Titel: Kraftabgabe der Berliner Elektricitätswerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1888, Band 268/Miszelle 4 (S. 573–574)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj268/mi268mi12_4

Kraftabgabe der Berliner Elektricitätswerke.

Einen bedeutsamen Schritt zur Verwendung der Elektromotoren für den Kleingewerbebetrieb haben vor Kurzem die Berliner Elektricitätswerke unternommen. Das Rundschreiben der Gesellschaft enthält Folgendes:

Zur Erzielung der weitesten Verbreitung der Elektromotoren haben wir uns entschlossen, nachstehende, besonders günstige Bedingungen für die Verwendung derselben im Anschluſs an unsere elektrischen Hauptstellen festzusetzen.

Für Elektromotoren ist eine monatliche Grundabgabe von 1 Mk. für Ampère der Höchstleistung zu zahlen. Diese Abgabe wird nicht erhoben, wenn der Abnehmer sich bereit erklärt, auf die Lieferung des elektrischen Stromes während der Wintermonate von Sonnenuntergang bis 11 Uhr Abends zu verzichten, im Falle die Beanspruchung der Hauptstellen für die elektrische Beleuchtung dies erfordern sollte.

Der Stromverbrauch wird nach der in unserer Preisaufstellung festgesetzten Stromeinheit berechnet, doch wird auſser den gewöhnlichen Nachlässen ein besonderer Nachlaſs von 25 Proc. in allen Fällen gewährt, wo für die Messung des Stromes für Elektromotorenbetrieb ein besonderer Meſsapparat aufgestellt |574| wird, so daſs also nicht der Strom für Beleuchtung und Kraftübertragung zusammen gemessen wird.

Ueber die hiernach entstehenden Kosten des Betriebes gibt nachfolgende Tabelle Aufschluſs. Bei Beurtheilung derselben ist zu berücksichtigen, daſs die Anschaffung der Elektromotoren noch nicht halb so theuer als die anderer Betriebsmaschinen ist; daſs ferner die Kosten für Bedienung und Wasserverbrauch in Wegfall kommen, daſs die Auslagen für Schmiermaterial sehr gering sind, und daſs der Motor fast keiner Abnutzung unterworfen ist. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daſs die Elektromotoren selbstregelnd sind und daſs daher der Stromverbrauch und damit die Bezahlung sich unmittelbar nach dem Kraftverbrauch richtet; dieser beträgt aber nach den in Amerika gemachten Erfahrungen wegen der leichten Abstellbarkeit der Elektromotoren kaum 30 Proc. der nur hin und wieder erforderlichen Höchstleistung.

Wir sind bereit, in jedem einzelnen Falle Aufschlüsse zu ertheilen, Kostenanschläge für die Einrichtung unentgeltlich auszuarbeiten und die Zahlungsbedingungen entgegenkommend zu vereinbaren. Auch die leihweise Ueberlassung von Motoren ist von uns in Aussicht genommen, sowie die Lieferung des elektrischen Stromes gegen eine bestimmte Abfindungssumme.

Leistungs des
Motors in
Pferdestärken
Grundabgabe
für den Monat
in Mark*
Kosten für die
Stunde bei jähr-
lich 3000 Be-
triebsstunden
in Pfennig


Verwendung der Elektromotoren
für
1/15 1 3,8 Nähmaschinen, medicinische Apparate, Comptoir-
Tischfächer u.s.w.
¼ 3 11,3 Kaffee- und Reismühlen, Drehbänke, Wohnraum-
lüfter, Schleifsteine, Blasebälge u.s.w.
½ 5,50 20,7 Holzbearbeitungsmaschinen, Saallüfter, Wring-
maschinen, Pumpen, kleine Eismaschinen, 3 bis
5 kleine Druckpressen u.s.w.
1 10 38 Gesteinsbohrmaschinen, Hebezeuge, Kreissägen,
Bandsägen, Gesims-Maschinen u.s.w.
2 19 72 Krahne, Waarenaufzüge, groſse Drucker- und
Steindruckpressen. Kleine Werkstätten, Metall-
Plattirpressen u.s.w.
3 28 105 Aufzüge, Pferdebahn wagen, Fabrik-Güterbahn-
wagen u.s.w.
5
8
12
45
70
105
170
264
396
Kraftübertragungen, groſse Arbeitsmaschinen,
Krahne, Elektrische Eisenbahnen und Fabrik-
betrieb u.s.w.

* Fällt fort, wenn während der Zeit von Sonnenuntergang bis 11 Uhr Nachts auf die Stromlieferung verzichtet wird, im Falle die Beanspruchung der Hauptstellen für die Beleuchtung in den Wintermonaten dies erfordern sollte.

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