Treppenhaus in Ziegelsteinen ausgeführt. Das Gebäude ist absolut trocken, die Zimmerwände warm, so daſs der Aufenthalt in den Räumen sehr behaglich sein muſs. Mit Hilfe dieses Systemes ist es möglich, Wohnhäuser in der Werkstatt fabrikmäſsig herzustellen, zu versenden und zu jeder Jahreszeit zu montiren.

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